Medienwelten

22. Juli 2011

Social Media und Rechtsextremismus

Filed under: Digital Life,Medienpädagogik,Social Media — heinzmoser @ 20:57

In einem Interview wurde ich kürzlich gefragt, ob denn Facebook als Web 2.0 Strategie geeignet sei Jugendlichen zu politisieren. Der Interviewer schien sich dabei auf die Ereignisse in Tunesien und Ägypten zu beziehen, wo Jugendliche gegen autoritäre Regimes von unten auf dem Internet  mobil machten. Und natürlich schwebte im Hintergrund auch noch das Bilde der linken Jugendlichen des letzten Jahrhunderts mit, die aus dem Staat „Gurkensalat“ machen wollten.

Dennoch konnte meine Antwort nicht einfach positiv lauten. Bei politischen Gruppen auf Facebook dominieren keineswegs linke basisdemokratische Gruppierungen. Das zeigt schon meine eigene Untersuchung, wo Minarettverbot und Aufrufe wie 5000 für die Schweizer Demokratie zu den beliebtesten Gruppen zählten. Jedenfalls scheinen gerade rechtskonservative Gruppen Facebook geschickt zu nutzen.

Schwierig schien mir zudem, dass in solchen Gruppen oft nicht transparent ist, welche Interessen man unterstützt, wenn man eine solche Seite anklickt. Denn oft sind es Jungpolitiker gestandener Parteien, die sich hinter solchen Gruppen verbergen. Wer gedankenlos mit einem Mausklick zustimmt – weil z.B, dies auch die  „Freunde“ getan haben, ist sich wahrscheinlich dieser Hintergründe gar nicht bewusst.

Ein Bericht in der Süddeutschen Zeitung vom 22. Juli 2011 macht solche Mechanismen noch deutlicher, Er zeigt auf, wie auch Rechtsextreme und Neonazis das Netz souverän nutzen. So beginnt der Beitrag mit folgenden Worten: „Die Facebook-Gruppe hat eine einfache Botschaft: ‚Keine Gnade für Kinderschänder‘. Das gefällt vielen. Knapp 35 000 User haben bereits ihre Zustimmung signalisiert. Auf den ersten Blick ist nicht zu erkennen, wer sich hinter dem Auftritt in dem Sozialen Netzwerk verbirgt, doch die Verlinkungen auf führende Köpfe der Neonazi-Partei  NPD verraten es. Es sind Rechtsextreme, die damit in der Facebook-Gemeinde Anhänger gewinnen.“

Und das Problem scheint sich in den letzten Monaten noch verschärft zu haben. In den Sozialen Medien werden Jugendliche mit alterstypischen Bildern Szenen und Themen von den Rechtsextremen angefixt – und dies offensichtlich mit Erfolg. So haben sich nach demselben Bericht knapp 900‘000 User bereits das Lied „Wir hassen Kinderschänder“ der rechtsextremen Liedermacherin Annett Müller auf You Tube angehört. Auf 400‘000 Aufrufe bringt es ein Video der Neonazi-Band Sleipnir.

Und das Fazit:  Mit Facebook politisches Interesse zu fördern ist nicht ganz einfach. Vielmehr braucht es bei Jugendlichen schon ein hohes Mass an politischen Kompetenzen, wenn man solche Zusammenhänge, wie sie die Süddeutsche schildert, durchschauen. will.

Social Media ist deshalb nicht nur ein Ort der Partizipation und des selbstbestimmten Handelns von Jugendlichen. Die damit verbundene Intransparenz scheint es vielmehr erforderlich zu machen, diese politische Seite des Netzes mit den Jugendlichen in medienpädagogisch orientierter  politischer Bildung Projektarbeit das politische Potenzial der sozialen Medien kritisch zu reflektieren und zu bearbeiten.

Advertisements

Schreibe einen Kommentar »

Es gibt noch keine Kommentare.

RSS feed for comments on this post. TrackBack URI

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Erstelle eine kostenlose Website oder Blog – auf WordPress.com.

%d Bloggern gefällt das: