Medienwelten

11. Mai 2012

Internetpranger – ein problematisches Mittel

Immerhin zwei Mal bin ich heute über den Begriff des Internetprangers gestolpert:

Fall 1: Die Online-Zeitung 20 minuten titelt in der Ausgabe vom 11. Mai 2012: „Wer in der Zürcher Bastel-Boutique Leibundgut stiehlt, landet am Pranger: Fotos der Überwachungskamera werden im Laden an eine Wand gehängt.“ Und die Meinung der Zeitung wird gleich hinzugefügt:  „Die Massnahme ist illegal.“ Der Sachverhalt ist schnell zusammengefasst: Wer an der Kasse von Zürichs grösster Bastel- und Dekorationsboutique zahlt dem fallen die an die Wand gehängten Bildern mit gut erkennbaren Gesichtern auf. Auf die Frage, wer da abgelichtet sei, antworte die Bedienung stets: „Kunden, die nicht gerne zahlen.“ Der darauf von 20 minuten angesprochene Inhaber des Geschäfts rechtfertigt sich: „Es sind von der Überwachungskamera ausgedruckte Screenshots von Leuten, die in unserem Laden gestohlen haben.“

Der Sachverhalt ist in diesem Fall einfach und klar: Einmal verstösst dieser Pranger gegen das Datenschutzgesetz.  Auch die Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte (EDÖB) findet diese Art von Pranger problematisch, meint sie doch gegenüber 20 minuten: „Das ist unverhältnismässig. Das Bild-Material gehört in die Hände der Strafverfolgungsbehörde. Wir leben in einem Rechtsstaat“, sagt EDÖB-Mediensprecherin Eliane Schmid.

Wie ist es aber, wenn die Strafverfolgungsbehörden (sprich: die Polizei) sich den Internetpranger selbst zunutze machen, wie dies immer häufiger geschieht (z.B. bei randalierenden Fussball-Fans oder nach Ausschreitungen wie jenen vom 1. Mai).

Fall 2: Hier kommt der Tages-Anzeiger vom 11. Mai 2012 zum Zug, der den Fall eines Mannes schildert, der von der Stadtpolizei Baden an den Internetpranger gestellt wurde: „Es ist samstagmorgens um 3.47 Uhr. Mit roher Gewalt zerrt ein Mann im Muskelshirt an der Eingangsschranke in die Tunnelgarage beim Bahnhof Baden. Als er die Szenerie verlässt, baumelt die Schranke hinunter. Ein alltäglicher Vandalenakt mit einem Sachschaden von 700 Franken.“ Das Bild des Täters erschien darauf in der „Aargauer Zeitung“ und Blick.ch publizierte  ein Video der Tat.

Der Tages-Anzeiger stellt dazu, die Frage, ob dieses Vorgehen nicht übertrieben sei. Durch den Internetpranger hätten Tausende den Mann und sein Gesicht gesehen. Möglicherweise bleibe das Video für immer im Netz – und das bei einem Deliktsbetrag von 700 Franken. Der stellvertretende Kommandant der Stadtpolizei räumte denn auch gegenüber der Zeitung ein, dass der Sachschaden relativ gering sei. Der Polizei sei es bei der Herausgabe des Filmmaterials vor allem um zwei Dinge gegangen: den Täter ermitteln und abschrecken. „Jeder Vandale soll wissen, dass er gefilmt und allenfalls via publizierte Bilder gesucht wird“, sagte stellvertretende Kommandant. Dabei verwies er darauf, dass in Badens Parkhäusern jährlich Vandalismusschäden für 250’000 Franken entstehen.

Nun ist es keine einfache Sache, das Interesse am Datenschutz und jenes an der Gefährdung der Öffentlichkeit durch eine Straftat abzuwägen. Dennoch scheint man heute zugunsten eines schnellen Erfolgs den Internetpranger immer häufiger und leichtfertiger zu nutzen.  Gerade die Bemerkung des Tages-Anzeiger-Journalisten, dass solche Bilder und Videos möglicherweise für immer im Netz bleiben, führt zur Polizei zurück.

Diesmal zur Stadtpolizei Zürich. Diese schreibt in einer Broschüre ( „Geschichten aus dem Internet“) zur Internet-Prävention: „Wenn du Fotos und Videos ins Internet stellst, sei dir bewusst, dass andere Personen sie weiter verbreiten können. Denn digitale Bilder sind sehr schnell vervielfältigt und in den falschen Fingern. Einmal im Netz, sind sie für immer gespeichert. Denk auch an deine Zukunft: Vielleicht magst du die Bilder in ein paar Jahren nicht mehr sehen oder sie können dir im privaten oder beruflichen Leben schaden.“

Müsste sich dieselbe Polizei nicht auch selbst an diese Zeilen erinnern, wenn sie junge Leute an den Internetpranger stellt. Denn es könnte ja sein, dass ihnen diese Bilder auch noch dann schaden, wenn die Tat längst verjährt ist.

Und noch eine zweite Bemerkung scheint mir wichtig, die aus einem Urteil über einen Fussball-Fan hervorgeht, der im Februar dieses Jahres  vom Vorwurf des Landfriedensbruchs freigesprochen worden. Die Bilder einer Überwachungskamera, die von den Stadtpolizeien Zürich und Basel ins Netz gestellt wurden, waren für eine Verurteilung als nicht ausreichend befunden worden. Die Neue Zürcher Zeitung vom15. Februar 2012 macht in ihrem Bericht die Gründe für diesen Freispruch deutlich: „Dem Entscheid, die Bilder zu veröffentlichen, lagen dieselben Foto- und Videoaufnahmen zu Grunde wie dem Gerichtsentscheid. Die Anklage beschrieb den Inhalt des Videos wie folgt: ‚Der Beschuldigte war mitten unter den gewaltausübenden Personen, bewegte sich freiwillig mit dieser Gruppe hin und her und war somit Teil dieser gewalttätigen Zusammenrottung.‘ Der Einzelrichter war nach Betrachtung der Aufnahmen aber der Meinung, der Beschuldigte habe sich ‚weg von der Gewalt‘ bewegt. Und auf den Fotos, die als belastendes Material herangezogen wurden, sei ‚so gut wie nichts‘ zu sehen.“

Es stellt sich also die Frage, ob Bilder wirklich das Mittel sind, um Tatsachen objektiv festzuhalten, weil sie die Realität hieb- und stichfest abbilden. Denn letztlich geht es auch bei der Beurteilung von Bildern um eine Interpretation der Wirklichkeit. Es handelt sich also oft nur um eine Pseudo-Sicherheit, wenn man auf die unmittelbare Wahrheit von Bildern vertraut. Es kann sogar sein, dass das vermeintlich unbestechliche Bild mehr von der Wahrheit verschleiert als darauf hinführt.

 

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28. April 2012

Piratenpartei – ein deutsches Phänomen?

Alle Augen richten sich auf die deutsche Piratenpartei, seit die Wahlumfragen sie nahe an den zweistelligen Bereich katapultiert haben. Nach dem jüngsten ZDF-Politbarometer ist die bundesweite Erfolgswelle noch nicht verebbt. In der Umfrage vom 27.4. 2012 verbessert sich die Piratenpartei um einen Punkt auf neun Prozent, während die FDP bei 3% dümpelt. Offensichtlich hat die Häme der FDP bis lang wenig geholfen, welche die Piraten als „Linkspartei mit Internetanschluss“ bezeichnen. FDP-Gesundheitsminister Daniel Bahr nennt gegenüber dem SPIEGEL auch den Hintergrund: „Bei Transparenz und anderen Dialogformen im Internet waren wir mal Vorreiter“, sagte Bahr. „Zuletzt haben wir das jedoch vernachlässigt.“

