Medienwelten

11. März 2013

Wie gefährlich ist das Internet

Filed under: Digital Life,Internet,Mediengewalt,Medienpädagogik — heinzmoser @ 23:12
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Empirische Studien zur Situation in der Schweiz zeigen, dass die Gefahren des Cybermobbings bei Jugendlichen überschätzt wurden. Einzelfälle, welche in der Presse ausgebreitet wurden, scheinen zu einem gewissen Alarmismus beigetragen zu haben. Dennoch war dies auch mit positiven Effekten verbunden – haben solche Berichte doch gerade Jugendliche vorsichtig gemacht, so dass diese heute sorgfältiger mit Persönlichkeitseinstellungen umgehen. Das heisst aber nicht, dass es immer leicht ist die Anforderungen digitaler Kommunikation mit dem Alltag zu vereinen. Mein kürzlicher Beitrag im Journal 21 versucht eine umfassendere Einschätzung dieser Problematik.

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8. März 2013

Zoff in der Schweizer Medienwissenschaft und das Mauerblümchendasein der Medienpädagogik

Staub aufgewirbelt hat in den letzten Tagen die Suche der Nachfolge für Heinz Bonfadelli an der Universität Zürich. Weil bei der Wiederbesetzung ein Streit  um die angebliche Bevorzugung deutscher Kandidaten ausgebrochen war, musste die Leitung der Universität das Verfahren zur Berufung eines neuen Publizistikprofessors sistieren. Nun kann man natürlich argumentieren, dass  nach dem Rücktritt von Bonfadelli ein Kenner der schweizerischen Medienlandschaft fehlt. Doch nach dem was man der Presse entnehmen konnte, haben einige der Bewerber/innen schon einige Zeit in der Schweiz gearbeitet. Da sollte es eigentlich möglich sein, sich in diese Probleme der Schweizer Presse einzuarbeiten.

Der Streit erinnert etwas an den Zürcher Gemeinderat. Hier wurde von SVP-Seite kürzlich gefordert, „dass durch Lautsprecher verbreitete Mitteilungen der VBZ nur von Personen gesprochen werden, deren Muttersprache Schweizerdeutsch ist.“ Vielleicht stört man sich ja daran, dass der neue Professor dann möglicherweise geschliffenstes Hochdeutsch an die Uni brächte…

Wenn es schon um Medien und die Universität geht, dann sollte viel mehr beunruhigen, dass es an den Schweizer Hochschulen seit dem Ausscheiden von Christian Doelker seit 2002 keinen Schweizer Lehrstuhl für Medienpädagogik und damit auch keine Ausbildung in diesem Fach gibt. Offensichtlich sah das Institut für Erziehungswissenschaft dank einer Scheuklappenmentalität weder einen Bedarf noch eine Notwendigkeit für eine Nachfolge in diesem Fach. So wird es immer schwieriger, medienpädagogische Stellen an Pädagogischen Hochschulen mit qualifiziertem Personal zu besetzen. Nachdem sich die Notwendigkeit, Lehrpersonen medienpädagogisch stärker auszubilden, angesichts der Vielzahl digitaler Medien, mit denen Kinder und Jugendliche heute umgehen, in den letzten Jahren verstärkt hat,  ist dies schlicht unverantwortlich. Aber auch für den Bereich der Sozialarbeit oder der generellen Medienerziehung wäre ein erziehungswissenschaftlicher Schwerpunkt an einer Schweizer Universität unbedingt erforderlich. Damit ohne solche Studienmöglichkeiten kommt automatisch das zum Tragen, was der Universität im Fall der Nachfolge von Bonfadelli vorgeworfen wird: Es gibt immer weniger schweizerische Bewerber, weil es dazu hierzulande keine qualifizierte Ausbildung mehr gibt. Und auch eine fundierte medienpädagogische Forschung wäre dringend auf ein universitäres Institut angewiesen, das hier Akzente setzt.

4. März 2013

Auch das noch: Tablets für Kinder

Odys PediKindercomputer gibt es seit mehreren Jahren. Früher waren es bunte Laptops, meist mit viel Plastik, welche den Kids den Einstieg in die Computerwelt erleichtern sollten. Wenn Eltern ihre Kids nicht an ihre teuren Desktops und Notebooks lassen wollten, so kam der viel billigere Kindercomputer gerade richtig.

Aktuell sind es nun aber vor allem Tablets, welche ins Kinderzimmer Einzug halten sollen. Und billiger als z.B. ein iPad sind sie allemal. Aber wie gut und sinnvoll sind Kindertablets wirklich? Als Beispiel dafür habe ich mir das Odys Pedi, das man bereits für rund 120 Fr. oder 95€ erhält, angeschaut. Ist das eine günstige Investition in die Medienkompetenz der Kinder?

