Medienwelten

10. November 2011

Cyper-Mobbing und Cyber-Grooming im Brennpunkt

Filed under: Mediengewalt,Medienpädagogik,Politik,Uncategorized — heinzmoser @ 17:58

ENISA, die europäische Agentur für Netz- und Informationssicherheit , veröffentlichte anfangs November einen Bericht zu Cyber-Mobbing und Online-Grooming (sexuelle Belästigung im Netz). Die Zahl der Jugendlichen, die mit solchen Erfahrungen konfrontiert werden, ist angestiegen – und ENISA vermutet, dass mit der zunehmenden Anzahl von Smartphones, die immer mehr auch für Jugendliche erschwinglich werden, die Risiken noch ansteigen werden.

Die europäische Agentur formuliert in ihrem Bericht eine ganze Reihe von Empfehlungen, wobei vor allem auch die Strafverfolgungsbehörden der Mitgliedsländer gestärkt werden solle. Zudem benötigen zivilgesellschaftliche und soziale Partner Informationsquellen über den Umgang mit dem Internet und Online-Dienstleistungsangeboten. Und es sollten in sozialen Netzwerken Online-Kampagnen zur Vermeidung von Grooming/Cyber-Mobbing geschaltet werden.

Eine weitere Palette von Massnahmen zielt auf Eltern und Jugendliche ab: So bedürfen bedürfen Eltern und Erziehende bessere technologischer Fähigkeiten, um die Wissenslücke zwischen Erwachsenen und Teenagern zu überbrücken. Und für die Jugendlichen selbst werden gemäss der Pressemitteilung von ENISA folgende vorbeugende Massnahmen gefordert:

– Der Einsatz von maßgeschneiderten Sicherheitseinstellungen für Teenager und die Anpassung von bereits existierenden Einstellungen an die Bedürfnisse von Teenagern;
– Datenschutz-Folgenabschätzung für Anwendungen, die Daten von Teenagern verarbeiten;
– Die Entwicklung von Mechanismen, die eine Deaktivierung sämtlicher aktiver (online) Komponenten erlauben;
– Altersgemäße Zugangskontrollmechanismen.

Insgesamt betont der Bericht eher die bürokratischen Massnahmen von Seiten des Staates. So richtig dies auf der einen Seite ist, geraten die Jugendlichen damit in eine Opferrolle: Sie müssen primär vor Gefahren geschützt werden. Jugendliche sind aber auch aktive Mediennutzer, die viele Kompetenzen haben und „eigentlich“ auch wüssten, was zu tun ist. Deshalb ist vor allem darauf hin zu arbeiten, dass sie diese Risiken selbst abzuschätzen lernen und dann auch selbständig die notwendigen Konsequenzen ziehen. Denn allein mit Gesetzen ist dem rasanten technischen Wandel des Internetzeitalters kaum beizukommen:  Wenn die einen Gesetzeslücken gestopft sind, tun sich meist bereits wieder neue  Fallstricke auf.

Und wenn – nicht nur in diesem Bericht – von den Eltern eine aktivere Kontrolle des Medienverhaltens verlangt wird, so trifft dies vor allem für kleinere Kinder zu. Im Jugendalter kommt ein kontrollierendes Verhalten schnell an seine Grenzen. Denn aus der Perspektive der Persönlichkeitsrechte  ist es kaum opportun, dass Eltern die Handys und Computer ihrer Heranwachsenden minutiös überwachen und dem Mailverkehr ihrer Kids hinterher schnüffeln.

Das heisst nicht, dass Nichtstun die beste Lösung ist. In vielen Gesprächen mit Lehrerinnen und Lehrern aber auch mit Studierenden zeigt sich, dass die Besorgnis gerechtfertigt ist. Fast jede Lehrperson, weiss über einzelne Fälle von Belästigung oder sogar Mobbing zu berichten.

Beim Mobbing ist mir dabei eines aufgefallen. Vor den Zeiten des Internets haben Eltern oft versucht, solche Fälle nicht öffentlich zu machen – um damit die Kinder nicht zusätzlich zu belasten. Wenn man ein Kind stillschweigend aus der Klasse nahm und neu einschulte, dann konnte man Distanz und Ruhe schaffen. Heute aber ist Mobbing – z.B. auf  Facebook –  bereits zum vorneherein öffentlich, da es im Netz geschieht. Der Übergriff selbst ist darauf angelegt, jemanden öffentlich an den Pranger zu stellen. Es ist deshalb notwendig, dass auch in die Aufarbeitung solcher Fälle diese Öffentlichkeit bewusst einbezogen wird – etwa indem ein solcher Fall in einer Schulklasse oder in der Familie offen thematisiert und diskutiert wird. Die Betroffenen lernen so, dass sie nicht allein stehen und von Anderen Unterstützung erhalten. Sich nicht zu verstecken, sondern offensiv vorzugehen, das ist wohl die bessere Devise.

http://www.enisa.europa.eu/media/press-releases/eu-agentur-enisa-veroffentlicht-bericht-uber-cyber-mobbing-und-online-grooming-18-sicherheitsempfehlungen-gegen-schlusselrisiken

Advertisements

Schreibe einen Kommentar »

Es gibt noch keine Kommentare.

RSS feed for comments on this post. TrackBack URI

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Bloggen auf WordPress.com.

%d Bloggern gefällt das: