Medienwelten

6. Februar 2014

Persönliches auf dem Internet preisgeben?

Geben Jugendliche im Internet zu viel Persönliches auf dem Internet preis? Zu dieser Meinung muss man kommen, wenn man auf der Homepage von „SWITCH“ den Kommentar zum „SWITCH Junior Web Barometer 2013“ liest, bei dem 510 Schülerinnen und Schülern eingehend zu ihrem Internetverhalten befragt wurden. Schon fast vorwurfsvoll heisst es dazu: „Privatsphäre im Internet war gestern. Zumindest, wenn man die Jugend von heute fragt“. Und es wird dann wörtlich ausgeführt:

„Ungeachtet der aktuellen Diskussionen um Daten- und Identitätsschutz im Internet geben Kinder und Jugendliche bereitwillig persönliche Daten über sich preis: Gut 80 Prozent der 13- bis 20-Jährigen und immer mehr Sechs- bis Zwölfjährige sind mit ihrem richtigem Namen oder einem Foto für jeden im Internet auffindbar. Auch das Geburtsdatum, liebste Hobbies oder der aktuelle Beziehungsstatus werden offen mit der Netzgemeinde geteilt.“

Doch solche Aussagen sind zwiespältig. Gehen sie doch davon aus, dass Jugendliche an Besten gar nichts Persönliches auf dem Netz posten, weil sie sich damit vielfältigen Gefahren aussetzen. So heisst es zur SWITCH-Umfrage in einem Beitrag von 20 Minuten:  „Im vergangenen Jahr waren 80 Prozent der Befragten ab 13 Jahren im Netz mit ihrem richtigen Namen und einem Selbstporträt zu finden – frei zugänglich für jeden.“

Doch ein völlig anonymer Umgang mit „Social Media“ ist gar nicht denkbar. Wer zum Beispiel auf Facebook jede persönliche Information unterlässt oder im Profil sogar falsche Informationen streut, um nicht erkannt zu werden, hat die Spielregeln sozialer Netzwerke nicht begriffen. Sie dienen dem sozialen Austausch, und man ist hier in der Regel mit Menschen verbunden ist, die  einen auch aus dem realen Leben kennen. Auch wer sich dabei im Profil zu stark schönt, sich unter falschem Namen präsentiert, oder sich mit Eigenschaften versieht, die im realen Leben nicht zutreffen, handelt sich deshalb schnell Glaubwürdigkeitsprobleme ein.

Wenn man in jeder persönlichen Information bereits Gefahren wittert, dann bezieht man sich letztlich auf die Netzdiskussionen der späten Neunzigerjahre – als Chatrooms noch anonym waren und man sich darin mit einem Nickname bewegte. In diesen virtuellen Welten konnte man sich am Besten schützen, wenn man möglichst wenig – auch beim Flirten – von sich preisgab. Die neuen sozialen Medien wie Facebook verknüpfen dagegen die virtuellen Räume des Internets und den realen Alltag viel enger. Aus diesem Grund ist es wenig hilfreich, Jugendlichen zu raten, möglichst nichts Persönliches auf dem Internet zu veröffentlichen. Ein „asozialer“ Gebrauch der sozialen Medien hilft nicht weiter.

Das muss allerdings nicht heissen, dass die Empfehlung nicht mehr gilt, vorsichtig mit persönlichen Informationen umzugehen und nicht gleich Adressen, Telefonnummern und privateste Bilder dort allen zugänglich zu machen. Gerade wenn es klar ist, dass ein Profil auf einem sozialen Medium persönliche Informationen verlangt, dann wird zum Problem, welche Informationen man auswählt – und welche man unter keinen Umständen veröffentlichen will.

Manchmal erhält man aber auch den Eindruck, dass das Fordern nach Privatsphäre auf dem Netz und bei Facebook & Co. müssig ist. Wie man seit der NSA-Affäre weiss, landen unsere Daten ohnehin bei den Geheimdiensten. Sogar Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat die Spionage durch den amerikanischen Geheimdienst heftig kritisiert – weil damit auch das Vertrauen in sein eigenes Unternehmen gelitten hat.

Das soll nicht daran hindern, vorsichtig mit den eigenen Daten umzugehen. Ganz sicher kann aber nur sein, wer sich ganz aus dem Internet ausklinkt – indem man sich zum Beispiel statt dem neusten iphone das Steinhandy von www.i-stone.ch zulegt. Doch wer will das wirklich?