Was mich allerdings mehr interessiert als diese Wahlkampfauseinandersetzungen ist die Frage, ob mit der Piratenpartei die mit dem Internet vertrauten Generationen eine eigene politische Plattform finden, die den traditionellen Parteien gefährlich werden könnte. Oder geht es um eine Ein-Themenpartei, die als Protestpartei schnellen Erfolg in der deutschen politischen Landschaft verspricht, wie es Thomas Isler in der letzten Ausgabe der Neuen Zürcher Zeitung am Sonntag (22.4.2012) vermutet. Er vergleicht die Piraten mit der schweizerischen Autopartei, die eine Reaktion auf das damalige Aufkommen der Grünen waren: „Was dieser die ‚freie Fahrt für freie Bürger‘ war, ist den Piraten der freie Download, und statt Tempolimiten bekämpfen sie Schranken im Internet. In ihrem schmalen politischen Programm fällt vor allem die Forderung nach allerlei Gratisdiensten auf: für Netzzugang, Nahverkehr, Grundeinkommen.“  Das scheint auf eine Protestpartei mit relativ beliebigen populistischen Forderungen hinzudeuten.

Der Autor des Beitrags in der NZZ am Sonntag kommt dann aber zu einem weiteren – und diesmal positiveren – Schluss, wenn er schreibt: „Die wahre Innovation der Piratenpartei liegt darin, dass sie als erste begriffen hat, wie das Internet Debatte und Meinungsbildung verändert hat. Und dass sie dies zur Gestaltung neuer demokratischer Verfuhren und direkter Einflussnahme nutzen möchte. Das ist der Grund, wieso die Piraten in Deutschland so erfolgreich sind wie sonst nirgends auf der Welt.“

Richtig ist sicher, dass sich die Piraten als Partei der Bürgerbeteiligung zu profilieren suchen – z.B. im Wahlprogramm zur Wahl in NRW:

„Die PIRATEN NRW streben an, dass im repräsentativen demokratischen System NRW direktdemokratische Elemente wie Bürger- oder Volksentscheide vereinfacht und optimiert werden. Die Bürger sollen die Möglichkeit erhalten, über den Rhythmus der Legislaturperioden hinaus jederzeit über politische Fragen abstimmen zu können. Wir stehen für eine konsequente Umsetzung von Artikel 20 des Grundgesetzes, der besagt, dass die Staatsgewalt „vom Volke in Wahlen und Abstimmungen“ ausgeht.“

Dabei ist die Frage  nach einer verstärkten Bürgerbeteiligung nicht von den Piraten erfunden worden, was zum Beispiel die Auseinandersetzung um Stuttgart 21 deutlich macht. Hier waren zu Beginn eher die Grünen die Partei der Bürgerbeteiligung und der protestierenden „Wutbürger“. Doch die Verknüpfung direktdemokratischer Elemente mit den Möglichkeiten des Netzes haben dann die Piraten aufgenommen und gewissermassen die Meinungsführerschaft übernommen. Dazu kommt die zunehmende Diffusität der deutschen politischen Szene – mit der Sozialdemokratisierung der Merkel-CDU. In diesem Sinne ist der Erfolg der Piraten typisch deutsch, wie Thomas Isler diesen einschätzt: „Das sind die Gründe, wieso die Piratenpartei in Deutschland blüht – und wieso sie in der Schweiz über kaum über ein Prozent Wähleranteil gekommen ist. Es gibt hierzulande direktdemokratische Ventile und gerade auf kommunaler Ebene viele niederschwellige Möglichkeiten der Einflussnahme. Und wenn enttäuschte Wähler leere Projektionsflächen brauchen, finden sie diese eher bei AbspaItungen von traditionellen Parteien, etwa bei den Grünliberalen oder bei der BDP.“

Was bei dieser Analyse fehlt ist allerdings der Bezug zu den spezifischen Themen einer Gesellschaft, die immer stärker durch die weltweite Vernetzung, die Globalisierung und die Probleme der Datenkommunikation geprägt ist. Die Fragen der Netzkommunikation können immer weniger als Randprobleme, die nur Experten interessieren, abgetan werden. Urheberrecht, Persönlichkeitsrechte, freier Austausch im Netz betreffen alle Menschen – weil sie zu fast hundert Prozent auch Internetnutzer sind. Es ist deshalb kein Wunder, dass die Jungen als Angehörige der sog. „Netzgeneration“ sich besonders von den Piraten angezogen fühlt.

