Medienwelten

29. Juni 2011

Supreme Court entscheidet: Die Gefahr von Killerspielen

Filed under: Medien,Mediengewalt,Medienpädagogik — heinzmoser @ 12:19

Der  US Supreme Court hat dieser Tage gegen ein Verbot zum Verkauf von Killerspielen votiert, welches im Bundesstaat Kalifornien durchgesetzt werden sollte. Argumentiert wurde mit dem 1. Zusatzartikel zur Verfassung, welche die Meinungsfreiheit garantiert. In einer sehr strengen Auslegung wurde diese auch gegen ein Killerspiel-Verbot ins Feld geführt. Wörtlich heisst es: “[A]s a generalmatter, . . . government has no power to restrict expression because of its message, its ideas, its subject matter, orits content.”

Besonders interessant ist, dass der Gerichtshof auch Stellung zu der wissenschaftlichen Debatte um Gewaltspiele nimmt. Vor allem werden die Arbeiten von Craig Anderson durch den referierenden Richter Richter Antonin Scalia harsch zerzaust, dessen Studien auch in der deutschsprachigen Diskussion eine Rolle spielen. So heisst es dazu:

„California relies primarily on the research of Dr. Craig Anderson and a few other research psychologists whose studies purport to show a connection between exposure to violent video games and harmful effects on children. These studies have been rejected by every court to consider them, and with good reason: They do not prove that violent video games cause minors to act aggressively (which would at least be a beginning). Instead, “[n]early all of the researchis based on correlation, not evidence of causation, and most of the studies suffer from significant, admitted flaws in methodology.” Video Software Dealers Assn. 556 F. 3d, at 964. They show at best some correlation between exposure to violent entertainment and minuscule real-world effects, such as children’s feeling more aggressive or making louder noises in the few minutes after playing a violent game than after playing a nonviolent game.“

Nun ist es sicher nicht ganz unproblematisch, wenn sich Gerichte zu Experten über die Qualität wissenschaftlicher Untersuchungen aufschwingen. Noch wenn sie Gutachten einholen, sind diese nicht automatisch dem Meinungsstreit in einem Feld enthoben, wo dieser auch mit „wissenschaftlichen Argumenten“ (was dies auch immer sei) geführt wird. Dennoch sollte man den detaillierten Wortlaut dieses Urteil zur Kenntnis nehmen und sich nicht pauschal gegen den amerikanischen Gerichtsentscheid empören, wenn  man bei uns in Zukunft über die Killerspiele argumentiert. Denn ganz so einfach haben es sich die Richter nicht gemacht. Und dann gibt es ja auch noch eine Minderheit mit einer Gegenmeinung (übrigens auch zu den Studien von Anderson), die ebenso publiziert ist – und die man ebenso zur Kenntnis nehmen sollte.

Hier weiterlesen: http://www.supremecourt.gov/opinions/10pdf/08-

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