Medienwelten

27. Juni 2013

Aufklären über die Gefahren des Internets

Zum pädagogischen Standardprogramm gehört es heute, davor zu warnen, Informationen naiv aufs Internet zu stellen, die später z.B. von Arbeitgebern aufgespürt werden. Freizügige Partybilder oder Hochstimmung beim Kiffen sollten deshalb fürs Internet ein „No Go“ sein.  Die meisten Schülerinnen und Schüler haben das heute auch begriffen und gehen vorsichtiger mit dem Internet um. Dennoch hat die EU-Kids-Studie kürzlich festgestellt; dass mehr als die Hälfte der in der Schweiz lebenden Kinder einem oder mehreren Risiken bei der Internetnutzung ausgesetzt ist.  Es wird denn auch gefordert, dass die Prävention von Risiken im Internet alle Kinder und  Jugendlichen erreichen sollte.

So richtig diese Bestrebungen zur Aufklärung sind, es fällt dabei eines auf: Die Präventionsstrategie sind heute vor allem indiviualisierend, indem die Gefahren für die einzelnen Nutzer in den Mittelpunkt gestellt werden. Urheber sind dabei böswillige Einzelne, Pädophile oder Gruppen, die z.B. gedankenlos freizügige Bilder aufs Netz stellen.

Doch das Abgreifen von Daten im Netz hat heute schon viel alarmierendere Dimensionen erreicht, wie die jüngsten Enthüllungen des Whistleblowers Eduard Snowden zu den Geheimdiensten belegen. Vor allem betrifft das britische Überwachungsprogramm Tempora uns Mitteleuropäer direkt, wie der folgende Ausschnitt aus einem Bericht des Zürcher Tages-Anzeigers belegt: „Rund ein Dutzend Hochleistungskabel verbinden Europa mit den USA. Etwa ein Drittel davon macht einen Abstecher an die britische Küste. TAT-14, an dessen Bau die Swisscom beteiligt war, war einst das technische Nonplusultra. Heute gehört das Kabel von 15 000 Kilometer Länge zu den alten Eisen. Nach wie vor laufen aber Massen an Gigabytes täglich über TAT-14. Betroffen vom Grossen Lauschangriff der Briten sind auch Schweizer Telefongespräche in die USA, E-Mails über US-Server oder beispielsweise Aktivitäten in sozialen Netzwerken wie Facebook.“

Bedenkt man solche Orwellschen Perspektiven einer Überwachung des Internetverkehrs, dann sind diese Gefahren für die Gesellschaft noch weit gravierender als die zuerst genannten. Vor allem spielen sie sich so stark im Versteckten ab, dass der Normalverbraucher kaum etwas ahnt. Aus diesem Grund wäre es wichtig, wenn die pädagogische Aufklärung nicht bei den individuellen Gefahren Halt macht, sondern auch den Schnüffelstaat mit seinen Geheimdiensten in die Diskussion einbringt. Denn mit solche Praktiken hat das Internet definitiv seine Unschuld verloren.

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