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12. Januar 2014

Die Drohne fürs Kinderzimmer

Filed under: Digital Life,Medienpädagogik — heinzmoser @ 17:16
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Endlich ist sie da, die Drohne für das Kinderzimmer – vorgestellt von der Firma Parrot an der CES in Las Vegas.

Die MiniDrohne von Parrot ist eine von 20.000 Neuheiten, die eben auf der „Consumer Electronics Show“ (CES) in Las Vegas vorgestellt werden. Sie kann fliegen, klettern und durchs Zimmer rollen;  und sie lässt sich durch die Kids autonom steuern. Ein Werbefilm auf YouTube zeigt wie kindergerecht das neue Gadget doch ist. Ein Kind steuert seine beiden Drohnen durchs Haus, verblüfft mit den futuristischen Geräten, die noch an der Decke rollen und stellen damit etwas Unfug an.

Das erinnert an jene alte Loriot Geschichte zu Weihnachten bei Hoppenstedts, als der Junge vom Opa ein kleines AKW mit Brennstäben kriegt – ein Spass für die ganze Familie, wie die Verkäuferin erklärt. Und natürlich gibts auch eine Explosion, aber keine richtige. „Denn es ist doch für Kinder.“ Da hat sich bis heute nicht viel geändert – nur ist das zeitgenössische Gadget fürs Kinderzimmer, das den Stand der Technik symbolisch zusammenfasst (und verharmlost) – heutzutage die Drohne geworden.

26. August 2013

Tageszeitung am Ende?

Wer braucht noch eine abonnierte Tageszeitung? Pendler ziehen sich eine Gratiszeitung auf dem Weg zur Schule oder zur Arbeit. Und immer häufiger lässt man sich die wichtigsten News übers Handy oder ein Tablet anzeigen. Dort kann man sich auch die neuste Wetterprognose auf einem Video ansehen, eine Bildstrecke antippen etc. Schon setzen Medienunternehmen auf die Zukunft der digitalen Medien und sehen die traditionelle Zeitung als Auslaufmodell. Erst kürzlich hat der Axel Springer Verlag in Deutschland den Ausverkauf seiner Regionalzeitungen und vielen weiteren Print-Titeln in die Wege geleitet. Die Debatten, welche dies ausgelöst hat, zeigt mein Artikel im Journal 21.

19. August 2013

Stifte, Handys und Tablets für das Kindergarten-Alter

Für unsere Kleinsten kommen immer mehr elektronische Programme und Geräte auf den Markt. An dieser Stelle wurde schon über digitale Hör- und Lesestifte wie Tiptoi berichtet. Mein damaliges Fazit: ein nettes Gadget aber kein „Must“ fürs Kinderzimmer.

Hör- und Lesestifte

Seitdem hat sich in dem Markt viel bewegt. Da gibt es auch Stifte wie Any Book von Franklin, die man selbst bespielen kann, indem man ins Bilderbuch einen Marker klebt. Wer dann diese mit dem Stift berührt, kann die Bilderbuchseite –z.B. von Mama oder Papa vorgelesen – abhören. Doch warum dann nicht gleich richtig vorlesen?

Allerdings kann der Stift mehr als nur selbst aufgenommene Geschichten vorlesen. So schreibt ein Lehrer ganz begeistert. „Von den 3 Stiften ist der AnybookReader ganz besonders für die Schule zu empfehlen, für den Unterricht mit nicht lesenden oder nur schlecht lesenden Schülern. Zum Vorlesen von Wörtern oder Texten, so können sich die Schüler Texte und Arbeitsanweisungen selbständiger erarbeiten und ich als Lehrer kann mich auf Schüler konzentrieren, die bei den Aufgaben selbst Probleme haben.“ Der Lesespass ist allerdings nicht ganz billig – vor allem wenn man mehr als einen Stift benötigt (rund 90€ kostet das gute Stück).

Kindertablets

Ebenfalls wurden in diesem Blog die speziellen Kindertablets besprochen. Ich habe das als ziemlich überflüssiges Angebot empfunden, weil die fast gleich grossen Erwachsenen-Tablets qualitativ ein gutes Stück besser sind – von der Verarbeitung, vom Ton, von der Lesbarkeit des Displays.

Kinderapps

Vor allem in den letzten Monaten haben sich nun die Kinderapps für Handys und Tablets fast explosionsartig vermehrt – vor allem für iOS und Android. Allerdings ist hier zu empfehlen, solche Software vor allem auf dem Tablet und weniger auf dem Handy einzusetzen. Denn wo die Bildschirme animiert werden – und das ist der Sinn der Sache, da haben Kleinkinder grosse Mühe m it ihren Patschhändchen die richtige Stelle auf den Mini-Bildschirmen der Handys zu finden.

Die Vielseitigkeit des Angebots zeigt aber auch, dass das Spielen und Lernen am Tablet mehr ist als nur ein Hype, dessen Attraktivität nach kurzer Zeit wieder total erlahmt. Eine breite Übersicht über Kinderapps findet sich auf der Website: http://bestekinderapps.de

Positive und negative Seiten solcher sollen hier an einigen Vertretern dieser Kinderprogramme kurz aufgezeigt werden:

schlafgut„Schlaf gut und träum was Schönes“ heisst eine App, die zum Einschlafen der Kleinsten geeignet ist. Die Tiere im Zoo gehen schlafen, wobei die Kinder aufgefordert werden, die Häuser der einzelnen Tiere zu besuchen. Sie können sie dort bewegen oder auch einmal den Elefanten trompeten lassen. Doch dann löschen sie das Licht und die Tiere schlafen gleich ein. Die Geschichte ist also ganz einfach, aber sehr liebevoll animiert. Man kann nun dagegen halten, dass es einem Kind da schnell langweilig wird, wenn es tagtäglich mit dieser Geschichte eischläft. Doch Kinder brauchen eben auch die täglichen Rituale – und eines davon könnte das Lichterlöschen im Zoo sein, von dem die Kinder zum Erstaunen der Erwachsenen – nicht genug bekommen können.

Kleiner-Eisbär-iOS-iPhone-iPad-AndroidAuch Kinderbücher wie „Kleiner Eisbär wohin fährst du“ von Hans de Beer werden als App umgesetzt. Hier steht die wunderschön illustrierte Geschichte – heute ein Kinderbuchklassiker – im  Mittelpunkt, die von einem Vorleser erzählt wird. Der ruhige Charakter des Buches wird auch in seiner elektronischen Fassung unterstrichen, indem es nur wenige Animationen gibt, auf die man klicken kann – und worauf sich z.B. der kleine Eisbär bewegt. Dazu gibt es einen Teil mit Spielen – für mich ein problematischer Aspekt. Denn diese Spiele stören den ruhigen Ablauf der Geschichte. Man stürzt hinein und findet kaum zurück – vor allem wenn ein Spiel über mehrere Levels geht. Da bleibt man dann doch lieber beim ursprünglichen Bilderbuch und animiert es durchs eigene Vorlesen mit Any Book, wenn es denn sein muss.

ZahlenrabeDen früheren Lernprogrammen für den PC nachempfunden ist die App Zahlenrabe, in welcher der Rabe Theo die Zahlen entdeckt. Gegenüber den klassischen Lernprogrammen wird aber nicht mit der Maus geklickt, sondern man wischt über den Bildschirm und setzt so ein Huhn an die für es vorgesehene Stelle, umkreist eine gewisse Anzahl von Schafen oder zeichnet auf dem Bildschirm mit dem Finger Zahlen von 1 bis 5 nach. Und natürlich ist auch hier der Bildschirm liebevoll und spassig animiert – wenn man auf die richtigen Stellen drückt. Allerdings kann man sich fragen, ob es zum Zählen lernen eine spezielle App braucht, oder ob es im realen Alltag nicht genug Gelegenheiten dazu gibt.

Animal OrigamiWenn nun aber kritisiert wird, die elektronischen Apps entführten die Kinder in die künstlichen Welten, so ist dies lange nicht immer der Fall. So gibt es zum Beispiel auch eine ganze Reihe von Bastel-Apps: Eine App wie Animal Origami enthält Anleitungen, wie man Tiere falten kann. Mit Drawnimal kann man mit einfachen Formen Tiere malen. Das iPad dient als Tierkopf, während man die Umrisse mit einem Stift dazu malt. Dazu heisst es auf der Website von iTunes: „Die App hilft dabei, den digitalen Bildschirm mit simpler physischer Interaktion zu verlassen. Drawnimal zeigt Kindern, wie sie können. Die lustigen Animationen motivieren dazu, das Alphabet auf spielerische Art und Weise zu lernen.“ Das sind zweifellos noch bescheidene Ansätze, um Online- und Offline-Welt miteinander in Verbindung zu bringen. Aber eine Richtung für die kommende Entwicklung wird hier aufgezeigt.