Der erste Eindruck des in weiss gehaltenen Geräts ist schon deshalb überraschend, weil es aussieht wie ein ganz normales Tablet – bis hin zur eingebauten Kamera. Da gibt es weder angepeppte Ohren oder Plastikrahmen in pink, was nach manchen Herstellern offensichtlich besonders kindgerecht sein soll. Dennoch soll der Tablet PC die Kinderaugen zum Leuchten bringen, wie es auf der Website Pinkies“ heisst: „Dies gelingt natürlich am sinnvollsten mit kindgerechten Inhalten, aber auch mit einem Erscheinungsbild, welches Kinder anspricht. Hier zeigt sich der Odys PEDI schon nach dem Einschalten äußerst putzig.“ Na ja, putzig vielleicht schon, wenn da nicht einige Nachteile wären:

Zwar wird die Normalität des Tablets durch die technische Ausstattung unterstreichen: Der Pedi ist ein Android-Gerät mit farbigem Multitouch-Bildschirm, e-Book Funktion, eingebautem Lautsprecher, der Möglichkeit den Speicher über MicroSD-Karten zu erweitern etc. Leider handelt es sich nicht um die neusten und schnellsten Kompenenten, was die Bedienung eher hakelig macht – und die mit einem Pedi bedachten Kids neidisch auf das iPad der Eltern schielen lässt. So lässt die Lautstärke der eingebauten Lautsprecher zu wünschen übrig, und die Bildschirmauflösung ist eher flau.

Gut gemeint ist sicher auch die Elternkontrolle per Software, indem die Kinder auf einen KidsPlace beschränkt werden können, der nur mit einem speziellen Passwort zu verlassen ist. Hier können dann nur kindergeeignete Webangebote genutzt werden: Der Marktplatz, um neue Apps herunterzuladen, kann gesperrt werden, und man kann auch die Nutzungsdauer einstellen, damit die Kinder nicht schrankenlos auf dem Netz herumkurven. Was ich aber nicht gefunden habe ist ein YouTube oder Internet-Filter, mit dem man Seiten  sperren kann. Der auch ohne Pedi kostenlos erhältliche KidPlace scheint denn auch mehr ein Erwachsenenschutz als ein Kinderschutz. Denn er sollte vor allem beim Herumspielen der Kids mit dem Handy verhindern, dass diese nebenbei gleich noch Apps herunterladen oder zum Beispiel Kalendereinträge löschen.

Was man aber vor allem von einem Kindertablet erwartet, das ist ein hochstehendes pädagogisches Angebot an Software („kindgerechte Inhalte“). Denn da fühlen sich viele Eltern bei der rieseigen Auswahl von  Internetangeboten, Apps und Software nicht sicher und sind froh, wenn sie sich auf die spezielle „Kids Edition“ verlassen können, welche vorinstallierten Content enthält: 50 vorinstallierte Märchen, sowie 10 Hörbücher. Zudem findet man ein Videotrailer vom aktuellen Kinofilm „Sammys Abenteuer 2“, die „Kinderkino“ App und einen Gutschein für 24 Stunden kostenloses Kinderkino im Kinderkino CLUB.

Das hört sich eindrucksvoll an. Doch die vorinstallierten Märchen und Hörbücher entpuppen sich als Gratisangebote ebenso wie alle vorinstallierten Apps. Grimms Märchen als E-book ist zwar für den Hersteller leicht als kostenloses Angebot beizulegen, doch ist zu bezweifeln, ob diese trockenen Bücher allein schon Spiel- und Lernspass garantieren. Vor allem wenn man dann noch ein englisches Buch von Jack London als Beigabe findet („White Feng“). Und ein kurzer Trailer eines Films zusammen mit einem sehr zeitbeschränkten Gutscheincode für kinderkino.de ist auch nicht das Gelbe vom Ei. Pädagogische Lernprogramme fehlen und für YouTube auf dem Netz braucht es auch keinen Kindercomputer. Pädagogisch ist also von dieser KidsEdition nicht viel zu erwarten. Es ist generell zu bezweifeln, ob es einfach ausreicht, kostenlose Software zu bündeln, um ein Tablet aus pädagogischer Perspektive zu entwickeln. Selbst Gratis-Lernspiele, die bei einigen anderen Kindertablets dabei sind, sind oft sehr einfach gehalten und verlieren ihren Reiz nach ein paar Wiederholungen.

Wäre es da nicht besser, wenn Eltern, die ihren Kindern einen Tablet schenken wollen, gleich ein gut ausgerüstetes Erwachsenengerät kaufen. Das können sie dann zusammen mit ihrem Kind selbst bestücken – auch mit einer App zur Kindersicherung, wenn es denn sein muss. Bei so einem gemeinsamen Projekt mit ihren Sprösslingen lernen die Eltern dann auch gleich das Gerät und das Angebot der Apps kennen. Das macht beiden Generationen Spass. Wenn man aber glaubt, dass es der Vorteil des Kindertablets sei, sich mit dem Teil nicht befasse zu müssen und es gleich den Kindern in die Hand zu geben, dann sind das Illusionen. Wer ausser Papa und Mama können denn schon Mail-Kontos und das WLAN einrichten? Bei der dürftigen Anleitung, die dem Ganzen beigelegt ist, brauchen kleine Kinder ohnehin erst einmal Hilfe und Anleitung, um  mit dem Gerät klar zu kommen.

Das Fazit ist leicht zu ziehen: Wenn Kindertablets nicht mehr bieten, sind sie ein reichlich überflüssiges Angebot auf dem Computermarkt. Schon weil die Geräte billig sein müssen, schlägt sich das in der Qualität von Hard- und Software nieder.

Hier finden sich Hinweise zu anderen Kindertablets.

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