Medienwelten

4. Februar 2012

Kann sich die NZZ ihren Verwaltungsratspräsidenten noch leisten?

Filed under: Medien,Politik — heinzmoser @ 22:34

„Wehe, wehe Wegelin“, so titelt die „Süddeutsche“. Sie bezieht sich damit auf die Klage gegen die Wegelin Bank wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung in den USA.  Das ist eigentlich kein Thema für einen Medienblog – wenn nicht da Kurt Hummler wäre, der  ehemalige Wegelin-Chef, der bis heute Verwaltungsratspräsident der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) ist. Darauf hat heute ein Bericht von Radio DRS reagiert. In der Newssendung „Echo der Zeit“ wurde gemutmasst, ob Hummler bei der NZZ Einfluss auf die Berichterstattung nehme und damit besser zurückträte. Die damit verbundene Problematik: „ Nimmt Hummler hier Einfluss auf die Berichterstattung – oder fühlt sich die Zeitung verpflichtet, die Bank ihres Präsidenten zu schützen?“  Der Publizist Karl Lüönd nimmt die NZZ in Schutz: Die Kollegen bei der NZZ seien viel zu integer, eine Einflussnahme Hummlers würden sie sich nicht bieten lassen. Das mag zutreffen.

Doch eigentlich ist es müssig, sich darüber zu streiten, ob es  einen Einfluss auf die Berichterstattung gab oder nicht. Auch wenn Konrad Hummler in allem korrekt gehandelt hätte, wird er sich nicht halten können.  Denn die NZZ, welcher als international renommierte Zeitung gerade in ihrem Wirtschaftsteil eine besondere Kompetenz zugebilligt wird, kann sich einen Verwaltungsratspräsident im Zwielicht einer internationalen Finanzaffäre schlicht nicht leisten. Und auch die Schweiz nicht – für welche die NZZ ein publizistisches Aushängeschild ist. Jedenfalls wird die Glaubwürdigkeit der Zeitung schwer beschädigt, wenn ihr Verwaltungsratspräsident als  (Ex-) Chef jener Bank gilt, die die in den USA wegen Finanzkriminalität am  Pranger steht. Schon der heutige Bericht auf DRS 1 unterstreicht das Dilemma: Jede Meldung der NZZ wird in den nächsten Tagen und Wochen nur noch akribisch darauf gecheckt, wie der Fall Wegelin und seine Folgen in ihren Spalten abgehandelt wird. Man kann deshalb dem Verwaltungspräsidenten nur eines empfehlen: möglichst schnell zurückzutreten.

Update vom 9. Februar 2012

Heute heisst es im Zürcher TagesAnzeiger:

Konrad Hummler gibt NZZ-VR-Präsidium ab

Es ist gekommen, wie es kommen musste – und ich es letzte Woche schon voraussagte: Hummler ist zurückgetreten. Es ist wohl eher Salamitaktik, wenn es dazu heisst, dieser Schritt sei nur interimistisch erfolgt.

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