Medienwelten

2. Februar 2013

Ein E-book knacken

Filed under: analoge Medien,Digital Life,Medienpädagogik,Urheberrecht — heinzmoser @ 09:56
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Um den Kopierschutz eines E-books knacken, dazu muss man kriminelle Energie entwickeln. Das ist natürlich verboten und muss z.B. Kindern und Jugendlichen als strafbar vor Augen gestellt werden – als Aufklärung vor den Gefahren des Internets. Denn Anleitungen wie  der Schutzmechanismus DRM ausgeschaltet werden kann, sind aus dem Internet leicht zu beziehen. So denkt man, müssen sich verantwortungsvolle Erzieherinnen und Erzieher verhalten.

Hä- wirklich? Mindestens in der Schweiz ist das nicht so einfach mit dem Unrechtsempfinden – sofern man einem Artikel in der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) vom 31.1.2013 glauben darf.  Habe ich nämlich ein Buch gekauft, dann gehört es mir – und ich darf es weitergeben. Eine Mitarbeiterin der Schweizer Urheberrechtsgesellschaft Pro Litteris betont denn auch gegenüber der NZZ: „Es ist erlaubt, den Schutzmechanismus zu umgehen, solange die derart ‚befreiten‘ Ebooks nur privat verwendet werden. Erlaubt ist also die Umgehung des Schutzes, wenn dies „ausschliesslich zum Zweck einer gesetzlich erlaubten Verwendung erfolgt.“

Und die Moral von der Geschichte: Mit einfachen Warnungen, die scheinbar dem gesunden Menschenverstand entsprechen, kann man schnell falsch liegen. Und war es zu den Vorzeiten des analogen Buches nicht selbstverständlich, dass ich es ausleihen oder verschenken durfte? Man muss also aufpassen, nicht vorschnell  scheinbare Verbote weiter zu transportieren und Ängste vor Gesetzesverletzungen  zu schüren, wo dies unberechtigt ist. Denn wie der Fall zeigt Das Urheberrecht ist eine komplexe Materie.

Wie leicht man da auch in Fallen tappen kann, zeigt der Schlussabschnitt des Artikels: „Es ist also verboten, Vorrichtungen, Erzeugnisse oder Dienstleistungen anzubieten «mit dem Ziel der Umgehung wirksamer technischer Massnahmen». Deshalb kann an dieser Stelle auch nicht erklärt werden, was man genau tun muss, um die Freude bei der Lektüre von DRM-geschützten E-Books mit anderen zu teilen.“ Verboten ist es nämlich, Programme anzubieten, um den Kopierschutz zu löschen, wodurch es mir ja erst möglich wird, mein E-book gesetzeskonform weiterzugeben…

22. Februar 2012

Ting und Tiptoi – Top oder Flop der Hörstifte?

Multimedia im Kinderzimmer wurde als Thema an der diesjährigen Didacta in Hannover stark propagiert. Wassilios Fthenakis betonte als Didacta-Präsident: Digitale Medien sind keine Ersatz für das Buch, aber eine Bereicherung – auch schon für unter Zehnjährige“ (zit. nach Focus-Online vom 15.2. 2012).

Besonders im Fokus standen audiodigitale Lernsysteme wie Tiptoi (Ravensburger) und Ting  (Brockhaus und weitere Verlage). Beides sind Lesestifte, die Audio abspielen, wenn Kinder in einem Buch bestimmte Wörter oder Zeichen antippen. Seit dem Herbst 2010 hat allein Ravensburger zwei Millionen solcher Produkte für Kinder ab 4 Jahren verkauft.

Doch welches ist der Wert dieser neuen technischen Innovation fürs Kinderzimmer wirklich? Wir haben Ting von Brockhaus getestet. :

Einfach geht die Installation über den USB-Eingang des Computers und die Anmeldung der gekauften Bücher. Dann kann man gleich loslegen, wobei der Stift nicht allzu zu gross ist und gut in der Hand liegt. Positiv ist zudem bei Ting, dass auch weitere Verlage als Brockhaus mit dabei sein – z.B. auch die schönen Kinderbücher von „ars edition“

Beim mitgelieferten Set zum Hörstift war „Mein erster Brockhaus“ als Buch dabei. Nach Klappentext sind in diesem Buch rund 1500 Alltagsgeräusche, Dialoge, Reime, Lieder und Texte zum Hören versteckt. So kann man Wörter („Kerze“, Kette“) per Hörstift auf Englisch übersetzen lassen. Hält man den Stift auf Bilder wie das im Buch abgebildete Karussell, so tönt es gleich: „Herein spaziert, herein spaziert und  fahren Sie mit“. Und bei einer Abbildung von Nägeln tönt es „Und jetzt mal still gestanden, Jungs, sonst schlägt sich Meister Heinrich wieder auf die Finger!“ Vielfältige Audioreize können so mit dem Lesen verbunden werden – wobei Kinder neugierig sind, was sich denn jetzt wieder für ein Audioimpuls hinter einer Zeichnung versteckt.

