Medienwelten

9. Dezember 2012

Gefahren im Internet und die allgegenwärtige Verunsicherung

Zwei Fälle in der gleichen Woche zu den Social Media haben Aufmerksamkeit in der Presse erregt: Da war erst einmal der Fall eines 22-Jährigen aus dem Kanton Zürich. Der ehemalige Gymnasiast war empört, dass ihm seine 290 Freunde nicht zum Geburtstag gratulierten. Deshalb kündigte er auf seinem Facebook-Profil an, er werde sie alle vernichten. Denn es sei keine Frage der Freundlichkeit, sondern eine Frage von Respekt und Ehre. Jetzt könne sie niemand mehr schützen. Mit „Pow!!!!, Pow!!!!, Pow!!, endete seine Statusmeldung.

Nachdem eine Mitschülerin die Schulleitung und diese die Polizei informierte, kam es zur Anklage vor dem Bezirksgericht Zürich. Obwohl der junge Mann seine unüberlegte Handlungsweise bedauerte und deutlich machte, dass er nie einen Amoklauf beabsichtigte, wurde er schuldig gesprochen und zu einer Busse von fast 14’000 Franken verurteilt. Der Verurteilte sieht sich auch selbst als Opfer: „Eine solche Polizeiaktion war übertrieben und sehr belastend für mich.“

Der zweite Fall handelt von einem Video, da auf YouTube auftauchte: So soll ein Jugendlicher ein Sex-Video seiner Ex-Freundin auf Facebook gepostet haben. Der Zürcher Tages-Anzeiger dazu: „Das Video zeigt den Intimbereich einer jungen Frau, die sich mit einer Ice-Tea-Flasche befriedigt. Facebook löschte das Video, doch es kursieren Kopien, wie die Pendlerzeitung ’20 Minuten‘ schreibt, die den Fall publik gemacht hat. Im Netz seien nun auch Sexbilder mit der Migros-Ice-Tea-Flasche aufgetaucht, die im Gegensatz zum Video auch das Gesicht der Frau zeigen. “

Noch am gleichen Tag haben über 15’000 User das Video abgerufen. Es soll insbesondere auch in ganzen Primarschulklassen die Runde gemacht haben.

Die beiden Fälle zeigen  auf der einen Seite das Gefahrenpotenzial der Sozialen Medien an – schliesslich ist es für die Opfer, wie es der erste Fall zeigt, kaum abschätzbar, wie ernst ein „schlechter Witz“ gemeint ist. So belegen die Fälle auch, dass  es keine Schonzeit mehr für die Täter gibt und es zu Recht bis hin zur gerichtlichen Verurteilung kommt.

Dennoch sind oft auch die Täter in gewisser Weise Opfer der neuen und noch nicht bewältigten Veränderungen, die mit den digitalen Medien verbunden sind. Denn die neuen flüchtigen Kommunikationsformen verleiten leicht dazu , sich auf eine Weise zu äussern, die man nach etwas Nachdenken besser unterlassen hätte. Mit anderen Worten:  Es fehlt im digitalen Zeitalter für viele noch Das Gespür dafür, was möglich ist, und was nicht geht.

Das entschuldigt solches Fehlverhalten nicht, macht aber deutlich, wo  Hebel anzusetzen ist. Es bedarf einer Medienbildung, welche nicht  technische Kompetenzen in den Mittelpunkt stellt, sondern den Wandel im Kommunikationsverhalten der Menschen untersucht und daraus Konsequenzen zieht. Das müssen nicht nur Fragen des Mobbing und der Gewalt  sein.   Genauso geht es darum, wie zum Beispiel das Liken auf Facebook zu bewerten ist – als Selbstausdruck eigener Bedürfnisse oder als Schritt zum gläsernen Konsumenten, der damit ohne bewusstes Überlegen nur die Interessen der Auftrag gebenden Firmen und Institutionen erfüllt. Gefragt werden könnte auch, wie weit man verpflichtet ist, immer Online zu sein, oder ob es auch geht, ein  SMS oder eine E-Mail verspätet oder gar nicht zu beantworten. Und ist es nicht so, dass man sich auch bei 800 Facebook-Freunden noch einsam fühlen kann?

Die Gewaltproblematik ist nur eine Facette der neuen Medien. So wichtig es ist, hier Auswüchsen klar entgegenzutreten, so wichtig ist es auch, Antworten auf die täglichen Verunsicherungen zu finden, der alle Nutzer der   sozialen Medien fast täglich begegnen.

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