Medienwelten

26. August 2013

Tageszeitung am Ende?

Wer braucht noch eine abonnierte Tageszeitung? Pendler ziehen sich eine Gratiszeitung auf dem Weg zur Schule oder zur Arbeit. Und immer häufiger lässt man sich die wichtigsten News übers Handy oder ein Tablet anzeigen. Dort kann man sich auch die neuste Wetterprognose auf einem Video ansehen, eine Bildstrecke antippen etc. Schon setzen Medienunternehmen auf die Zukunft der digitalen Medien und sehen die traditionelle Zeitung als Auslaufmodell. Erst kürzlich hat der Axel Springer Verlag in Deutschland den Ausverkauf seiner Regionalzeitungen und vielen weiteren Print-Titeln in die Wege geleitet. Die Debatten, welche dies ausgelöst hat, zeigt mein Artikel im Journal 21.

27. Juni 2013

Aufklären über die Gefahren des Internets

Zum pädagogischen Standardprogramm gehört es heute, davor zu warnen, Informationen naiv aufs Internet zu stellen, die später z.B. von Arbeitgebern aufgespürt werden. Freizügige Partybilder oder Hochstimmung beim Kiffen sollten deshalb fürs Internet ein „No Go“ sein.  Die meisten Schülerinnen und Schüler haben das heute auch begriffen und gehen vorsichtiger mit dem Internet um. Dennoch hat die EU-Kids-Studie kürzlich festgestellt; dass mehr als die Hälfte der in der Schweiz lebenden Kinder einem oder mehreren Risiken bei der Internetnutzung ausgesetzt ist.  Es wird denn auch gefordert, dass die Prävention von Risiken im Internet alle Kinder und  Jugendlichen erreichen sollte.

So richtig diese Bestrebungen zur Aufklärung sind, es fällt dabei eines auf: Die Präventionsstrategie sind heute vor allem indiviualisierend, indem die Gefahren für die einzelnen Nutzer in den Mittelpunkt gestellt werden. Urheber sind dabei böswillige Einzelne, Pädophile oder Gruppen, die z.B. gedankenlos freizügige Bilder aufs Netz stellen.

Doch das Abgreifen von Daten im Netz hat heute schon viel alarmierendere Dimensionen erreicht, wie die jüngsten Enthüllungen des Whistleblowers Eduard Snowden zu den Geheimdiensten belegen. Vor allem betrifft das britische Überwachungsprogramm Tempora uns Mitteleuropäer direkt, wie der folgende Ausschnitt aus einem Bericht des Zürcher Tages-Anzeigers belegt: „Rund ein Dutzend Hochleistungskabel verbinden Europa mit den USA. Etwa ein Drittel davon macht einen Abstecher an die britische Küste. TAT-14, an dessen Bau die Swisscom beteiligt war, war einst das technische Nonplusultra. Heute gehört das Kabel von 15 000 Kilometer Länge zu den alten Eisen. Nach wie vor laufen aber Massen an Gigabytes täglich über TAT-14. Betroffen vom Grossen Lauschangriff der Briten sind auch Schweizer Telefongespräche in die USA, E-Mails über US-Server oder beispielsweise Aktivitäten in sozialen Netzwerken wie Facebook.“

Bedenkt man solche Orwellschen Perspektiven einer Überwachung des Internetverkehrs, dann sind diese Gefahren für die Gesellschaft noch weit gravierender als die zuerst genannten. Vor allem spielen sie sich so stark im Versteckten ab, dass der Normalverbraucher kaum etwas ahnt. Aus diesem Grund wäre es wichtig, wenn die pädagogische Aufklärung nicht bei den individuellen Gefahren Halt macht, sondern auch den Schnüffelstaat mit seinen Geheimdiensten in die Diskussion einbringt. Denn mit solche Praktiken hat das Internet definitiv seine Unschuld verloren.

