Medienwelten

25. Januar 2012

Megaprobleme um Megaupload

Filed under: Digital Life,Politik,Urheberrecht — heinzmoser @ 19:20

Die Verhaftung von Kim Schmitz, dem Betreiber von Megaupload, hat grosse Wellen geworfen. Den Raubkopierern werde durch das Schliessen der Site damit  ein Riegel geschoben, war da zu lesen. Jene Eltern werden da glücklich  sein, die nie richtig einschätzen konnten, ob ihre Kids auf dem Internet Verbotenes tun. Doch tun Jugendliche etwa Verbotenes, wenn sie solche Download-Dienste nutzen. Die Antwort wird ein Ja/Aber sein müssen, je nach dem aus welche Perspektive man die Sache betrachtet. Aus deutscher oder us-amerikanischer Perspektive ist das Herunterladen von solch urheberrechtlich geschütztem Material verboten. Etwas anders ist es in der Schweiz. Hier gibt es das Recht auf eine persönliche und privat genutzte Kopie, die man ohne rechtliche Konsequenzen herunterladen darf. Erst kürzlich wurde diese Regelung gegenüber der Musikindustrie, welcher damit ganz und gar nicht einverstanden ist, nochmals bestätig . Man verzichte auf eine Verschärfung des Gesetzes, weil man Jugendliche nicht kriminalisieren wolle, liess der Bundesrat  verlauten (vgl. auch den unten stehenden Ausschnitt aus „20 Minuten“). Sicher ist es deshalb auch kein Zufall, dass der grösste Konkurrent von Megaupload, nämlich die Firma Rapidshare, in der Schweiz domiziliert ist. Allerdings ist diese schweizerische Regelung in zweierlei Hinsicht zu differenzieren: – Einmal gilt sie nicht für Software, die auch in der Schweiz  nicht einfach „schwarz“ heruntergeladen werden darf. -Und zweitens darf das  Herunterladen nicht daran gekoppelt sein, dass man gleichzeitig seine Daten auch zum weiteren Upload frei gibt. Die Nutzung von File-Sharing Dienste wie Torrent ist  also auch in der Schweiz problematisch. Das sind die rechtlichen Fakten. Doch was heisst das für die Nutzer?  Was gilt zum Beispiel für deutsche Jugendliche, die in der Schweiz Urlaub machen und hier Musik herunterladen? Dürfen Sie das? Und umgekehrt: Dürfen Schweizer Jugendliche im Urlaub in Deutschland ungestraft Musik herunterladen? Oder vielleicht  nur dann, wenn Sie dabei auf ihren heimischen Server zugreifen? Da wird es schon reichlich komplex: Müsste es nicht einen einheitlichen Raum des Internet geben, wo alle nach gleichen Massstäben behandelt werden. Und wären das eher strenge oder lockerere Massnahmen? Und Überhaupt: Wie könnte man Länder mit starker Zensur wie China, Iran oder manche arabische Länder für freiere Internet-Spielregeln gewinnen – zumal auch die USA – oft als Hort der Bewegung für ein freies Internet gesehen – daran ist,  die Verletzung des Urheberrechts noch stärker zu ahnden (SOPA). Zuletzt darf aber auch die Frage nicht fehlen, ob die Regelungen eines Urheberrechts, das für das analoge Zeitalter entwickelt wurde, in der digitalen Mediengesellschaft noch Sinn machen. Zweifel daran äussern jene, die für sich als Alternative „Creative Commons“ in Anspruch nehmen.  Auf der anderen Seite haben die jüngsten Plagiatsfälle in Deutschland auch gezeigt, dass man nicht einfach auf alle Regeln  verzichten kann, wenn die Leistung eigener Kreativität, die zu einem spezifischen Werk führen, in der Gesellschaft gegenüber Plagiatoren geschützt werden sollen. Deshalb bleibt die Grundsatzfrage: Wie müssten Urheberrecht und Persönlichkeitsrechte grundsätzlich im digitalen Zeitalter sinnvoll ausgestaltet werden?

„Der auf IT- und Urheberrechts-Fragen spezialisierte Jurist David Rosenthal hat nach der Zerschlagung des Filmesharing-Portals Kino.to erklärt, dass es in der Schweiz vollkommen legal ist, Filme oder Musik für den Eigengebrauch herunterzuladen. Diese liberale Praxis hat der Bundesrat Ende 2011 bestätigt. Davon ausgeschlossen ist allerdings der Tausch von urheberrechtlich geschützter Software wie PC-Programme oder Games. Die Filmindustrie und ihre Vertreter sehen das erwartungsgemäss anders. «Aus etwas klar Illegalem wird nie etwas Legales», sagte Adriano Viganò. Er ist Rechtsanwalt und Berater der Schweizerischen Vereinigung zur Bekämpfung der Piraterie (Safe).“ http://www.20min.ch/digital/webpage/story/27454858

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