Medienwelten

20. August 2011

Monopoly im IT-Business

Filed under: Digital Life,Medien,Uncategorized — heinzmoser @ 08:42

Der PC-Weltkonzern Hewlett-Packard wird nach Pressemeldungen total umgebaut. Die Firma soll nach ihrem CEO Leo Apotheker ganz aus dem Privatgeschäft mit PC’s aussteigen.  Sie macht damit rückgängig, was 1997 mit einem milliardenteuren Kauf von Compaq begonnen wurde. Gleichzeitig steigt sie auch aus dem Tablet- und Handybereich wieder aus – wenige Monate nach dem für 1,2 Milliarden Dollar getätigten Kauf von Palm. Und gleichzeitig wird der britische Softwareproduzent Autonomy übernommen – für 10, 3 Milliarden Dollar.  Kommentar der Frankfurter Rundschau vom 20.8.2011: „Ziel des Dreifachschlages: Apotheker möchte HP zu einem komplett anderen Unternehmen machen. Es soll als IT-Dienstleister Lösungen für Unternehmen anbieten.“  Unbekannt sind im Moment die Risiken und Nebenwirkung der von Apotheker verschriebenen Medikamente zur Neustrukturierung des Konzerns.

Was jedoch an diesem Beispiel deutlich wird: Bei der Entwicklung von Softwarelösungen, Hardware-Applikationen, Betriebssystemen etc. geht es nicht einfach um das Finden der besten Lösungen für den Konsumenten. Vielmehr geht es zu wie beim Monopoly – da werden mit grossem Risiko riesige Beiträge investiert – also nochmals massig Hotels und Häuser aufs Spielfeld gesetzt und andere rasch wieder abgestossen. Und keiner weiss so richtig, was das alles bringt. Man nehme dazu noch die rüden Patentstreitigkeiten zwischen Apple und Samsung bei den Tablet –PC’s. Richtig: Die Computerwelt  hat ihre Unschuld verloren. Nicht mehr die genialen Tüfteler haben das Sagen, sondern die knallharten Manager im IT-Business.

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18. August 2011

Medienwelten: der kleine modische Unterschied

Filed under: Digital Life,Medien,Uncategorized — heinzmoser @ 11:53

Heute ist ein Katalog des Heine-Versands ins Haus geflattert. Das war mir ein Anlass mal im Netz zu googeln, was denn unsere Nachbarn in Deutschland  für die modischen Kleider bezahlen. Schliesslich ist der Wechselkurs in der Schweiz im Moment ein ständiges Thema. Und die Lebensmittelkonzerne wie Migros und Coop haben das zum Anlass genommen, um die teuren Importe anzuprangern und einzelne Produkte aus den Gestellen herauszunehmen.  Aber wie steht es z.B. mit der Modebranche, haben auch da die Anbieter auf die Wechselkursschwankungen reagiert?

Das Ergebnis ist etwas ernüchternd. Offensichtlich unterscheidet sich die Medienwelt der Mode mit ihren Katalogen und Angeboten in den beiden Ländern kaum – mit einer Ausnahme, nämlich dem Preis:

Was kosten denn zum Beispiel die Folgenden abgebildeten Artikel?

Euro sFr.
Tasche 79.90 159.90
Lederjacke 129.90 249.90
Kleid 49.90 99.90

Aber auch „sportive Lässigkeit“ für den Mann kostet in der Schweiz weit mehr. Die damit beworbene Lederjacke („das Besondere entdecken“) entspricht vom Währungsunterschied bis auf den Rappen dem in der Tabelle festgehaltenen Beispiel.

Der Heine Versand ist allerdings keine Ausnahme. Das zeigt z.B. ProIdee: Das Shape-Dress zur Formung der Figur kostet Frau in Deutschland 199 Euro, in der Schweiz 289 Franken. Und für das coole seidenweiche Sakko aus Leder zahlen deutsche Männer  998 Euronen, doch uns Schweizer kostet es1449 Franken.  Und zum Schluss die Preisfrage: Wieviel kostet diese Lederjacke?

Beim Otto-Versand in Deutschland 99.99 Euro, in der Schweiz beim Jelmoli Versand 199.95 Franken…

Die Preissenkungen im Lebensmittel Bereich sind denn auch kaum mehr als ein symbolischer Akt, wenn hinter den medienwirksamen Ankündigungen nicht Schritte einer generellen Reduzierung des Preisniveaus stehen.

15. August 2011

Facebook-Sucht

Filed under: Digital Life,Medienwissenschaft,Social Media — heinzmoser @ 12:35

Nun hat auch die Neue Zürcher Zeitung die „Facebook-Sucht“ entdeckt. In der Ausgabe vom 14. 8.2011 (S.45) hiess es darin: „Twitter, E-Mail, Facebook: Ständig sind wir auf der Jagd nach Neuigkeiten. Manchmal artet das zur Sucht aus, die behandelt werden muss.“ Der Jugend-Psychiater Bilke-Hensch meint in demselben Artikel: „‘Facebook-Süchtige‘ haben das unerträgliche Gefühl, dass sie nicht mehr existieren, wenn sie nicht dauernd von anderen wahrgenommen werden“. Als Digital Immigrant“ weiss ich jetzt endlich, warum ich zu historisch weit zurückgebliebenen Zeiten jeden Tag zwanghaft mehrmals zum Briefkasten pilgern musste, wenn die Post nicht um 10 Uhr im Briefkasten lag.

Der NZZ-Artikel zeigt darüber hinaus auf, wie mit jedem neuen Medium wieder der Suchtverdacht als diskursives Argument recykliert wird. Die Lesesucht des 20. Jahrhunderts ging nahtlos in die Fernsehsucht und später in die Computerspielsucht über. Und nun also: Die Facebook-Sucht und die Twitter-Sucht. Kein Wunder, dass da die  Therapeuten bei der Berichterstattung als Gewährspersonen Schlange stehen. Für Sie eröffnet sich damit ein lukratives Betätigungsfeld.