 

Was an den Beispielen deutlich wird: Es gibt immer mehr und unterschiedliche Apps. So kann man nicht mehr einfach pauschal urteilen, ob Tablets im Kinderzimmer eine Rolle spielen sollen oder nicht. Das hängt ganz von den Apps und der pädagogischen Haltung der Eltern ab. Vielleicht will man den kleinen Eisbär lieber als Buch haben, findet aber ein animiertes Wimmelbuch für seine Kleinen anregend und lustig. Und neben der Gute-Nacht-Geschichte hat manchmal auch der Zoo Platz, der schlafen geht.

Meine Vermutung

Tablets könnten bald einen Stammplatz in den Kinderzimmern erhalten. Doch sie sind nicht einfach als Babysitter zu gebrauchen. Manche Apps brauchen etwas Anleitung von Papa oder Mama, damit der Spielespass für die Kleinsten auch greift. Und ganz aus den Augen lassen sollte man die Geräte ohnehin nicht. Denn sie sind zu teuer, als dass man sie unbeaufsichtigten Kids als Wurfgeschosse überlassen sollte.

11. August 2013

Hilfe! Facebook will meine Handynummer

Eine nette Überraschung am Sonntagmorgen: Facebook will meinen Account sicherer machen. Da wird doch automatisch die Meldung eingeblendet: „Füge deine Telefonnummer hinzu, um dein Konto zu schützen und mehr.“

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Dabei sollte doch schon jeder  Primarschüler wissen, dass man seine Telefonnummer nicht auf dem Netz publizieren soll. Mindestens steht das überall dort, wo es Empfehlungen zu Facebook und anderen sozialen Medien gibt. Das gilt ab jetzt nicht mehr: Man muss die Telefonnummer angeben, wenn man sich richtig schützen will.  Und warum das alles? Facebook erklärt gemäss der Website Mimikama:

„Dabei handelt es sich um eine Sicherheitsmaßnahme, mit deren Hilfe wir bestätigen können, dass du eine echte Person bist, die nur über ein Facebook-Konto verfügt. Um deine Identität nachzuweisen, musst du lediglich den Anweisungen auf der Seite zum Hinzufügen deiner Handynummer folgen. Sobald wir deine Identität verifizieren können, kannst du erneut auf dein Facebook-Konto zugreifen. Wir werden dich ohne deine Einwilligung nicht per Telefon kontaktieren.“

Und schon auf der Facebook-Meldung steht, dass hier „Nur-Ich“ eingestellt wird. Andere können also meine Handynummer nicht mitlesen. Kann man also Entwarnung geben?

Beruhigend scheint mir das nicht. Nein, wenn man denkt, wie häufig Facebook seine Profileinstellungen wechselt und man sie neu anpasst. Da kann man dann leicht auch mal etwas ändern, was man gar nicht wollte, wenn man die Einstellungen anpasst. Und zudem bin ich skeptisch, wenn ein kommerzielles Unternehmen plötzlich meine Handynummer will – auch wenn man  heute noch hoch und heilig versichert, das werde nie für weitere Zwecke genutzt. Aber auch für Jugendliche ist es wenig hilfreich und verwirrlich, wenn eine Grundregel des Umgangs mit dem Internet plötzlich total umgestossen wird: Man muss zu seiner Sicherheit jetzt genau das tun, was bisher ein „No go“ war – wobei das ja nur für Facebook gilt.

27. Juni 2013

Aufklären über die Gefahren des Internets

Zum pädagogischen Standardprogramm gehört es heute, davor zu warnen, Informationen naiv aufs Internet zu stellen, die später z.B. von Arbeitgebern aufgespürt werden. Freizügige Partybilder oder Hochstimmung beim Kiffen sollten deshalb fürs Internet ein „No Go“ sein.  Die meisten Schülerinnen und Schüler haben das heute auch begriffen und gehen vorsichtiger mit dem Internet um. Dennoch hat die EU-Kids-Studie kürzlich festgestellt; dass mehr als die Hälfte der in der Schweiz lebenden Kinder einem oder mehreren Risiken bei der Internetnutzung ausgesetzt ist.  Es wird denn auch gefordert, dass die Prävention von Risiken im Internet alle Kinder und  Jugendlichen erreichen sollte.

