Medienwelten

22. Mai 2011

Planking-ein Medienhype „in the making“

Filed under: Digital Life,Medien,Medienwissenschaft — heinzmoser @ 12:56

Die Gratis-Zeitung 20 minuten titelte am 16. Mai 2001: „Planking“-Welle  erreicht die Schweiz. Hä, fragte ich mich, was ist denn das wieder? Noch nie gehört. Und dass es gerade eine Riesenwelle sein soll, die über die ganze Schweiz schwappt…

Der Artikel macht dann aber deutlich, dass es mit der „Welle“ noch nicht so weit her sein konnte. Nach einem Todesopfer, welches das Planking in Australien gefordert hatte, wurden die 20-minuten Journalisten einen Tag vorher aufmerksam. „Welle“ bedeutete aber erst einmal: „Jetzt ist in der Schweiz ein erstes Video aufgetaucht, in dem ein Kind neben einem Polizeiauto liegt.“ Und um das Trendige zu verstärken hiess es im Artikel gleich darauf, dass die Australier verrückt danach seien. Der Hype habe dort seinen Höhepunkt erreicht, als in Brisbane ein junger Mann von seinem Balkon stürzte.

Am 17. Mai heisst die Überschrift in 20 minuten dann schon: „Die ganze Schweiz liegt flach“. Schon einen Tag nach dem ersten Bericht in 20 minuten soll es in der Schweiz „gezündet“ haben: „‚Geplankt‘ wird in der Schule, am Arbeitsplatz oder im öffentlichen Raum.“ Bereits erhält 20 minuten erste Planking-Bilder zugeschickt.

Und damit es allen klar wird, was man erwartet, wir nochmals eine Gebrauchsanweisung nachgeschoben: „Jugendliche und Erwachsene sind auf den Trend aufgesprungen und lassen sich mit dem Gesicht nach unten, seitlich angelegten Armen und steifem Körper fotografieren.“

Natürlich wird die Story („der Wahnsinn geht weiter“)  in 20 minuten in den nächsten Tagen weiter gepflegt. So wird am 19. Mai getitelt: „Die spinnen, die Planker“. Besonders pikant ist dabei das Orakeln der Zeitung, ob es sich um Kunst-Performance oder Volksverblödung handle. Schliesslich ist die „Volksverblödung“, wenn es sich um eine solche handeln sollte, kräftig von 20 minuten angerührt worden. Schon erreichen die Redaktion von 20 minuten Online nach eigenem Bekunden „fast im Minutentakt“ neue Planking-Bilder.

Am 20. Mai sind die ersten „Chef-Planker“ eingetroffen – mit einem Bild des Chefredaktors von 20 minuten in einer entsprechenden Pose – und heute, am 22. Mai (eine Woche nach der Agenturmeldung aus Australien) vermeldet 20 minuten „den Planking Wahnsinn in Zahlen“ Das Fazit von 20 minuten: „In den vergangenen sieben Tagen haben sich weit über 1500 Leser und Leserinnen von 20 minuten Online ein Herz gefasst, sich als Brett gestreckt und ein Planking-Foto an die Redaktion geschickt.“ Und die Schweizer Facebook Fanseiten sollen bereits rund 350 Minuten haben.

Was vor allem beeindruckt, ist aus meiner Sicht die Tatsache, wie hier die Medien einen Trend aufzubauen versuchen, der von Beginn an als „riesige Welle“, „Wahnsinn“ etc. aufgemotzt wird – obwohl die Zahlen aus der „Zwischenbilanz“ von heute noch reichlich bescheiden wirken.

Trotzdem wird der „Hype“ weitergehen und zu einem breiteren Sommertrend dieses Jahres werden. Denn es ist ja eines der grossen Schweizer Medienhäuser, welches dahintersteht. Tages-Anzeiger und Tele 24 werden sicher dazu beitragen, dass die Welle weiter schwappt. Sie wird dann von weiteren Medien aufgegriffen, als Sommerhit des Jahres 2011 mit vielen Bildern verbraten – bis im Herbst dann auch diese Mode wieder in der Versenkung verschwindet.

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12. Mai 2011

Herr Doktor: auch schon auf PlagiPedi gesichtet?