Es ist zwar durchaus möglich, dass sich ausserhalb Deutschlands andere politische Kräfte sich zum Sprachrohr solcher Interessen machen. Doch auch dort sollte man die Piraten nicht vorschnell abschreiben, wenn es ihnen gelingt, die  Probleme der Netzgesellschaft mit der Politkultur ihres eigenen Landes zu vermitteln.

22. Februar 2012

Ting und Tiptoi – Top oder Flop der Hörstifte?

Multimedia im Kinderzimmer wurde als Thema an der diesjährigen Didacta in Hannover stark propagiert. Wassilios Fthenakis betonte als Didacta-Präsident: Digitale Medien sind keine Ersatz für das Buch, aber eine Bereicherung – auch schon für unter Zehnjährige“ (zit. nach Focus-Online vom 15.2. 2012).

Besonders im Fokus standen audiodigitale Lernsysteme wie Tiptoi (Ravensburger) und Ting  (Brockhaus und weitere Verlage). Beides sind Lesestifte, die Audio abspielen, wenn Kinder in einem Buch bestimmte Wörter oder Zeichen antippen. Seit dem Herbst 2010 hat allein Ravensburger zwei Millionen solcher Produkte für Kinder ab 4 Jahren verkauft.

Doch welches ist der Wert dieser neuen technischen Innovation fürs Kinderzimmer wirklich? Wir haben Ting von Brockhaus getestet. :

Einfach geht die Installation über den USB-Eingang des Computers und die Anmeldung der gekauften Bücher. Dann kann man gleich loslegen, wobei der Stift nicht allzu zu gross ist und gut in der Hand liegt. Positiv ist zudem bei Ting, dass auch weitere Verlage als Brockhaus mit dabei sein – z.B. auch die schönen Kinderbücher von „ars edition“

Beim mitgelieferten Set zum Hörstift war „Mein erster Brockhaus“ als Buch dabei. Nach Klappentext sind in diesem Buch rund 1500 Alltagsgeräusche, Dialoge, Reime, Lieder und Texte zum Hören versteckt. So kann man Wörter („Kerze“, Kette“) per Hörstift auf Englisch übersetzen lassen. Hält man den Stift auf Bilder wie das im Buch abgebildete Karussell, so tönt es gleich: „Herein spaziert, herein spaziert und  fahren Sie mit“. Und bei einer Abbildung von Nägeln tönt es „Und jetzt mal still gestanden, Jungs, sonst schlägt sich Meister Heinrich wieder auf die Finger!“ Vielfältige Audioreize können so mit dem Lesen verbunden werden – wobei Kinder neugierig sind, was sich denn jetzt wieder für ein Audioimpuls hinter einer Zeichnung versteckt.

Es gibt allerdings keine aufbauende Lernstrategie bzw. einen vorgegebenen Ablauf, wie man sich für das „Erste Lexikon“ klickt. Nach Lust und Laune durchforscht man das Buch. Dies wirkt auf der einen  Seite sympathisch; es stellt sich aber auch die Frage, wie hoch denn der Lernertrag des relativ ziellosen Surfens wirklich ist. Und zweitens gibt es insgesamt einige wenige Kategorien von Audioimpulsen, die immer wieder vorkommen: da dürfte sich der Reiz des Ganzen doch sehr schnell abbrauchen.

Der zweite Versuch: Mit Ting erforschen wir eine schön gestaltetes Kinderbuch: „Das Wimmelbuch. Eine Reise durch die Zeit“, geschrieben von Ulla Bartl. In grossen Bildern werden hier vergangene Zeiten, von Steinzeit und altem China bis zu New York im 21.Jahrhundert illustriert. Die einzelnen Bilder sind voll von Gebäuden, Landschaften und Personen – ein richtiges Gewimmel. Für Kinder ist es eine Lust, diese Bilder anzuschauen und dann gezielt zu suchen, was auf den einzelnen Blättern nicht stimmt. So wird in die Steinzeit ein Dinosaurier hineinklamüsert,  oder in einer Höhle brennt eine elektrische Lampe. Diese Fehlersuche macht Spass, nur braucht man dazu den Stift noch überhaupt nicht. Was leistet nun dieser? Klickt man die Steinzeit an, dann gibt es kleine informative Hörszenen zur Steinzeit – etwa zu den Fellkleidern in der Steinzeit. Oder es wird auf der Flöte eine Tanzmelodie gespielt, die nach dem Sprecher auch zur Geisterbeschwörung dient.  Gesamtbefund zum Wimmelbuch: Ein ganz tolles Buch für Kinder, die sich spielerisch mit dieser Zeit auseinandersetzen. Doch dazu braucht es den Stift eigentlich gar nicht. Dieser ist zwar ein netter Zusatz, doch das Buch überzeugt auch „ohne“.

