Medienwelten

23. Januar 2010

Google, China und die grenzenlose Welt

Filed under: Digital Life,Medien — heinzmoser @ 15:18
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Google hat nach einem Hacker-Angriff auf die E-Mail Konten chinesischer Aktivisten für die Menschenrechte beschlossen, sich gegen die Web-Zensur zu wehren. Das erinnert an das Buch von Jack Goldsmith und Tim Wu (Who controls the Internet? New York 2008) welches mit den Verfechtern einer grenzenlosen virtuellen Welt  abrechnet. Es zeigt, wie die Ideen des grenzenlosen Internet, das sich autonom reguliert, schon in den 90er Jahren aufgegeben wurde. Gerade China wird hier als ein besonderer Fall dargestellt, wie sich auch im Netzs die staatlichen Grenzen durchgesetzt haben. Dies geschah zuerst durch Yahoo, das auf diese Weise in den chinesischen Raum eintreten konnte. Seither hat nach Goldsmith/ Wu Google den Platz als führende amerikanische Internet Firma in China übernommen: „Google“, so die beiden Autoren, „betrat China im Jahr 2006 mit einer zensurierten Version seinesSuchprodukts, das in einer offensichtlichen Spannung zur gesamten Idee von Google als ein Weg  stand,  um Informationen zu finden. Die Kapitulatioin vor der staatlichen Macht war offensichtlich.“

Goldmith/Wu sind allerdings keine Vetreter eines freien Internets. Sie sehen Regelungen durchaus als notwenig und berechtigt an. Dennoch ist es ein wichtiges Zeichen, wenn Google nun auf seine ursprüngliche China-Politik zurückkommt – ja vielleicht zurückkommen muss.

veröffentlich auf: https://heinzmoser.wordpress.com/

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17. Januar 2010

Der rosa Schein der Medien

Filed under: Digital Life,Medien — heinzmoser @ 10:36
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Da gibts doch diese nette Werbung mit dem Mann der rückwärts fäht und ein WC-Häschen  streift, Dieses schlittert fensehgerecht den Hang hinunter. Alles kein Problem: Wenn nur keiner im Häuschen drin wäre. Doch der versöhnliche Schluss der Geschichte: Die Mobiliar Versicherung wird es richten.

Wie so etwas in der Realität des Alltags abläuft, berichtet die Sonntagszeitung in der heutigen Augabe Eine Frau – ihres Zeichens Ex-Polizeichefin in Bern – fährt mit dem Auto etwas schräg in die Waschanlage. Auch sie bemerkt das sich anbahnende Unheil  nicht, und erst später wird sie beschuldigt, die Anlage beschädigt zu haben…  Wie gut, dass auch sie bei der Mobiliar versichert ist denkt man als Leser mit WC-Häuschen Erfahrung.

Doch die Realität ist kein Werbeclip: Eine Anzeige wegen Fahrerflucht wurde geprüft, Auseinandersetzungen um die Bezahlung des Schadens zwischen Versicherung und Tankstelle („fehlende Sicherheitsvorrichtung“) dauern an. Auch die Herstellerfirma der Waschanlage ist mittlerweile in den Streit einbezogen…

Und in derselben Ausgabe titelt die Sonntagszeitung: „TV-Trickserei beim Swiss Award. Einspielung mit Gewinner René Pretre wirkte live, war aber vorproduziert.“

Und die Moral von der Geschichte: Wenn der rosa Schein der Medienwelt mit dem Alltag zusammenstösst, dann gibt es oft eine harte Landung auf dem Boden der Realität.

13. Januar 2010

Zeitungen unter Druck

Filed under: Medien,Medienwissenschaft — heinzmoser @ 23:18
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Die Neue Zürcher Zeitung schreibt in der heutigen Ausgabe zum Machtkampf bei der Post: „Die Situation bleibt auch deshalb intransparent, weil Anhänger und Gegner von Verwaltungsratspräsident Claude Béglé beziehungsweise des früheren Konzenchefs Kunz mit Hilfe professioneller Kommunikationagenturen im Hintegrund Informationen streuen und einzelne Medien diese verbreiten, ohne sie zu verifizieren.“ Da scheinen also die Medien die Opfer von cleveren Interessenlobbys zu werden. Journalisten werden zu Erfüllungsgehilfen von Kommunikationsprofis und drucken vermutete News ungeprüft ab, wenn sie ihnen süffig serviert werden.

Da passt es dazu, wenn man in der NZZ eine Seite weiterblättert und dort liest, dass bei Ringier Stellen abgebaut werden. Die Konzentration auf einen integrierten Newsroom soll nach der Journalistenorganisation Impressum 40 bis 50 Mitarbeiter betreffen, davon die Hälfte Journalisten.

Auf der einen Seite also die Kommunikationsprofis, welche Nebelgranaten zünden, während auf der anderen Seite die Jornalisten im digitalen Zeitalter ausgedünnt werden. Die Krise der Medien im digitalen Zeitalter kann kaum deutlicher beschrieben werden.