21. Juni 2013

Die politische Macht der sozialen Medien – Das Beispiel der Türkei

Filed under: Internet,Politik,Social Media — heinzmoser @ 10:39
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Die Bitte, die Analyse der türkischen Arbeitsgruppe „Alternative Informatik“ bekannt zu machen, habe ich mit diesem Beitrag positiv aufgenommen. Der Text dieser Gruppe ist aktuell und belegt, was die sozialen Medien zur politischen Mobilisierung beitragen können. Den Mainstream Medien und der staatlichen Macht gegenüber können so alternative Informationsmöglichkeiten wirksam gegenüber gestellt werden. Wie dabei allerdings auch im Internet über die Informationshoheit gerungen wird, zeigt ein Zitatausschnitt: „Als am 1.Juni die Internetprovider auf staatlichen Druck hin in Taksim und angrenzenden Stadtteilen den Zugang zum mobilen Internet abschalteten, entstanden neue Hashtags wie VPN (Virtual Private Network) und DNS (Domain Name Server), die darüber informierten, wie trotz der Sperren Zugang zum Internet erlangt werden konnte“

Wie gross allerdings die Möglichkeiten sind, über die sozialen Medien nachhaltig eine alternative Öffentlichkeit herzustellen, ist umstritten. Das belegt das Beispiel des IT-Experten Edward Snowden, der als Whistleblower die Praktiken des US-Militärgeheimdienstes NSA ausgeplaudert hat.  Auch Google oder Facebook sind danach vor der Überwachung nicht gefeit.

Der Schatten der Überwachung werden auch im türkischen Bericht deutlich, wenn es heisst: „ Die Öffentlichkeit ist nicht besonders gut informiert, wen es darum geht, dass der ITK-Monopolist TTNET in großen Stil Netzneutralität verletzt und DPI betreibt. Staatsangestellte gingen auch schon so weit anzukündigen, dass sie “das Internet abschalten” könnten.“

Verständlich aber etwas blauäugig scheinen mir deshalb die Forderungen gegenüber kommerziellen Anbietern wie Facebook oder Twitter verstärkt auf alternative Online Tools für Aktivisten zu setzen. Das mag in der aktuellen Situation nützlich sein; fraglich ist, ob auf diese Weise die Überwachung des Internets wirkungsvoll und im grossen Stil umgangen werden kann.

Zum Schluss nochmals der Link in gekürzter Form: http://tinyurl.com/kg34v2k

8. Mai 2013

Die Piratenpartei im Tief

Filed under: Digital Life,Politik — heinzmoser @ 13:57
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Netzpolitik ist in unseren Gefilden mit dem Aufstieg der Piratenpartei in Deutschland verbunden. Doch viele, welche die Entwicklung verfolgten, sind heute frustriert. Nach Anfangserfolgen bis zu zweistelligen Wahlresultaten dümpelt die Piratenfregatte nun bei zwei bis drei Prozentpunkten umher. Und wenn man von den Piraten etwas liest, dann geht es vornehmlich um emotional aufgeladene Querelen beim Führungspersonal. Eine vertiefte Analyse habe ich gerade unter dem Titel „Piraten im Abseits“ im Journal 21 publiziert.

Link: http://www.journal21.ch/piraten-im-abseits

4. Februar 2012

Kann sich die NZZ ihren Verwaltungsratspräsidenten noch leisten?

Filed under: Medien,Politik — heinzmoser @ 22:34

„Wehe, wehe Wegelin“, so titelt die „Süddeutsche“. Sie bezieht sich damit auf die Klage gegen die Wegelin Bank wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung in den USA.  Das ist eigentlich kein Thema für einen Medienblog – wenn nicht da Kurt Hummler wäre, der  ehemalige Wegelin-Chef, der bis heute Verwaltungsratspräsident der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) ist. Darauf hat heute ein Bericht von Radio DRS reagiert. In der Newssendung „Echo der Zeit“ wurde gemutmasst, ob Hummler bei der NZZ Einfluss auf die Berichterstattung nehme und damit besser zurückträte. Die damit verbundene Problematik: „ Nimmt Hummler hier Einfluss auf die Berichterstattung – oder fühlt sich die Zeitung verpflichtet, die Bank ihres Präsidenten zu schützen?“  Der Publizist Karl Lüönd nimmt die NZZ in Schutz: Die Kollegen bei der NZZ seien viel zu integer, eine Einflussnahme Hummlers würden sie sich nicht bieten lassen. Das mag zutreffen.

Doch eigentlich ist es müssig, sich darüber zu streiten, ob es  einen Einfluss auf die Berichterstattung gab oder nicht. Auch wenn Konrad Hummler in allem korrekt gehandelt hätte, wird er sich nicht halten können.  Denn die NZZ, welcher als international renommierte Zeitung gerade in ihrem Wirtschaftsteil eine besondere Kompetenz zugebilligt wird, kann sich einen Verwaltungsratspräsident im Zwielicht einer internationalen Finanzaffäre schlicht nicht leisten. Und auch die Schweiz nicht – für welche die NZZ ein publizistisches Aushängeschild ist. Jedenfalls wird die Glaubwürdigkeit der Zeitung schwer beschädigt, wenn ihr Verwaltungsratspräsident als  (Ex-) Chef jener Bank gilt, die die in den USA wegen Finanzkriminalität am  Pranger steht. Schon der heutige Bericht auf DRS 1 unterstreicht das Dilemma: Jede Meldung der NZZ wird in den nächsten Tagen und Wochen nur noch akribisch darauf gecheckt, wie der Fall Wegelin und seine Folgen in ihren Spalten abgehandelt wird. Man kann deshalb dem Verwaltungspräsidenten nur eines empfehlen: möglichst schnell zurückzutreten.

