Medienwelten

7. November 2011

Service Public vor dem Aus?

Filed under: Digital Life,Medienpädagogik,Politik — heinzmoser @ 18:18

In diesem Blog habe ich vor einigen Wochen Zweifel daran geäussert, ob die öffentlich-rechtlichen Medien in der heutigen Form noch Zukunft haben. Vor allem die Medienkonvergenz stellt  die „öffentlichen Medien“ vor ganz neue Probleme: Wenn Fernsehen und Internet verschmelzen, stellt sich die Frage, ob ein öffentliches Fernsehen nicht ein Auslaufmodell ist, bzw. ob der sog. Service Public nicht neuer Modelle bedarf. Seither werden ähnliche Überlegungen immer häufiger auch öffentlich diskutiert – etwa von Gerhard Schwarz, dem Direktor des Thinktanks Avenir Suisse. So formuliert er seine Ideen im Zürcher TagesAnzeiger unter der Überschrift „Den Service Public neu definieren“ (3. November 2011).

Im Zentrum der Diskussion steht das Konzept des Service Public, nämlich dass der Staat über die Gebühren der Nutzer ein Medium finanziert, das qualitativ hochwertige  Information garantiert und am Standard von Bildungsmedien orientiert ist. Der Service Public soll damit ein wirksames Mittel gegen billige Unterhaltung, ideologische Einseitigkeit und Boulevardisierung der News sein.

Schwarz bezweifelt indessen, ob ein Unternehmen wie der gebührenpflichtig finanzierte Medienkonzern SRG noch eine Berechtigung hat. So sei  mit der Notwendigkeit, den privaten Anbietern paroli zu bieten, der Service Public selbst in Frage gestellt.  Er schreibt:  „In Tat und Wahrheit besteht aber deutlich mehr als die Hälfte des SF-Angebots aus Unterhaltung wie Shows, Sport, Filme, Serien oder Musik. Im Internet bietet die SRG neben geschriebenen News Zusatzleistungen wie Online-Games oder Blogs an.“

Meine Überlegungen zur Medienkonvergenz und die medienpolitische Argumentation von Gerhard Schwarz treffen sich letztlich in den Folgerungen. In meinem Blogbeitrag habe ich geschrieben:

„Möglicherweise sind die bisherige Strategie der Finanzierung eines öffentlich-rechtlichen Medienbereichs ein Auslaufmodell. Denn ist es sinnvoll, dass der Staat einen riesigen Apparat des „Push-Mediums“ Fernsehen unterhält, während die heranwachsenden Generationen an ihm vorbei ihre Informationen aus dem Internet beziehen und im Web 2.0 die dort zugänglichen Informationsangebote  als aktive Produser nutzen? Wäre es nicht eher ein wirksamer Service public, wenn anspruchsvolle Informations- und Bildungsangebote über alle Medien hinweg finanziert werden könnten. Das könnten Datenbanken auf dem Internet, informative Internet-Portale, kulturelle Fernsehangebote, Jugendsendungen, interaktive Netzangebote etc. sein.“

Schwarz entwickelt in seinem Beitrag das Konzept eines Service Public als vermittelnde Agentur:

„Die konsequenteste Lösung wäre aber, auf eine öffentliche Fernsehanstalt ganz zu verzichten, die SRG also zu einem rein privaten Unternehmen zu machen. Gleichzeitig müsste der Staat über eine entsprechende Agentur all das, was man als Service Public gerne dem Volk bieten möchte, bei privaten Produzenten von Programminhalten bestellen und es dann den Stationen gratis oder besonders günstig abgeben.“

Man kann sich natürlich fragen, ob dies das letzte Wort einer eben beginnenden Diskussion ist. Aber mir scheint klar, dass die medienpolitische Diskussion nicht darum herum kommen wird, eine grundsätzlich Neustrukturierung des öffentlichen Medienbereichs in ihre Argumentation einzubeziehen

Online Version des Artikels  von Gerhard Schwarz: http://www.avenir-suisse.ch/11953/den-service-public-neu-definieren/

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