Grundsätzlich ist die digitale Revolution mit dem Hörstift weniger ein Sturm als ein laues Lüftchen. Es ist ein nettes Gadget, in Kinderbücher auf diese Weise auf Knopfdruck Hörelemente einbauen zu können. Doch wenn jetzt die digitalen Tablets und iPads – und später vielleicht Ebooks – kommen, wo auf Berührung Filme und Musik abgespielt werden, ist der Hörstift nur eine Vorform für digitale Animationen. Dies erinnert mich an die Kindercomputer, die in den Neunzigerjahren mit grossem Trara Kinder in die digitale Welt einführen sollten. Auch diese blieben mehr oder weniger ein Flop, weil die Kids viel lieber mit dem „richtigen“ PC der Eltern spielten. Hörstifte erscheinen mir deshalb ein untauglicher Versuch für die angeschlagene Buchbranche, den Weg ins Digitalzeitalter auf der eigenen Plattform der Printtechnologie doch noch zu schaffen. Herausgekommen ist ein Klon, der weder Fisch noch Vogel ist. Überlebensfähigkeit: fraglich.

 

Update:

Dazu auch mein Beitrag zu Lesestiften, Kindertablets  und Apps für Handys und Tablets

13. Februar 2012

Apple – die kleine (oder auch grössere) Verführung der Schulen

Filed under: HAndy,Medien,Medienpädagogik — heinzmoser @ 11:55

Apple lanciert Grossangriff auf Schweizer Bildungsmarkt“ titelt der heutige TagesAnzeiger in seiner Online Ausgabe. Dies ist nach dem Artikel der Hintergrund: „Der Computer- und Softwarekonzern Apple  plant zurzeit eine Marketing-Strategie zur Eroberung des Schweizer Bildungsmarktes. Im Fokus stehen dabei die Lehrer, die für eine maximale Verbreitung von Apple-Produkten an Schulen sorgen sollen, wie die Zeitung «Sonntag» schreibt.“ Und wenn  man dann auf den „Sonntag“ zurückgreift, so heisst es dort:

„Nach Angaben des internationalen Forschungsinstituts Gartner hat Apple im Schweizer Bildungsbereich bereits einen Marktanteil von 70,4 Prozent. Und das ist erst der Anfang: Mit Geräten wie dem iPad und neuer Lern-Software wird die Marktmacht weiter wachsen.“

Nun ist Apple schon immer in schweizerischen Bildungssystem führend gewesen – als „kleine, aber feine“ Alternative zu Windows. Davon scheint Apple heute noch zu zehren, wenn die Firma zum Halali auf die schweizerischen Schulen bläst. Doch eines sollte man nicht vergessen: Apple ist mit seinem geschlossenen System heute selbst zum Monopolisten geworden, der alles tut, um seine Marktmacht auszuspielen. So wird ja genauestens überwacht, was in Apples App-Shop noch durchgeht. Und im Streit zwischen Apple und Samsung wird mit knallharten Bandagen gefochten.

Doch die traditionelle Rolle des gefürchteten Herausforderers des globalen Drachens namens „Windows“ wirkt im Bildungsbereich bis heute nach. So ist es kein Wunder, dass es in der Schule heute primär von  iPhones oder iPads gesprochen wird, nicht aber von androidbasierten Lösungen. Denn Apple gewinnt nach wie vor alle Sympathiepunkte.