So richtig diese Bestrebungen zur Aufklärung sind, es fällt dabei eines auf: Die Präventionsstrategie sind heute vor allem indiviualisierend, indem die Gefahren für die einzelnen Nutzer in den Mittelpunkt gestellt werden. Urheber sind dabei böswillige Einzelne, Pädophile oder Gruppen, die z.B. gedankenlos freizügige Bilder aufs Netz stellen.

Doch das Abgreifen von Daten im Netz hat heute schon viel alarmierendere Dimensionen erreicht, wie die jüngsten Enthüllungen des Whistleblowers Eduard Snowden zu den Geheimdiensten belegen. Vor allem betrifft das britische Überwachungsprogramm Tempora uns Mitteleuropäer direkt, wie der folgende Ausschnitt aus einem Bericht des Zürcher Tages-Anzeigers belegt: „Rund ein Dutzend Hochleistungskabel verbinden Europa mit den USA. Etwa ein Drittel davon macht einen Abstecher an die britische Küste. TAT-14, an dessen Bau die Swisscom beteiligt war, war einst das technische Nonplusultra. Heute gehört das Kabel von 15 000 Kilometer Länge zu den alten Eisen. Nach wie vor laufen aber Massen an Gigabytes täglich über TAT-14. Betroffen vom Grossen Lauschangriff der Briten sind auch Schweizer Telefongespräche in die USA, E-Mails über US-Server oder beispielsweise Aktivitäten in sozialen Netzwerken wie Facebook.“

Bedenkt man solche Orwellschen Perspektiven einer Überwachung des Internetverkehrs, dann sind diese Gefahren für die Gesellschaft noch weit gravierender als die zuerst genannten. Vor allem spielen sie sich so stark im Versteckten ab, dass der Normalverbraucher kaum etwas ahnt. Aus diesem Grund wäre es wichtig, wenn die pädagogische Aufklärung nicht bei den individuellen Gefahren Halt macht, sondern auch den Schnüffelstaat mit seinen Geheimdiensten in die Diskussion einbringt. Denn mit solche Praktiken hat das Internet definitiv seine Unschuld verloren.

8. Mai 2013

Die Piratenpartei im Tief

Filed under: Digital Life,Politik — heinzmoser @ 13:57
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Netzpolitik ist in unseren Gefilden mit dem Aufstieg der Piratenpartei in Deutschland verbunden. Doch viele, welche die Entwicklung verfolgten, sind heute frustriert. Nach Anfangserfolgen bis zu zweistelligen Wahlresultaten dümpelt die Piratenfregatte nun bei zwei bis drei Prozentpunkten umher. Und wenn man von den Piraten etwas liest, dann geht es vornehmlich um emotional aufgeladene Querelen beim Führungspersonal. Eine vertiefte Analyse habe ich gerade unter dem Titel „Piraten im Abseits“ im Journal 21 publiziert.

Link: http://www.journal21.ch/piraten-im-abseits

11. März 2013

Wie gefährlich ist das Internet

Filed under: Digital Life,Internet,Mediengewalt,Medienpädagogik — heinzmoser @ 23:12
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Empirische Studien zur Situation in der Schweiz zeigen, dass die Gefahren des Cybermobbings bei Jugendlichen überschätzt wurden. Einzelfälle, welche in der Presse ausgebreitet wurden, scheinen zu einem gewissen Alarmismus beigetragen zu haben. Dennoch war dies auch mit positiven Effekten verbunden – haben solche Berichte doch gerade Jugendliche vorsichtig gemacht, so dass diese heute sorgfältiger mit Persönlichkeitseinstellungen umgehen. Das heisst aber nicht, dass es immer leicht ist die Anforderungen digitaler Kommunikation mit dem Alltag zu vereinen. Mein kürzlicher Beitrag im Journal 21 versucht eine umfassendere Einschätzung dieser Problematik.

4. März 2013

Auch das noch: Tablets für Kinder

Odys PediKindercomputer gibt es seit mehreren Jahren. Früher waren es bunte Laptops, meist mit viel Plastik, welche den Kids den Einstieg in die Computerwelt erleichtern sollten. Wenn Eltern ihre Kids nicht an ihre teuren Desktops und Notebooks lassen wollten, so kam der viel billigere Kindercomputer gerade richtig.

