Medienwelten

3. Mai 2011

Keine Bildung ohne Medien – die Schweizer Perspektive

Filed under: Medien,Medienpädagogik,Uncategorized — heinzmoser @ 20:19

Der Kongress „Keine Bildung ohne Medien“ in Berlin (24./25. März 2011) liegt nun schon wieder ein Monat zurück (vergl. http://www.keine-bildung-ohne-medien.de).  Man erinnert sich: Die wichtigsten medienpädagogischen Fachverbände in Deutschland versuchten, mit einem medienpädagogischen Manifest und einem anschliessenden bildungspolitischen Kongress, zu welchem auch Vertreter der Politik geladen waren, Lobbyarbeit für eine nachhaltige Förderung der Medienpädagogik zu betreiben. Kernaussage war z.B. für die Volksschule:  „Im Schulalltag hat sich Medienpädagogik als Querschnittaufgabe für alle Fächer bislang nicht durchgesetzt. In der aktuellen Diskussion zur Schulreform (z.B. Ganztagsschulen) müssen für alle Schulformen auch Bildungsstandards für Medienkompetenz vereinbart und entsprechende medienpädagogische Inhalte in Curricula verbindlich verankert werden.“

Aus schweizerischer Perspektive kann man diese Forderung sehr gut nachvollziehen, entspricht sie doch auch den Erfahrungen in der Schweiz. Auch der Lehrplan 21 wird wahrscheinlich in unserem Gebiet genau daran kranken, dass Medienpädagogik als Querschnittaufgabe in den Schulen zu wenig nachhaltig ist. Und auch die Tatsache, dass an schweizerischen Universitäten kein einziger Lehrstuhl für Medienpädagogikmehr  besteht, weist in dieselbe Richtung.

Allerdings löst die deutsche Initiative auch zwiespältige Reaktionen aus. Von Kongressteilnehmer/innen wurde z.B. bemängelt, dass die technischen Geräte an der gastgebenden Technischen Universität nicht richtig funktionierten – etwas das WLAN oder die Beamer. Für eine medienpädagogische Tagung war dies peinlich – und  dies könnte bei uns angesichts des Ausrüstungsstandards an den schweizerischen Hochschulen auch nicht passieren. Als Mitarbeiter der Gruppe, die den Kongress vorbereitete, weiss ich jedoch auch, dass die Organisatoren aus der Medienpädagogik für diese Pannen nicht verantwortlich zu machen sind.

Schwierig war auch die am zweiten Tag vorangetrieben Diskussion mit bildungspolitischen Vertretern. Hier erschienen vor allem Experten aus der Verwaltung, die schon von ihrer Funktion her ein grosses Verständnis für die Forderungen der medienpädagogischen Fachvertreter hatten.  Anstatt einer Auseinandersetzung mit der Politik um medienpädagogische Strategien ergab sich so ein Heimspiel jener Kräfte, die ohnehin schon Lobbyarbeit für die Medienpädagogik und ihre Anliegen leisten. Hochrangige Vertreter aus Regierung, Opposition und den Parteien fehlten hingegen.  Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Kongress fanden dies frustrierend und problematisch.

Ob dies in der Schweiz anders wäre? Auch hier ist die Medienpädagogik kein zentrales bildungspolitisches Anliegen. Zum Vergleich mit Deutschland: Während die Medienpädagogik in der Lehrerbildung möglicherweise etwas entschiedener betrieben wird als in Deutschland, ist sie vor allem in ausserschulischen Kontexten deutlich weniger entwickelt als im Nachbarland.

Insgesamt scheint man in der Schweiz im Moment eher der Auffassung, dass spezielle medienpädagogische Anstrengungen kaum notwendig sind. So glauben viele Politikerinnen und Politiker, dass sich diese Frage in den nächsten Jahren von selbst erledigt. Denn die Entwicklung der Technologien scheint dazu zu führen, dass Heranwachsende ohnehin mit Medien in engem Kontakt sind. Die eigentliche Medienpädagogik wird dann  häufig nur noch von der Polizei wahrgenommen, indem deren Vertreter die Gefahren und Risiken des Internets aufnehmen und dazu an Elternabenden und vor Lehrerteams „Aufklärung“ leisten. Dabei wird oft übersehen, dass die Frage, wie man Medien in Schulen nachhaltig einsetzen kann, spezifische mediendidaktische Überlegungen notwendig macht. Dies ist auch der Grund dafür, dass Lehrpersonen und Erzieher/innen, die selbst täglich privat mit Medien umgehen, dies nicht einfach in ihre beruflichen Tätigkeiten umsetzen können.

Ein medienpädagogisches Manifest, das breit und ohne Scheuklappen Lobbyarbeit für die systematische Entwicklung dieses Bereichs leistet, wäre jedenfalls auch für unser Land dringend notwendig. Denn je zentraler die Medien für den Alltag und den Bereich der Wirtschaft werden, desto notwendiger wären grundsätzliche Überlegungen zur Frage, wie die Medienkompetenzen bei Kindern und Jugendlichen systematisch gefördert werden könnten.

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