11. Januar 2010

Vorlesungen – mit Pep und Passion

Filed under: Medien,Medienpädagogik — heinzmoser @ 16:19
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Im heutigen TagesAnzeiger werden Uni-Vorlesungen bewertet. Das ist an sich keine schlechte Idee, nur bei der Ausführung stehen mir die Haare zu Berg. Besonders angetan ist der Rezensent von einer Vorlesung des Historikers Jakob Tanner:

„Tanner spricht schnell und frei, oft schlägt er Brücken zur Gegenwart, hüpft vom Opiumkrieg zur Frankfurter Buchmesse, von der 4-Säfte-Lehre zur Naturheilkunde. Er verzichtet auf Fachbegriffe, doch bringt er Wörter ein, die schon fast verschwunden sind.“.

Ähnlich träf sind die Ausführung zur ebenfalls gut bewerteten Vorlesung von Rechtsprofessorin Ulrike Babusiaux: „Die Materie ist trocken wie der Staub auf dem Forum Romanum, doch Babusiaux schafft es, die Studenten mitzureissen. Mal mit Übertreibung, mal mit Witz, mal mit Gefühl. Dabei ergänzen sich Inhalt und Form der Vorlesung: auf der einen Seite die Juristen des alten Rom, die mit ihren geschmeidigen Voten die Richter auf ihre Seite zu ziehen versuchten. Auf der andern Seite die junge Professorin, die mit ihrer geschmeidigen Vorlesung die Studenten vom Schlaf fernhält.“

Das zeichnet also die gute Vorlesung aus: schwungvolle Anekdoten, Witz, Gefühl und geschmeidige Sätze. Vorlesungen treffen den Geschmack der Zuhörer, wenn sie Unterhaltung pur sind. Das Vorbild scheint die Unterhaltungsshow des Fernsehens zu werden, vielleicht auch der arenataugliche Professor, der dort seine „geschmeidigen“ Voten platziert. Primäre Leistung scheint es zu sein, die Studierenden vom Schnarchen abzuhalten…

Ob die im Weiteren genannten Negativbeispiele wirklich so schrecklich sind? Ich war nicht dort und kann deshalb dazu nichts sagen. Sicher ist es nicht gerade einladend, wenn es von einem Wirtschaftsprofessor heisst: „Er hält den Kopf gesenkt, seine Stimme klingt deshalb ein wenig froschartig. Er spricht träg und plump, lustlos und langweilig.“

Doch sind die im Artikel genannten Kriterien wirklich schon alle , die fürs Lernen zählen? Dinge wie eine gute Gliederung, Bezug auf das Vorwissen der Studierenden, der Hinweis auf wichtige theoretische Positionen, vielleicht auch einmal ein pedantisches Auslegen eines nicht so einfach zugänglichen Arguments – gehören die wirklich nicht mehr dazu? Geht es nur um „Pep und Passion“ wie es der Rezensent im TagesAnzeiger formuliert? Bitte,  stellen wir doch lieber gleich Thomas Gottschalk oder Günther Jauch vors studentische Publikum

«Lassen Sie mich bitte ausreden!» (TagesAnzeiger, 11.1.2010)

7. Januar 2010

Microsoft gegen Apple

Filed under: Digital Life,Medien — heinzmoser @ 17:36
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Die CES in LasVegas hat heute ihre Tore geöffnet. Grund genug für die Zeitungen, darüber zu spekulierem, welche der angekündigten Geräte und Gadgets den Durchbruch schaffen werden: das neue Google-Telefon, 3-D-Blu-ray, verschiedenste  Ereader…

Was schon fast mythische Qualität hat, ist dabei der Kampf von Microsoft gegen Apple. Umberto Eco hatte dies vor über 10 Jahren mit der Auseinandersetzung zwischen der katholischen und der evangelischen Kirche verglichen. Heute greift der Tagesanzeiger dieses ewige Duell auf und schreibt in seiner Online-Ausgabe: „Nach Einschätzung der meisten Branchenexperten greift Microsoft mit dem Tablet Slate zu kurz. Der Platzhirsch ist und bleibt Apple.“

Worum geht denn der Kampf der Hirschgeweihe? Microsoft stellte einen Tablet-PC und fischt damit in den Gewässern von Apple, wo seit einiger Zeit schon Ähnliches angekündigt worden war. Doch ist die Schlacht dieser Giganten wirklich schon entschieden, bevor sie begonnen hat? In den Achtzigerjahren waren sich die Experten ebenso sicher: Der revolutionärere, einfachere und innovative Computer war der Mac. Doch im Massengeschäft ist es nicht immer die beste Lösung, welche den Markt dominiert, was Microsoft und Windows bewiesen haben. So scheint es mir etwas vorschnell,  das Fell des Bären zu verteilen, bevor nur ein erstes Gerät auf dem Markt ist.

Dasselbe gilt übrigens auch die Ereader, wo die Ankündigungen von neuen und revolutionären Geräten wie Pilze aus dem Boden spriessen. Doch welche dieser Geräte werden überhaupt auf den Markt kommen? Und wird das beste Gerät den Durchbruch schaffen – oder der Reader der marktmächtigsten Anbieter wie Amazon? Es wird ein spanendes Jahr, um das Rennen dieser Giganten zu verfolgen.

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