Aktuell sind es nun aber vor allem Tablets, welche ins Kinderzimmer Einzug halten sollen. Und billiger als z.B. ein iPad sind sie allemal. Aber wie gut und sinnvoll sind Kindertablets wirklich? Als Beispiel dafür habe ich mir das Odys Pedi, das man bereits für rund 120 Fr. oder 95€ erhält, angeschaut. Ist das eine günstige Investition in die Medienkompetenz der Kinder?

Der erste Eindruck des in weiss gehaltenen Geräts ist schon deshalb überraschend, weil es aussieht wie ein ganz normales Tablet – bis hin zur eingebauten Kamera. Da gibt es weder angepeppte Ohren oder Plastikrahmen in pink, was nach manchen Herstellern offensichtlich besonders kindgerecht sein soll. Dennoch soll der Tablet PC die Kinderaugen zum Leuchten bringen, wie es auf der Website Pinkies“ heisst: „Dies gelingt natürlich am sinnvollsten mit kindgerechten Inhalten, aber auch mit einem Erscheinungsbild, welches Kinder anspricht. Hier zeigt sich der Odys PEDI schon nach dem Einschalten äußerst putzig.“ Na ja, putzig vielleicht schon, wenn da nicht einige Nachteile wären:

Zwar wird die Normalität des Tablets durch die technische Ausstattung unterstreichen: Der Pedi ist ein Android-Gerät mit farbigem Multitouch-Bildschirm, e-Book Funktion, eingebautem Lautsprecher, der Möglichkeit den Speicher über MicroSD-Karten zu erweitern etc. Leider handelt es sich nicht um die neusten und schnellsten Kompenenten, was die Bedienung eher hakelig macht – und die mit einem Pedi bedachten Kids neidisch auf das iPad der Eltern schielen lässt. So lässt die Lautstärke der eingebauten Lautsprecher zu wünschen übrig, und die Bildschirmauflösung ist eher flau.

Gut gemeint ist sicher auch die Elternkontrolle per Software, indem die Kinder auf einen KidsPlace beschränkt werden können, der nur mit einem speziellen Passwort zu verlassen ist. Hier können dann nur kindergeeignete Webangebote genutzt werden: Der Marktplatz, um neue Apps herunterzuladen, kann gesperrt werden, und man kann auch die Nutzungsdauer einstellen, damit die Kinder nicht schrankenlos auf dem Netz herumkurven. Was ich aber nicht gefunden habe ist ein YouTube oder Internet-Filter, mit dem man Seiten  sperren kann. Der auch ohne Pedi kostenlos erhältliche KidPlace scheint denn auch mehr ein Erwachsenenschutz als ein Kinderschutz. Denn er sollte vor allem beim Herumspielen der Kids mit dem Handy verhindern, dass diese nebenbei gleich noch Apps herunterladen oder zum Beispiel Kalendereinträge löschen.

Was man aber vor allem von einem Kindertablet erwartet, das ist ein hochstehendes pädagogisches Angebot an Software („kindgerechte Inhalte“). Denn da fühlen sich viele Eltern bei der rieseigen Auswahl von  Internetangeboten, Apps und Software nicht sicher und sind froh, wenn sie sich auf die spezielle „Kids Edition“ verlassen können, welche vorinstallierten Content enthält: 50 vorinstallierte Märchen, sowie 10 Hörbücher. Zudem findet man ein Videotrailer vom aktuellen Kinofilm „Sammys Abenteuer 2“, die „Kinderkino“ App und einen Gutschein für 24 Stunden kostenloses Kinderkino im Kinderkino CLUB.

Das hört sich eindrucksvoll an. Doch die vorinstallierten Märchen und Hörbücher entpuppen sich als Gratisangebote ebenso wie alle vorinstallierten Apps. Grimms Märchen als E-book ist zwar für den Hersteller leicht als kostenloses Angebot beizulegen, doch ist zu bezweifeln, ob diese trockenen Bücher allein schon Spiel- und Lernspass garantieren. Vor allem wenn man dann noch ein englisches Buch von Jack London als Beigabe findet („White Feng“). Und ein kurzer Trailer eines Films zusammen mit einem sehr zeitbeschränkten Gutscheincode für kinderkino.de ist auch nicht das Gelbe vom Ei. Pädagogische Lernprogramme fehlen und für YouTube auf dem Netz braucht es auch keinen Kindercomputer. Pädagogisch ist also von dieser KidsEdition nicht viel zu erwarten. Es ist generell zu bezweifeln, ob es einfach ausreicht, kostenlose Software zu bündeln, um ein Tablet aus pädagogischer Perspektive zu entwickeln. Selbst Gratis-Lernspiele, die bei einigen anderen Kindertablets dabei sind, sind oft sehr einfach gehalten und verlieren ihren Reiz nach ein paar Wiederholungen.