Update vom 9. Februar 2012

Heute heisst es im Zürcher TagesAnzeiger:

Konrad Hummler gibt NZZ-VR-Präsidium ab

Es ist gekommen, wie es kommen musste – und ich es letzte Woche schon voraussagte: Hummler ist zurückgetreten. Es ist wohl eher Salamitaktik, wenn es dazu heisst, dieser Schritt sei nur interimistisch erfolgt.

25. Januar 2012

Megaprobleme um Megaupload

Filed under: Digital Life,Politik,Urheberrecht — heinzmoser @ 19:20

Die Verhaftung von Kim Schmitz, dem Betreiber von Megaupload, hat grosse Wellen geworfen. Den Raubkopierern werde durch das Schliessen der Site damit  ein Riegel geschoben, war da zu lesen. Jene Eltern werden da glücklich  sein, die nie richtig einschätzen konnten, ob ihre Kids auf dem Internet Verbotenes tun. Doch tun Jugendliche etwa Verbotenes, wenn sie solche Download-Dienste nutzen. Die Antwort wird ein Ja/Aber sein müssen, je nach dem aus welche Perspektive man die Sache betrachtet. Aus deutscher oder us-amerikanischer Perspektive ist das Herunterladen von solch urheberrechtlich geschütztem Material verboten. Etwas anders ist es in der Schweiz. Hier gibt es das Recht auf eine persönliche und privat genutzte Kopie, die man ohne rechtliche Konsequenzen herunterladen darf. Erst kürzlich wurde diese Regelung gegenüber der Musikindustrie, welcher damit ganz und gar nicht einverstanden ist, nochmals bestätig . Man verzichte auf eine Verschärfung des Gesetzes, weil man Jugendliche nicht kriminalisieren wolle, liess der Bundesrat  verlauten (vgl. auch den unten stehenden Ausschnitt aus „20 Minuten“). Sicher ist es deshalb auch kein Zufall, dass der grösste Konkurrent von Megaupload, nämlich die Firma Rapidshare, in der Schweiz domiziliert ist. Allerdings ist diese schweizerische Regelung in zweierlei Hinsicht zu differenzieren: – Einmal gilt sie nicht für Software, die auch in der Schweiz  nicht einfach „schwarz“ heruntergeladen werden darf. -Und zweitens darf das  Herunterladen nicht daran gekoppelt sein, dass man gleichzeitig seine Daten auch zum weiteren Upload frei gibt. Die Nutzung von File-Sharing Dienste wie Torrent ist  also auch in der Schweiz problematisch. Das sind die rechtlichen Fakten. Doch was heisst das für die Nutzer?  Was gilt zum Beispiel für deutsche Jugendliche, die in der Schweiz Urlaub machen und hier Musik herunterladen? Dürfen Sie das? Und umgekehrt: Dürfen Schweizer Jugendliche im Urlaub in Deutschland ungestraft Musik herunterladen? Oder vielleicht  nur dann, wenn Sie dabei auf ihren heimischen Server zugreifen? Da wird es schon reichlich komplex: Müsste es nicht einen einheitlichen Raum des Internet geben, wo alle nach gleichen Massstäben behandelt werden. Und wären das eher strenge oder lockerere Massnahmen? Und Überhaupt: Wie könnte man Länder mit starker Zensur wie China, Iran oder manche arabische Länder für freiere Internet-Spielregeln gewinnen – zumal auch die USA – oft als Hort der Bewegung für ein freies Internet gesehen – daran ist,  die Verletzung des Urheberrechts noch stärker zu ahnden (SOPA). Zuletzt darf aber auch die Frage nicht fehlen, ob die Regelungen eines Urheberrechts, das für das analoge Zeitalter entwickelt wurde, in der digitalen Mediengesellschaft noch Sinn machen. Zweifel daran äussern jene, die für sich als Alternative „Creative Commons“ in Anspruch nehmen.  Auf der anderen Seite haben die jüngsten Plagiatsfälle in Deutschland auch gezeigt, dass man nicht einfach auf alle Regeln  verzichten kann, wenn die Leistung eigener Kreativität, die zu einem spezifischen Werk führen, in der Gesellschaft gegenüber Plagiatoren geschützt werden sollen. Deshalb bleibt die Grundsatzfrage: Wie müssten Urheberrecht und Persönlichkeitsrechte grundsätzlich im digitalen Zeitalter sinnvoll ausgestaltet werden?

