Medienwelten

24. Juni 2011

London Feis – Konzept einer glokalisierten Kultur

Filed under: Uncategorized — heinzmoser @ 13:58

Wer Dudelsäcke, Flöten und gälische Songs am London Feis vom 18./19.Juni 2011, dem Festival für irische Musik in Britanniens Hauptstadt,  erwartete, wurde vom Programm verwirrt. Klar, das gab’s auch. Aber dazu kamen Jimmy Cliff, Rockgruppen wie Gaslights Anthem aus den USA, Shane MacGowan in einem seiner klareren Momente, Van Morrison und last but not least: Bob Dylan himself. Und das soll alles irisch sein?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das irische Festival war global vom Programm und vom Ort – in der britischen Hauptstadt – angesiedelt. Denn der keltische Tiger lahmt und man wollte auch die neuen jungen Auswanderer in England ansprechen. Globales und lokales irisches Kolorit gaben sich die Hand – eher glokalisierte Kultur als lokale Folklore.

Man fantasiere sich für die Schweiz ein ähnliches Festival – sozusagen „Schwing-Swing Switzerland“– mit Polo Hofer, dem Jodelchörli Wiesenberg, Bon Jovi, eine Reggae-Band, Gölä und den Bellamy Brothers, Francine Jordi und Bligg. Eigentlich nicht so ganz vorstellbar.

Und unvergleichlich war es in London auch von den Auftritten. „Ewigi Liebi“ und Christy Moores Folk-Ballade von der Quinta Brigada im spanischen Bürgerkrieg – da wollen wir gar nicht vergleichen. Aber auch Bob Dylan, der sein Folk Ballade „Blowing in the Wind“ mit den harten Beats elektrischer Rockmusik verhackstückte und sich dabei – wieder einmal – neu erfand, ist etwas anderes als es der Nostalgie-Aufguss der Bellamy-Brothers wäre. Oder die Kultband der Horslips aus den 70er Jahren, die sich erst im letzten Jahr wiedergefunden hat und auf ein Riesenecho stiess, oder Van Morrisons erdiger Blues, oder…

Auch diese glokalisierte Welt eines irischen Festivals ist natürlich eine ganz spezielle Medienwelt. Man kann dies nachempfinden, wenn man in die vielen YouTube Digicam-Filmchen hineinschaut, welche zum Teil in überraschender Qualität (und notabene kaum legal) das Festival dokumentieren. Was man daraus lernen kann: Es ist eben nicht der Rückzug auf das heimische Nostalgie-Gärtchen, welche die Stärke des Lokalen ausmacht, sondern wie sich die Wurzeln einer lokalen Kultur in das Globale hinein fusionieren.

 

 

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