Medienwelten

13. Dezember 2011

Guttenbergs Kampf für die Freiheit des Internet

Filed under: Internet,Medien,Politik,Urheberrecht — heinzmoser @ 08:20

Als Nachtrag zu  Karl-Theodor zu Guttenberg ist zu vermerken, dass er von EU-Kommissarin  Neelie Kroes zum Berater der EU für die Freiheit im Internet ernannt wurde. Ein Plagiator als Verteidiger der Internet-Freiheit? Heisst das, dass Copy an Paste nun im Internet als Ausdruck der Internetfreiheit gilt, wurde dazu in der Presse mit Häme kommentiert?

Doch das ist nicht der eigentliche Skandal. Vielmehr ist ja Guttenberg als einer der Mächtigen durch das Internet demontiert worden. Die Website „GuttenPlag“ hatte seine Dissertation akribisch nach Stellen abgesucht, die den Plagiatsverdacht erhärtetet. Der Freiherr hat sich dabei immer in einer Opferrolle gesehen.  An der Pressekonferenz zur Ernennung in sein neues Amt soll er jedoch nach dem Hamburger Abendblatt gesagt haben: „Ich bin der Macht des Internets persönlich ausgesetzt gewesen, erst in diesem Jahr. Und ich erkenne und wertschätze dessen Fähigkeit, jene an der Macht zur Verantwortung zu ziehen.“ Da müsste er also jene wertschätzen, die ihn aus seinem Ministeramt katapultiert haben. Doch ganz ohne Rabulistik kann man es auch ganz einfach auf den Punkt bringen: Hier wird der Bock zum Gärtner gemacht.

http://www.abendblatt.de/politik/ausland/article2124776/Guttenberg-Der-neue-Internetexperte-der-EU.html

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7. Dezember 2011

Musik downladen – Kriminalisierung der jugendlichen User

Filed under: Digital Life,Internet,Medien,Urheberrecht — heinzmoser @ 20:07

Gegenüber vielen anderen europäischen Ländern darf man in der Schweiz straflos Musik downladen, sofern man nicht selber – wie bei manchen Musik-Sharing-Tools vorausgesetzt – damit zum Anbieter dieser Musikstücke wird, indem man diese gleichzeitig selbst zum Download anbietet. Die Regel scheint eigentlich ganz vernünftig, da sie es ermöglichen soll, die eigenen Lieblingsplatten, die man einmal gekauft hat, den Freunden weiterzugeben. Doch das Volumen der heruntergeladenen Stücke ist riesig. So sollen bis zu einem Drittel aller über 15-Jährigen gratis Musik, Filme und Spielfilme herunterladen (vgl. dazu den Artikel in 20 minuten: http://www.20min.ch/news/schweiz/story/27527052).

Die SP Nationalrätin Géraldine Savary hat denn auch in einem Postulat angeregt, Massnahmen zur Bekämpfung dieser Praktiken zu erlassen. Unterstützt wurde sie nicht zuletzt von der betroffenen Industrie, die um ihre Einnahmen fürchtet. Und es schleckt auch keine Geiss weg, dass gerade Musik- und Filmindustrie in den letzten Jahren unter den schwindenden Einnahmen leiden.

Trotz all dieser Lobbyarbeit hat der schweizerische  Bundesrat indessen beschlossen, an der bisherigen Regelung nichts zu ändern. In seinem Bericht stellt der Bundesrat angesichts verschiedener Studien, die er auswertet, zu Musik/Tonträgern, Videospielen und Filmunterhaltung fest: „Zusammen sind diese drei Sektoren für 1.23 Milliarden CHF oder 11.5 % des Gesamtumsatzes verantwortlich, was rund  0.23 % des Schweizer Bruttoinlandproduktes entspricht. Dieser Umsatz ist trotz der trotz derTauschbörsen in den letzten Jahren mehr oder weniger konstant geblieben.“ Es wird also schlicht bezweifelt, ob die Umsatzeibussen so bedeutend sind, wie das im Allgemeinen kolportiert wird. Vielfach kaufen Jugendliche später auch eine CD, wenn Ihnen ein Musikstück, das sie heruntergeladen haben, gefallen hat. Zudem wachsen die Ausgaben für den Sektor der Freizeit in der postmodernen Gesellschaft insgesamt an.

Mit Bezug auf eine niederländische Studie wird dann betont, dass diese Problematik auch durch Verschiebungen der Budgets aufgefangen werde.  So konsumierten die stärksten Nutzer nichtlizenzierter Kopien „zwar Musik als solche aus dem Internet zu sehr geringen Kosten, verwenden aber in der Folge die so erzielten Einsparungen für Konzerte und Merchandising,“ Dennoch ist zu bezweifeln, ob diese „Umnutzung“ und „Erosion“ der bisherigen Gewinne aus Tonträgern durch die neuen Formen 1:1 ersetzt werden können.