Wäre es da nicht besser, wenn Eltern, die ihren Kindern einen Tablet schenken wollen, gleich ein gut ausgerüstetes Erwachsenengerät kaufen. Das können sie dann zusammen mit ihrem Kind selbst bestücken – auch mit einer App zur Kindersicherung, wenn es denn sein muss. Bei so einem gemeinsamen Projekt mit ihren Sprösslingen lernen die Eltern dann auch gleich das Gerät und das Angebot der Apps kennen. Das macht beiden Generationen Spass. Wenn man aber glaubt, dass es der Vorteil des Kindertablets sei, sich mit dem Teil nicht befasse zu müssen und es gleich den Kindern in die Hand zu geben, dann sind das Illusionen. Wer ausser Papa und Mama können denn schon Mail-Kontos und das WLAN einrichten? Bei der dürftigen Anleitung, die dem Ganzen beigelegt ist, brauchen kleine Kinder ohnehin erst einmal Hilfe und Anleitung, um  mit dem Gerät klar zu kommen.

Das Fazit ist leicht zu ziehen: Wenn Kindertablets nicht mehr bieten, sind sie ein reichlich überflüssiges Angebot auf dem Computermarkt. Schon weil die Geräte billig sein müssen, schlägt sich das in der Qualität von Hard- und Software nieder.

Hier finden sich Hinweise zu anderen Kindertablets.

5. Februar 2013

Digital Citizenship – eine neue medienpädagogische Perspektive

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Die Gefahren des Internets werden immer wieder in Presse und TV zum Thema gemacht. Gestern – 4.2.2013 wurde bei Frank Plasberg über „Handy an, Hirn aus – wie doof machen uns Apple und Co.?“ diskutiert. Und am 5.2.2013 hiess es in 20 Minuten Online: „Ein 47-Jähriger aus dem Berner Oberland gibt sich als sexy Mädchen aus, um an Nacktvideos von 15- bis 17-Jährigen zu kommen.

Bewahrpädagogisch kann man darauf mit Medienverboten reagieren und versuchen Kindern erzieherisch enge Grenzen zu setzen. Nur funktioniert dies in einer Gesellschaft immer weniger, die in den letzten Jahren immer stärker mediatisiert wurde – von Spielkonsolen, bis hin zu Smartphones und Laptops. Und schliesslich helfen blosse Verbote wenig, wenn es darum geht, einen sinnvollen Umgang mit digitalen Medien zu finden, wie es im Erwachsenenleben heute notwendig ist. Das führt zur Frage nach der  Vermittlung von Medienkompetenzen, um den Umgang mit Medien zu beherrschen. Auch das kann allerdings problematisch sein, denn die heutigen Medienkompetenzen sind möglicherweise in fünf Jahren wieder total veraltet. Und oft betonen Konzepte zur Vermittlung von Medienkompetenzen zu stark die technischen Aspekte der Mediennutzung.

Schwierig sind aber auch einseitige Wirkungshypothesen – also etwa die oben formulierte These, dass uns Apple und Co. Doof machen. Was man oft vergisst, ist die soziale Einbettung der digitalen Medien, über welche Wirkungen erst zustande kommen. Wenn man z.B. Facebook nimmt, dann sollte man nicht davon ausgehen, dass wohlmeinende Internetaktivisten dadurch das Kommunikationsverhalten der Menschen verbessern wollten (alle „liken“ sich auf Facebook). Vielmehr geht es bei den „Sozialen Medien“ um handfeste ökonomische Interessen, was nicht erst seit dem Börsengang von Facebook deutlich wurde. So ist es kein Geheimnis, dass die beworbene Produkte nur „gelikt“ werden wollen. An einem kritischen „Dislike“-Button ist denn auch keiner interessiert. Und dass immer mehr Produkte die User als Freunde aufs Netz lotsen wollen ist ebenfalls kaum überraschend.