Ich möchte hier – selbst iPhone User – allerdings nicht einfach applekritisch argumentieren. Gerade mit dem iPhone kann  man im Unterricht der Schulen viel anfangen – etwa wenn man damit kleine Videos aufnimmt und mit iMovie dann noch bearbeitet. Trotzdem ist es merkwürdig, wenn Lehrerinnen und Lehrer, die für OpenSource Produkte werben, dann letztlich doch wieder vorbehaltlos auf Apple stehen. Grundsätzlich geht es doch einfach um guten Unterricht, der mit digitalen Medien realisiert werden kann. Ob dies mit Apple, mit Windows oder vielleicht sogar mit Android-Geräten erreicht werden kann, müsste  für alle Vertreter des Bildungssystems zweitrangig sein. Was aber am Wichtigsten ist: Wir brauchen keinen Monopolisten – auch wenn  er Apple heisst, der letztlich mit seiner Marktmacht bestimmt, wie der über Medien vermittelte Unterricht in den Schulen aussieht.

4. Februar 2012

Kann sich die NZZ ihren Verwaltungsratspräsidenten noch leisten?

Filed under: Medien,Politik — heinzmoser @ 22:34

„Wehe, wehe Wegelin“, so titelt die „Süddeutsche“. Sie bezieht sich damit auf die Klage gegen die Wegelin Bank wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung in den USA.  Das ist eigentlich kein Thema für einen Medienblog – wenn nicht da Kurt Hummler wäre, der  ehemalige Wegelin-Chef, der bis heute Verwaltungsratspräsident der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) ist. Darauf hat heute ein Bericht von Radio DRS reagiert. In der Newssendung „Echo der Zeit“ wurde gemutmasst, ob Hummler bei der NZZ Einfluss auf die Berichterstattung nehme und damit besser zurückträte. Die damit verbundene Problematik: „ Nimmt Hummler hier Einfluss auf die Berichterstattung – oder fühlt sich die Zeitung verpflichtet, die Bank ihres Präsidenten zu schützen?“  Der Publizist Karl Lüönd nimmt die NZZ in Schutz: Die Kollegen bei der NZZ seien viel zu integer, eine Einflussnahme Hummlers würden sie sich nicht bieten lassen. Das mag zutreffen.

Doch eigentlich ist es müssig, sich darüber zu streiten, ob es  einen Einfluss auf die Berichterstattung gab oder nicht. Auch wenn Konrad Hummler in allem korrekt gehandelt hätte, wird er sich nicht halten können.  Denn die NZZ, welcher als international renommierte Zeitung gerade in ihrem Wirtschaftsteil eine besondere Kompetenz zugebilligt wird, kann sich einen Verwaltungsratspräsident im Zwielicht einer internationalen Finanzaffäre schlicht nicht leisten. Und auch die Schweiz nicht – für welche die NZZ ein publizistisches Aushängeschild ist. Jedenfalls wird die Glaubwürdigkeit der Zeitung schwer beschädigt, wenn ihr Verwaltungsratspräsident als  (Ex-) Chef jener Bank gilt, die die in den USA wegen Finanzkriminalität am  Pranger steht. Schon der heutige Bericht auf DRS 1 unterstreicht das Dilemma: Jede Meldung der NZZ wird in den nächsten Tagen und Wochen nur noch akribisch darauf gecheckt, wie der Fall Wegelin und seine Folgen in ihren Spalten abgehandelt wird. Man kann deshalb dem Verwaltungspräsidenten nur eines empfehlen: möglichst schnell zurückzutreten.

Update vom 9. Februar 2012

Heute heisst es im Zürcher TagesAnzeiger:

Konrad Hummler gibt NZZ-VR-Präsidium ab

Es ist gekommen, wie es kommen musste – und ich es letzte Woche schon voraussagte: Hummler ist zurückgetreten. Es ist wohl eher Salamitaktik, wenn es dazu heisst, dieser Schritt sei nur interimistisch erfolgt.