Interessanter und realistischer ist ein  zweiter Gedanke aus dem Bericht des schweizerischen Bundesrates: Er geht von der Masse der heruntergeladenen Dateien aus und kommt zum Ergebnis, dass schon das Volumen  der Rechtsverletzungen eine gerichtliche Durchsetzung in traditioneller Weise verunmögliche – ausser man würde zusätzlich für den Musikbereich 170  Staatsanwälte einstellen. Und damit tendiert der Bundesrat zu folgender Lösung:

„Der schweizerische Gesetzgeber hat sich bezüglich derjenigen Probleme, welche durch die Verbesserung der Kopiermöglichkeiten wie auch Vereinfachung der Verbreitung entstanden sind, für die folgende Lösung entschieden: Die Nutzung für den Eigengebrauch wurde durch das Gesetz erlaubt und die Erlaubnis mit einem Vergütungsanspruch verbunden. Dadurch wurden die Konsumenten aus der Illegalität herausgeführt und gleichzeitig die vermögensmässigen Interessen der Rechteinhaber gewahrt. Demgegenüber sollen diejenigen Fälle verhindert werden, in welchen die Konsumenten als trittbrettfahrende Anbieter auf dem Markt auftreten und damit einen erheblichen Schaden verursachen.“

Diese Lösung mag den betroffen Musikproduzenten nicht gefallen. Doch ebenso wenig scheint es plausibel, gesetzliche Massnahmen anzustreben, bei denen eine Kriminalisierung weiter Teile der Jugend vorprogrammiert ist – wobei zudem die Durchsetzung der neuen Rechtsnorm ohnehin kaum machbar wäre. So scheint mir hier Reformverweigerung und die Ausrichtung am bestehenden Gesetz für einmal keine schlechte Lösung.

Ich bin auch nicht so pessimistisch, dass sich dadurch die Förderung junger Musiker und Rockgruppen verunmöglicht. Es werden aber neben den traditionellen Musikproduzenten andere Kanäle und Möglichkeiten wichtig: Erweiterung der Auftrittsmöglichkeiten, das Internet als Produktions- und Distributionskanal, Stipendien für begabte Musiker, etc. Paradoxerweise wird gerade die Beibehaltung einer traditionellen Regel bedeuten, dass Innovation und neue Lösungen die erstarrten Regeln des Musikbusiness zwingen, sich neu und anders zu definieren.

Bericht des Bundesrats zur unerlaubten Werknutzung über das Internet: http://www.bfm.admin.ch/content/dam/data/pressemitteilung/2011/2011-11-30/ber-br-d.pdf

1. Dezember 2011

Guttenberg – Das Comeback des Freiherrn

Filed under: Medien,Medienwissenschaft,Politik — heinzmoser @ 14:49

Wie sagte doch Marshall McLuhan: Das Medium ist die Botschaft. Daran habe ich mich erinnert, als Anne Wills Talkshow am 30.11.2011  im ARD zu später Stunde den Fall des Freiherrn  Karl-Theodor zu Guttenberg aufnahm. Der Titel lautete: „Guttenbergs Comeback –vorerst gescheitert?“ Und das Personal: Es diskutierten ein Politiker der CSU mit Verständnis für Guttenberg, eine Medienwissenschaftler mit wissenschaftlicher Skepsis, kritische Journalisten und die eine Bäckerfrau, die zwei Häuser weg von Guttenberg wohnt und von ihm als Ehrenmann total überzeugt ist. Anlass war das neue Buch des ehemaligen Ministers und sein Interview mit dem Chefredakteur der ZEIT, Giovanni de Lorenzo. Kein Zweifel, schon die prominente Besetzung der Runde belegt, dass da ein Comeback im Gang ist. Da spielte es keine Rolle, dass das Gespräch zäh lief, viel Bekanntes nochmals referiert wurde – und wenig über Spekulationen und Klatsch hinausging. Dass das Medium hier viel mehr als die Inhalte die eigentliche Botschaft verkörpert, zeigt auch die Quote, von welcher www.quotenmeter.de zu berichten weiss:

Nach den «Tagesthemen» diskutierte man am Mittwochabend bei «Anne Will» über das Comeback von Karl-Theodor zu Guttenberg, was offensichtlich den Nerv des Publiums traf. Insgesamt 1,77 Millionen Zuschauer bedeuteten 11,2 Prozent und somit eine klare Verbesserung gegenüber den Vorwochen, in denen die Talkshow drei Mal hintereinander 9,4 Prozent einfuhr.

Comeback also allenthalben: Nicht weniger für die Sendung Anne Wills wie für den tief gefallenen Freiherrn.

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