Filed under: Digital Life,Medien — heinzmoser @ 19:29

„Joe Ackermann auf Liste der Plagiatsjäger“, titelt der Zürcher Tagesanzeiger am 12.5.2011. Er weist darauf hin, dass das Halali auf Dissertationen zum Gesellschaftsspiel wird. Eine Website will bereits 200 Dissertationen auf Plagiate hin überprüfen. Doch kann es wirklich eine öffentliche Aufgabe sein, Dissertationen, die ja in Kommissionen von Fachleuten bereits geprüft wurden, ein zweites Mal zu beurteilen? Dann könnte man ja auf ordentliche Promotionsverfahren gleich ganz verzichten und die Dissertationen 200 Tage ins Netz stellen, bevor dann der Doktotitel erteilt wird. Das wäre dann wie bei einer Hochzeit, wo öffentlicher Einspruch möglich ist, bevors zum Jawort kommt.

Man vergisst da leicht, dass das Kriterium des Plagiats nur eines von vielen ist, um Dissertationen zu bewerten. Und wenn man den Plagiatsvorwurf nur weit genug ausdehnt, so dass schon die Übernahme einer fremden Idee zum Plagiat wird, dann wird fast jede Dissertation zum Spiessrutenlaufen. Denn es gibt nicht vieles, was nicht schon einmal vorgedacht ist. Wenn man den Plagiatsvowurf nur genügend weit definiert, dann kriegt jeder sein Fett ab, der je eine Dissertation verfasst hat.

Klar ist, dass es unzulässig ist, einfach abzuschreiben und ganze Textpassagen zu klauen. Und da hat im Fall von Guttenberg die Kritik auch funktioniert und den Schwindel an den Tag gebracht. Aber es wäre falsch, darin nun ein Mittel zu sehen, um jede Dissertation und fachliche Qualifikationsarbeit nochmals zu überprüfen – um Promis und Politiker, sowie Personen und Positionen, die einem unsympathisch sind, auf diese Weise abzuschiessen. Und vor allem wäre es problematisch, nur schon deshalb mit einem Generalverdacht zu reagieren, weil eine Arbeit auf der Website des Plagipedi-Wiki auftaucht.

(vergl.: http://de.plagipedi.wikia.com/wiki/Liste_der_zur_%C3%9Cberpr%C3%BCfung_vorgeschlagenen_Arbeiten)

9. Mai 2011

Facebook – ganz Top

Filed under: Digital Life,Medien — heinzmoser @ 21:05

Medienlandschaften sind in dauernder Bewegung. Nach der deutschen Financial Times steht Das Netzwerk von StudiVZ zum Verkauf. Man erinnert sich. Die Startups wie StudiVZ, , MySpace & Co. wurden vor wenigen Jahren dank ihres Erfolgs von grossen Medienkonzernen übernommen. Der Murdoch-Konzern News Corp hatte sich MySpace gesichert, StudiVZ ging an Holtzbrink. Allein Mark Zuckerbergs Facebook  blieb weitgehend unabhängig, auch wenn sich Microsoft mit einem kleinen Anteil einkaufte.

Doch die Goldgräberzeiten sind bereits wieder vorbei. Faceook ist immer mehr zu unbestrittenen Nummer 1 geworden, welche alle anderen sozialen Netzwerke zu verdrängen droht. So ist es unsicher, ob das auf Musik spezialisierte MySpace überlebt. Und auch StudiVZ scheint gegenüber Facebook immer mehr abzurutschen. Das ist der Hintergrund dafür, dass Holtzbrink über den Verkauf nachdenkt

Die S0cial Networks sind allerdings kein Einzelfall: Nokia muss dies ebenso bitter erfahren, seit iPhone und Android den Handymarkt aufmischten. Ja, ich gebe es zu: Vor zwei Jahren faszinierte mich WebOS von Palm. Obwohl der Druckergigant HP die Firma übernommen hat, spricht heute kaum einer mehr von dem iPhone Konkurrenten. Es gibt nur wenige Anwendungen für den Palm hierzulande – Tendenz abnehmen. So bleibt nichts Anderes als ein Wechsel – natürlich zu iPhone und Apple und kaum mehr zu Nokia…

(vergl.: http://www.ftd.de/it-medien/medien-internet/:onlineprobleme-holtzbrinck-knoepft-sich-digitalgeschaeft-vor/60049390.html)

3. Mai 2011

Keine Bildung ohne Medien – die Schweizer Perspektive

Filed under: Medien,Medienpädagogik,Uncategorized — heinzmoser @ 20:19

Der Kongress „Keine Bildung ohne Medien“ in Berlin (24./25. März 2011) liegt nun schon wieder ein Monat zurück (vergl. http://www.keine-bildung-ohne-medien.de).  Man erinnert sich: Die wichtigsten medienpädagogischen Fachverbände in Deutschland versuchten, mit einem medienpädagogischen Manifest und einem anschliessenden bildungspolitischen Kongress, zu welchem auch Vertreter der Politik geladen waren, Lobbyarbeit für eine nachhaltige Förderung der Medienpädagogik zu betreiben. Kernaussage war z.B. für die Volksschule:  „Im Schulalltag hat sich Medienpädagogik als Querschnittaufgabe für alle Fächer bislang nicht durchgesetzt. In der aktuellen Diskussion zur Schulreform (z.B. Ganztagsschulen) müssen für alle Schulformen auch Bildungsstandards für Medienkompetenz vereinbart und entsprechende medienpädagogische Inhalte in Curricula verbindlich verankert werden.“