Es gibt allerdings keine aufbauende Lernstrategie bzw. einen vorgegebenen Ablauf, wie man sich für das „Erste Lexikon“ klickt. Nach Lust und Laune durchforscht man das Buch. Dies wirkt auf der einen  Seite sympathisch; es stellt sich aber auch die Frage, wie hoch denn der Lernertrag des relativ ziellosen Surfens wirklich ist. Und zweitens gibt es insgesamt einige wenige Kategorien von Audioimpulsen, die immer wieder vorkommen: da dürfte sich der Reiz des Ganzen doch sehr schnell abbrauchen.

Der zweite Versuch: Mit Ting erforschen wir eine schön gestaltetes Kinderbuch: „Das Wimmelbuch. Eine Reise durch die Zeit“, geschrieben von Ulla Bartl. In grossen Bildern werden hier vergangene Zeiten, von Steinzeit und altem China bis zu New York im 21.Jahrhundert illustriert. Die einzelnen Bilder sind voll von Gebäuden, Landschaften und Personen – ein richtiges Gewimmel. Für Kinder ist es eine Lust, diese Bilder anzuschauen und dann gezielt zu suchen, was auf den einzelnen Blättern nicht stimmt. So wird in die Steinzeit ein Dinosaurier hineinklamüsert,  oder in einer Höhle brennt eine elektrische Lampe. Diese Fehlersuche macht Spass, nur braucht man dazu den Stift noch überhaupt nicht. Was leistet nun dieser? Klickt man die Steinzeit an, dann gibt es kleine informative Hörszenen zur Steinzeit – etwa zu den Fellkleidern in der Steinzeit. Oder es wird auf der Flöte eine Tanzmelodie gespielt, die nach dem Sprecher auch zur Geisterbeschwörung dient.  Gesamtbefund zum Wimmelbuch: Ein ganz tolles Buch für Kinder, die sich spielerisch mit dieser Zeit auseinandersetzen. Doch dazu braucht es den Stift eigentlich gar nicht. Dieser ist zwar ein netter Zusatz, doch das Buch überzeugt auch „ohne“.

Grundsätzlich ist die digitale Revolution mit dem Hörstift weniger ein Sturm als ein laues Lüftchen. Es ist ein nettes Gadget, in Kinderbücher auf diese Weise auf Knopfdruck Hörelemente einbauen zu können. Doch wenn jetzt die digitalen Tablets und iPads – und später vielleicht Ebooks – kommen, wo auf Berührung Filme und Musik abgespielt werden, ist der Hörstift nur eine Vorform für digitale Animationen. Dies erinnert mich an die Kindercomputer, die in den Neunzigerjahren mit grossem Trara Kinder in die digitale Welt einführen sollten. Auch diese blieben mehr oder weniger ein Flop, weil die Kids viel lieber mit dem „richtigen“ PC der Eltern spielten. Hörstifte erscheinen mir deshalb ein untauglicher Versuch für die angeschlagene Buchbranche, den Weg ins Digitalzeitalter auf der eigenen Plattform der Printtechnologie doch noch zu schaffen. Herausgekommen ist ein Klon, der weder Fisch noch Vogel ist. Überlebensfähigkeit: fraglich.

 

Update:

Dazu auch mein Beitrag zu Lesestiften, Kindertablets  und Apps für Handys und Tablets

6. Januar 2012

Ade, analoge Medien

Filed under: analoge Medien,Digital Life,Medien — heinzmoser @ 08:51

Unter dem Stichwort der Nachhaltigkeit heisst es auf der Website der Firm Kodak: „Im Jahr 1980 pflanzte George Eastman die Saat, welche dann zur Kodak Eastman Companie führte.“ Ja, diese Saat ist über 130 Jahre aufgegangen. Die auf Rollfilmen basierenden Kameras von Kodak stehen für den Durchbruch des Fotografierens im privaten Alltag. Doch jetzt scheint diese glorreiche Firmengeschichte zu Ende. Kodak steht vor der Insolvenz.

Das unterstreicht, dass die Zeit der analogen Medien endgültig zu Ende geht. Denn Kodak hat den Trend zur Digitalisierung zu zögerlich aufgenommen, während die analogen Geschäftssparten wegbrachen. Doch wer zu spät kommt oder entscheidende Trends verpasst, der hat gegenwärtig kaum eine Chance, um zu überleben.

Vgl. auch: http://www.zeit.de/news/2012-01/05/foto-neue-spekulationen-ueber-kodak-insolvenz-05140002

 

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