Medienwelten

2. Juli 2011

Das Fernsehen ist tot

Filed under: Digital Life,Medienpädagogik,Medienwissenschaft — heinzmoser @ 09:13

In den letzten Tagen hat das Schweizerische Fernsehen mit Unruhe reagiert. Anlass war die von  Nationalrätin Natalie Riklin mit über 143 000Unterschriften eingereichte Petition für eine Reduktion der Radio- und Fernsehgebühren von 462 auf 200 Franken jährlich.  Nach 20 Minuten gibt es aber auch eine eben eingereichte Volksinitiative, die auf Gebühren ganz verzichten will.

Ein Grund dafür sind sicher die rückläufigen Einschaltquoten beim Schweizer Fernsehen. Gerade bei Tagesschau und der Nachrichtensendung 10 vor 10 ist der Rückgang massiv – gemäss NZZ am Sonntag mittlerweile mit einem Marktanteil von unter 30%. In einem etwas hilflosen Interview mit dem Tagesanzeiger beschwor SRG Generaldirektor de Weck das globalisierte Internet und die Notwendigkeit, verstärkt auf dem Netz präsent zu sein. Private und öffentliche Anbieter sollten gemeinsam bei der Vermarktung mitwirken. Denn wie das Beispiel von Google und Facbook zeigt, wandern die Werbeeinnahmen zunehmend zu den grossen Internetanbietern. Damit soll die Doktrin fallen, dass bei den Gebühren die öffentlichen und bei den Werbeeinnahmen die privaten Anbieter im Vorsprung sind.

Allerdings ist das nur eine Seite der Medaille. Generell besteht ja die Tendenz, dass das Fernsehen ins Internet abwandert. Jugendliche sehen dort You-Tube Filme, gestreamte Spielfilme und auf dem Netz abgelegte Dokumentationen der Fernsehanstalten an, indem sie sich selbst ein Programm zusammenbasteln. Nach diesen Beobachtungen ist das abgeschlossene Fernsehen mit eigener Programmstruktur in spätestens 10 Jahren tot und erledigt. Denn das Netz und das heutige Fernsehen sind bis dann unter neuen Formen zusammengewachsen, wo Pull gegenüber Push eine weitaus grössere Rolle spielt.

Dann besteht aber nicht mehr die Frage nach einem öffentlichen Fernsehen an sich. Sie wird ersetzt durch die Frage, ob die Öffentlichkeit als Interessenvertreter einer qualitativ hochstehenden Information für die Allgemeinheit nicht bestimmte Produktionen auf dem Netz finanziert bzw. mitfinanziert, die der Tradition der heutigen öffentlich-rechtlichen Anstalten wie BBC, Schweizer Fernsehen, SRD oder ZDF entsprechen. So könnte z.B. ein Internetsender für qualitative News, Hintergrundbeiträge zur aktuellen Politik, Kulturbeiträge etc. unterstützt werden – oder auch für die Produktion von hochstehenden Angeboten im Kinderprogramm – „Die Sendung mit der Maus“ quasi als Netzausgabe.

Das heutige  Fernsehen wird es aber nicht mehr geben. Wo es hoch kommt, haben sich die Fernsehanstalten in Produktionsgesellschaften für Internet Angebote verwandelt. Leider wird diese Frage bei den Medienpolitikern nicht in dieser radikalen Schärfe diskutiert. Vielmehr muss man konkret überlegen, wie der Gedanke des Service public in einer produktiven Form auch im Internetzeitalter aufgenommen werden kann.

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