31. Januar 2012

Videos mit dem iPhone – eine Herausforderung für die Schule

Filed under: HAndy,Medien,Medienpädagogik — heinzmoser @ 21:27

Diese Woche gab es für die Studierenden der PH-Zürich eine Kompaktwoche, in welchem sie mit verschiedensten Medien arbeiteten – u.a. mit einem Auftrag, sich mit einem selbstgedrehten Video vorzustellen. Neben Camcorder und Digicam stellte ich auch die Möglichkeit zur Wahl, mit einem iPhone Videoclips aufzunehmen und dann gleich auf dem Phone zu schneiden. Was als Alternative vorgestellt wurde, hat die Studierenden gepackt. Die Mehrzahl versuchte zu meiner Überraschung gleich die iPhone Variante auszuprobieren – mit erstaunlich positivem Ergebnis. Das waren natürlich keine ästhetisch hervorragenden Filme – aber von der Qualität erstaunlich gut. Auch wer mit Filmen noch kaum Erfahrungen hatte, konnte in einem einzigen Nachmittag einen ansprechenden Videoclip realisieren.

In der Computerzeitschrift „Chip“ stand vor einiger Zeit zum Handyfilmen:

Den Komfort einer Desktop-Schnittsoftware erreicht iMovie fürs iPad nicht, aber es macht Spaß, sich Filmschnipsel, Effekte und Sounds per Fingertipp zusammenzustellen. Mit Multitouchgesten streckt und staucht man einzelne Sequenzen oder taucht eine Stufe tiefer in den Präzisionseditor ab.( http://www.chip.de/downloads/iMovie-iPhone-_-iPad-App_43619127.html)

Geht man davon aus, dass in den nächsten ein bis zwei Jahren immer mehr Kids über ein Smartphone verfügen werden, ist das eine valable Möglichkeit, im Unterricht aktives Filmen einzusetzen – z.B. für Interviews, Selbstdarstellungen, filmisch formulierte Arbeitsaufträge etc. Eine Studentin brachte es auf den Punkt: „Anstatt in der Schule die Handys zu verbieten, zeigt sich hier, dass man diese auch sinnvoll für Unterrichtszwecke einsetzen kann.“

28. Januar 2012

Wenn die Musik kommt…

Filed under: Digital Life,Medien — heinzmoser @ 18:06

Das sitze ich jüngst in der Berliner U2. Kommen zwei Männer mit einem unförmigen Lautsprecher und einer Trompete herein. Einer bedient das Gerät und der Zweite spielt 45 Sekunden auf seiner Trompete etwas Volkstümliches zur unterlegten Musik aus der Konserve. Dann geht der eine blitzschnell mit einem Becher durch den Wagen. Die U-Bahn hält schon an der nächsten Station und die Beiden beeilen sich, um in den vorderen Wagen  zu kommen. Schon ist der ganze Spuk vorbei. Zurück bleiben zwei 25jährige, die sich über die U-Bahnmusikanten aufregen: „Bereits die Dritten, die ihre schrecklichen Töne verbreiten, seit wir eingestiegen sind“, meint der eine. Ergänzt der andere: „Schlimm ist das, man kann  nicht mal in aller Ruhe Musik auf seinem iPod hören“.  Auf einen Kommentar zur schönen neuen Medienwelt möchte ich iun diesem Zusammenhang verzichten.

6. Januar 2012

Die Femme fatale in der Politik – die Skandale um Christian Wulff und Philipp Hildebrand

Filed under: Digital Life,Medien,Politik — heinzmoser @ 22:10

Der deutsche Spiegel vergleicht den Wahl des Bundespräsidenten Christian Wulff mit der Affäre um den schweizerischen Notenbankpräsidenten Hildebrand. Als grossen Unterschied hält er dabei fest, dass Hildebrand erheblich geschickter als der Bundespräsident agiert habe. Er habe sich an der Pressekonferenz vom vergangenen Freitag souverän gegen den Vorwurf gewehrt, Insiders-Geschäfte getätigt zu haben. Wörtlich meint der „Spiegel“: „Wulff wählte zum Sich-selbst-Erklären das Exklusiv-Interview im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, sprach mit belegter Schuljungen-Stimme, schaute sein Gegenüber von unten an und sagte ständig „man“. Hildebrand stellt sich mehr als eine Stunde den Fragen von Journalisten. Er redet mit fester Stimme von einem Podest herab.“ (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,807432,00.html)