Geht man von dieser sozialen Einbettung der digitalen Medien aus, so ist die Perspektive einer „Digital Citizenship“ interessant, die in der amerikanischen Medienpädagogik diskutiert wird. Wie etwa Mike Ribble betont, ist eine digitale Gesellschaft entstanden, die von der Erziehung bis zur Arbeitswelt und zur Ökonomie heute alle Bereiche betrifft. Jeder Alltag ist damit auch zum „digitalen“ Alltag und jeder Bürger auch zum „digitalen“ Bürger geworden. Was aber dieser neue Status des „digital citizen“ bedeutet und welche Anforderungen an diesen Bürger und einen verantwortungsvollen Umgang mit den digitalen Medien zu stellen sind, das scheint mir die zentrale Frage zu sein.

Hier hat allerdings auch das amerikanische Konzept von „digital citizenship“ seine Schwäche. So stellt Ribble neun Elemente vor, die dafür zentral seien – etwa der umfassende Zugang, der digitale Kommerz, digitale Literacy, digitale Etikette oder digitales Recht. Diese sollen den Schülerinnen und Schülern vermittelt werden, um den „richtigen“ Umgang mit den Medien zu lernen.

Nur ist da das grosse Problem, dass diese digitale Gesellschaft im Status des Werdens ist. Oft gibt es noch keine eindeutigen Regeln, die bereits vorliegen und nur noch angewandt und als klare Verhaltensregeln vermittelt werden können. So heisst es im Buch von Mike Ribble (S. 96):

„Scenario 2: When hanging out with friends, one student gets a cell phone call and conducts a conversation within the group. What is the proper etiquette when using a mobile phone in a public place?“ Doch was ist hier die „proper etiquette“? Je selbstverständlicher der Handygrbauch ist, desto stärker kann sich diese Etiquette verändern. Unter handygewohnten Jugendlichen nimmt man vielleicht den Anruf an und bezieht die umstehenden Kolleg/innen in Gespräch ein, während mancher ältere Handynutzer fast fluchtartig einen abgelegeneren Ort aufsucht.

Je stärker die digitalen Medien die Gesellschaft durchdringen, umso häufiger werden solche Situationen, wo es die eindeutige und klare Lösung nicht mehr gibt:

– Bei welchen Lebensereignissen darf man mit Email oder SMS reagieren – und wo wäre eine persönlichere Reaktion angefragt (Todesfälle, Hochzeiten etc.)

– Wo ist es von Vorteil, Texte auf einem Ebook zu lesen, und wo möchte man nach wie vor ein gedrucktes Buch oder ein gedrucktes Papier?

– Wie hat sicher der Musikmarkt mit dem Internet verändert und was bedeutet dies für das Urheberrechts

– Was versteht man unter Multi-tasking – und gibt es Situationen, wo dies spezifische Vor- oder Nachteile für das Lernen hat?

– Wo beziehe ich meine politischen Informationen – Online oder aus abonnierten Zeitungen und Zeitschriften?

Das Dilemma ist bei all diesem Fragen: Als Digital Citizen komme ich nicht darum herum, mir solche Fragen zu stellen und handhabbare Antworten zu finden. Doch diese Lösungen sind zu vielen Fragen nicht eindeutig. Alte Regeln werden brüchig, weil sie zur digitalen Gesellschaft nicht mehr passen; manches bleibt unverbindlich – oder es bilden sich neue Regeln erst langsam heraus.

Wenn es jedoch darum geht, dass digitale Bürger selbstverantwortlich in dieser neuen Gesellschaftsform handeln, kann dies auch eine medienpädagogische Chance darstellen. Anstatt fixe Lösungen durchzusetzen oder auf unsicheren Normen als den einzig Gültigen zu beharren, müsste es stärker darum gehen, die Problematiken zu verstehen, die dahinter stehen.  Erst dann kann beurteilt werden, ob sie als Lösungen für den digitalen Alltag tragbar sind. Denn wenn es darum geht, dass junge Menschen verantwortungsvolle digital citizens werden, dann müssten sie selber an der Herausbildung  und Gestaltung von digitale Lebensstilen beteiligt werden, welche in Zukunft das Fundament des Zusammenlebens darstellen.

Dazu gehört auch die Erkenntnis, dass die digitalen Netze nicht nur positive Seiten haben. Auch Kriminalität, Mobbing und Gewalt gehören dazu. Allerdings ginge es hier nicht primär um externe Verbote, Warnungen und alarmistische Botschaften. Im Sinne des Empowerment müssten Kinder und Jugendliche hier vor allem angeleitet werden, wie sie sich als digitale Bürger verantwortungsvoll verhalten und sich gegen Übergriffe wehren können.

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