Aus schweizerischer Perspektive kann man diese Forderung sehr gut nachvollziehen, entspricht sie doch auch den Erfahrungen in der Schweiz. Auch der Lehrplan 21 wird wahrscheinlich in unserem Gebiet genau daran kranken, dass Medienpädagogik als Querschnittaufgabe in den Schulen zu wenig nachhaltig ist. Und auch die Tatsache, dass an schweizerischen Universitäten kein einziger Lehrstuhl für Medienpädagogikmehr  besteht, weist in dieselbe Richtung.

Allerdings löst die deutsche Initiative auch zwiespältige Reaktionen aus. Von Kongressteilnehmer/innen wurde z.B. bemängelt, dass die technischen Geräte an der gastgebenden Technischen Universität nicht richtig funktionierten – etwas das WLAN oder die Beamer. Für eine medienpädagogische Tagung war dies peinlich – und  dies könnte bei uns angesichts des Ausrüstungsstandards an den schweizerischen Hochschulen auch nicht passieren. Als Mitarbeiter der Gruppe, die den Kongress vorbereitete, weiss ich jedoch auch, dass die Organisatoren aus der Medienpädagogik für diese Pannen nicht verantwortlich zu machen sind.

Schwierig war auch die am zweiten Tag vorangetrieben Diskussion mit bildungspolitischen Vertretern. Hier erschienen vor allem Experten aus der Verwaltung, die schon von ihrer Funktion her ein grosses Verständnis für die Forderungen der medienpädagogischen Fachvertreter hatten.  Anstatt einer Auseinandersetzung mit der Politik um medienpädagogische Strategien ergab sich so ein Heimspiel jener Kräfte, die ohnehin schon Lobbyarbeit für die Medienpädagogik und ihre Anliegen leisten. Hochrangige Vertreter aus Regierung, Opposition und den Parteien fehlten hingegen.  Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Kongress fanden dies frustrierend und problematisch.

Ob dies in der Schweiz anders wäre? Auch hier ist die Medienpädagogik kein zentrales bildungspolitisches Anliegen. Zum Vergleich mit Deutschland: Während die Medienpädagogik in der Lehrerbildung möglicherweise etwas entschiedener betrieben wird als in Deutschland, ist sie vor allem in ausserschulischen Kontexten deutlich weniger entwickelt als im Nachbarland.

Insgesamt scheint man in der Schweiz im Moment eher der Auffassung, dass spezielle medienpädagogische Anstrengungen kaum notwendig sind. So glauben viele Politikerinnen und Politiker, dass sich diese Frage in den nächsten Jahren von selbst erledigt. Denn die Entwicklung der Technologien scheint dazu zu führen, dass Heranwachsende ohnehin mit Medien in engem Kontakt sind. Die eigentliche Medienpädagogik wird dann  häufig nur noch von der Polizei wahrgenommen, indem deren Vertreter die Gefahren und Risiken des Internets aufnehmen und dazu an Elternabenden und vor Lehrerteams „Aufklärung“ leisten. Dabei wird oft übersehen, dass die Frage, wie man Medien in Schulen nachhaltig einsetzen kann, spezifische mediendidaktische Überlegungen notwendig macht. Dies ist auch der Grund dafür, dass Lehrpersonen und Erzieher/innen, die selbst täglich privat mit Medien umgehen, dies nicht einfach in ihre beruflichen Tätigkeiten umsetzen können.

Ein medienpädagogisches Manifest, das breit und ohne Scheuklappen Lobbyarbeit für die systematische Entwicklung dieses Bereichs leistet, wäre jedenfalls auch für unser Land dringend notwendig. Denn je zentraler die Medien für den Alltag und den Bereich der Wirtschaft werden, desto notwendiger wären grundsätzliche Überlegungen zur Frage, wie die Medienkompetenzen bei Kindern und Jugendlichen systematisch gefördert werden könnten.

2. Mai 2011

Neuer Anlauf

Filed under: Uncategorized — heinzmoser @ 07:49

Nach einem längeren Anlauf nehme ich meinen Blog unter neuem Titel wieder auf – natürlich unter medienpädagogischer Perspektive.

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