So unterschiedlich die beiden Fälle liegen, so fällt dennoch eine Parallele auf: In einer Männergesellschaft der hohen Politik sind es die Frauen, die den Schwarzen Peter zugespielt erhalten. Wie geschah es doch im Fall Hildebrand? Er wusste nicht, dass seine Frau hinter seinem Rücken Bankgeschäfte tätigte. Sie sei halt unerfahren in der Politik, spontan und unberechenbar, und ja, sie habe einen starken eigenen Willen.. Frau Hildebrand muss sich ja gefreut haben, wie sie ihr Mann sie in seiner Presskonferenz charakterisierte. Auch bei Wulff gab es eine „femme fatale“, nämlich die Frau des Unternehmers Egon Gehrken, welche den umstrittenen Kredit im Zusamenhang mit einem Hauskauf gewährte. Vielleicht wusste da ihr Mann ja auch nichts davon….

Warum sind es immer die Frauen, welche die Männer in die Bredouille bringen, wenn es zu Medienskandalen kommt. Es sind ja nicht die einzigen Fälle in letzter Zeit. Auch Kachlmann und Kahn-Strauss könnte man in diesem Zug erwähnen. Wenn es um Macht, Geschäfte und um Reputation geht, sind es immer die Frauen, welche die eigentlichen Täterinnen sind – während die Männer sich als unschuldige Opfer vor den Medien rechtfertigen müssen, oder?

Ade, analoge Medien

Filed under: analoge Medien,Digital Life,Medien — heinzmoser @ 08:51

Unter dem Stichwort der Nachhaltigkeit heisst es auf der Website der Firm Kodak: „Im Jahr 1980 pflanzte George Eastman die Saat, welche dann zur Kodak Eastman Companie führte.“ Ja, diese Saat ist über 130 Jahre aufgegangen. Die auf Rollfilmen basierenden Kameras von Kodak stehen für den Durchbruch des Fotografierens im privaten Alltag. Doch jetzt scheint diese glorreiche Firmengeschichte zu Ende. Kodak steht vor der Insolvenz.

Das unterstreicht, dass die Zeit der analogen Medien endgültig zu Ende geht. Denn Kodak hat den Trend zur Digitalisierung zu zögerlich aufgenommen, während die analogen Geschäftssparten wegbrachen. Doch wer zu spät kommt oder entscheidende Trends verpasst, der hat gegenwärtig kaum eine Chance, um zu überleben.

Vgl. auch: http://www.zeit.de/news/2012-01/05/foto-neue-spekulationen-ueber-kodak-insolvenz-05140002

 

13. Dezember 2011

Guttenbergs Kampf für die Freiheit des Internet

Filed under: Internet,Medien,Politik,Urheberrecht — heinzmoser @ 08:20

Als Nachtrag zu  Karl-Theodor zu Guttenberg ist zu vermerken, dass er von EU-Kommissarin  Neelie Kroes zum Berater der EU für die Freiheit im Internet ernannt wurde. Ein Plagiator als Verteidiger der Internet-Freiheit? Heisst das, dass Copy an Paste nun im Internet als Ausdruck der Internetfreiheit gilt, wurde dazu in der Presse mit Häme kommentiert?

Doch das ist nicht der eigentliche Skandal. Vielmehr ist ja Guttenberg als einer der Mächtigen durch das Internet demontiert worden. Die Website „GuttenPlag“ hatte seine Dissertation akribisch nach Stellen abgesucht, die den Plagiatsverdacht erhärtetet. Der Freiherr hat sich dabei immer in einer Opferrolle gesehen.  An der Pressekonferenz zur Ernennung in sein neues Amt soll er jedoch nach dem Hamburger Abendblatt gesagt haben: „Ich bin der Macht des Internets persönlich ausgesetzt gewesen, erst in diesem Jahr. Und ich erkenne und wertschätze dessen Fähigkeit, jene an der Macht zur Verantwortung zu ziehen.“ Da müsste er also jene wertschätzen, die ihn aus seinem Ministeramt katapultiert haben. Doch ganz ohne Rabulistik kann man es auch ganz einfach auf den Punkt bringen: Hier wird der Bock zum Gärtner gemacht.

http://www.abendblatt.de/politik/ausland/article2124776/Guttenberg-Der-neue-Internetexperte-der-EU.html

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