Allerdings wird auf diese Weise auch der Suchtbegriff zunehmen verwaschen. Denn es fehlt eine Substanz wie Alkohol, Heroin oder Haschisch, welche diesen Mediensüchten zugrunde liegen. Zwar können sich durchaus psychische Abhängigkeiten ergeben, mit deren Bewältigung einzelne Schwierigkeiten haben. Doch ist es sinnvoll, hier von „Sucht“ im herkömmlichen Sinn zu sprechen?

Wenn der Artikel ins Zentrum Stellt, dass Facebook-Süchtige Angst haben, nicht mehr zu existieren, wenn sie nicht mehr online-sind, dann ist dies ein Gefühl, das sich weit über das Suchtthema hinaus zeigt.. Zunehmend muss man heute Online sein, wenn man seine Existenz nachweisen will. Und wenn man das nicht tut, wird man aufgefordert: „Bestätigen Sie mir das doch mit einem Mail.“  An vielen Arbeitsplätzen ist man durchgehend Online. Den Zugang zum Internet einfach einmal zwei Wochen abzustellen, um „Suchtprophylaxe“ zu betreiben, wäre hier wohl ein Kündigungsgrund. Sind wir vielleicht alle schon internetsüchtig ?

11. August 2011

Der mediale Gewaltdiskurs im Fall des Anders Behring Breivik

Filed under: Digital Life,Mediengewalt,Social Media — heinzmoser @ 09:00

Als Anders Behring Breivik Ende Juli 2011  in Norwegen in seinem Amoklauf über siebzig Menschen erschoss, gab es nur zu Beginn einige Stimmen, welche den Akzent darauf legten, dass er Ego Shooter spielte – nach dem bisher fast durchgängigen Muster: Ein einsamer junger Mann nimmt gewalttätige Computerspiele als Vorbild für seine Taten. Die sinnlose Tat erhält damit wenigstens psychologisch eine ursächliche Zuschreibung und Begründung.

Der Diskurs um die Mediengewalt folgte dann aktuelleren Linien: Vor allem wurde die Kommunikationsfunktion der Medien thematisiert, die in diesem Fall eine wichtige Rolle spielte: Die Vernetzung von Breivik in der rechtsextremen Szene und sein Bezug zu Facebook.  So klinkte er sich in Internet-Foren ein und wetterte er gegen den Islam und eine multikulturelle Welt. Der  Multikulturalismus galt für ihn als „antieuropäische Hassideologie“. Katia Murmann betonte in „Der Sonntag“ vom 23. Juli 2011, wie Breivik auf Facebook sein eigenes Image zimmerte, das er nach dem Attentat vermitteln wollte: „Christlich sei er, schreibt Breivik auf Facebook, und konservativ. Tatsächlich ist der junge Norweger mit dem Kinnbärtchen ein Anhänger der Freimaurer und war zwischen 1999 und 2006 Mitglied der rechtspopulistischen Fortschrittspartei Norwegens. Als Hobby gibt Anders Behring Breivik auf Facebook ‚Jagen‘ an. Er verrät, dass er gerne psychologische Bücher liest und nennt als Idol den ehemaligen britischen Premierminister Winston Churchill.

Auch die Tatsache, dass er sein krudes Manifest Online publiziert, um sich Öffentlichkeit zu verschaffen, stand im Mittelpunkt dieses Diskurses. Denn es braucht keinen Verlag mehr, um solche Ideen unter die Leute zu bringen, wenn jeder alles kostenlos auf dem Web verbreiten kann. Das Attentat führte dann dazu, dass dieses wirre Manifest  in aller Welt bekannt wurde. Da half es wenig, wenn das Hacker Kollektiv Anonymus als Gegenstrategie zur wahllosen Verbreitung dazu aufrief, die Niederschrift zu verunstalten, mit sinnlosen Textpassagen anzureichern, Teile zu löschen, Bilder zu verfremden (vgl. Der Tagesspiegel, 26.7.2011).

Zieht man ein Fazit zum Mediendiskurs, wie er im Fall von Breivik deutlich wird, so wird er nicht als Opfer von Mediengewalt gezeichnet, sondern viel stärker als Täter, der seine Tat schon beinahe als Medienprofi plante. Der Mediendiskurs betont damit den aktiven Umgang mit Medien und die konstruktivistisch orientierte Schaffung einer eigenen Medienwelt. Breivik ist zwar immer noch einsamer Täter, steht aber gleichzeitig übers Internet in Verbindung mit einer Vielzahl von Einzelpersonen und Gruppierungen. Dies ist mit Machtphantasien verbunden, welche sich in Grössenphantasien äussern, die dann im weltweiten Aufruf des Manifests gipfeln.

Diese Ablösung des Diskurses um die direkten Medienwirkungen, welche Gewalt erzeugen, ist dabei nicht einfach als Auswirkung der medienpädagogischen Diskurse um Gewalt zu sehen. Sie hängt vielmehr damit zusammen, dass mit dem Web 2.0 immer mehr die kommunikativen Strategien im Netz in den Vordergrund rücken. Vielmehr entspricht sie auch einer realen Veränderung in der Welt der Medien. Die Eingebundenheit der Mediengewalt in die gleichzeitig reale und virtuelle Lebenswelt ist in den Auswirkungen eher noch diabolischer zu beurteilen wie das Muster computerspielenden Einzeltäters.  Es ist deshalb auch zu befürchten, dass bei nächsten Attentaten und Amokläufen das Netz und die Social Media zu einer festen Grösse in der Kalkulation der Täter werden.

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