„Der auf IT- und Urheberrechts-Fragen spezialisierte Jurist David Rosenthal hat nach der Zerschlagung des Filmesharing-Portals Kino.to erklärt, dass es in der Schweiz vollkommen legal ist, Filme oder Musik für den Eigengebrauch herunterzuladen. Diese liberale Praxis hat der Bundesrat Ende 2011 bestätigt. Davon ausgeschlossen ist allerdings der Tausch von urheberrechtlich geschützter Software wie PC-Programme oder Games. Die Filmindustrie und ihre Vertreter sehen das erwartungsgemäss anders. «Aus etwas klar Illegalem wird nie etwas Legales», sagte Adriano Viganò. Er ist Rechtsanwalt und Berater der Schweizerischen Vereinigung zur Bekämpfung der Piraterie (Safe).“ http://www.20min.ch/digital/webpage/story/27454858

6. Januar 2012

Die Femme fatale in der Politik – die Skandale um Christian Wulff und Philipp Hildebrand

Filed under: Digital Life,Medien,Politik — heinzmoser @ 22:10

Der deutsche Spiegel vergleicht den Wahl des Bundespräsidenten Christian Wulff mit der Affäre um den schweizerischen Notenbankpräsidenten Hildebrand. Als grossen Unterschied hält er dabei fest, dass Hildebrand erheblich geschickter als der Bundespräsident agiert habe. Er habe sich an der Pressekonferenz vom vergangenen Freitag souverän gegen den Vorwurf gewehrt, Insiders-Geschäfte getätigt zu haben. Wörtlich meint der „Spiegel“: „Wulff wählte zum Sich-selbst-Erklären das Exklusiv-Interview im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, sprach mit belegter Schuljungen-Stimme, schaute sein Gegenüber von unten an und sagte ständig „man“. Hildebrand stellt sich mehr als eine Stunde den Fragen von Journalisten. Er redet mit fester Stimme von einem Podest herab.“ (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,807432,00.html)

So unterschiedlich die beiden Fälle liegen, so fällt dennoch eine Parallele auf: In einer Männergesellschaft der hohen Politik sind es die Frauen, die den Schwarzen Peter zugespielt erhalten. Wie geschah es doch im Fall Hildebrand? Er wusste nicht, dass seine Frau hinter seinem Rücken Bankgeschäfte tätigte. Sie sei halt unerfahren in der Politik, spontan und unberechenbar, und ja, sie habe einen starken eigenen Willen.. Frau Hildebrand muss sich ja gefreut haben, wie sie ihr Mann sie in seiner Presskonferenz charakterisierte. Auch bei Wulff gab es eine „femme fatale“, nämlich die Frau des Unternehmers Egon Gehrken, welche den umstrittenen Kredit im Zusamenhang mit einem Hauskauf gewährte. Vielleicht wusste da ihr Mann ja auch nichts davon….

Warum sind es immer die Frauen, welche die Männer in die Bredouille bringen, wenn es zu Medienskandalen kommt. Es sind ja nicht die einzigen Fälle in letzter Zeit. Auch Kachlmann und Kahn-Strauss könnte man in diesem Zug erwähnen. Wenn es um Macht, Geschäfte und um Reputation geht, sind es immer die Frauen, welche die eigentlichen Täterinnen sind – während die Männer sich als unschuldige Opfer vor den Medien rechtfertigen müssen, oder?

13. Dezember 2011

Guttenbergs Kampf für die Freiheit des Internet

Filed under: Internet,Medien,Politik,Urheberrecht — heinzmoser @ 08:20

Als Nachtrag zu  Karl-Theodor zu Guttenberg ist zu vermerken, dass er von EU-Kommissarin  Neelie Kroes zum Berater der EU für die Freiheit im Internet ernannt wurde. Ein Plagiator als Verteidiger der Internet-Freiheit? Heisst das, dass Copy an Paste nun im Internet als Ausdruck der Internetfreiheit gilt, wurde dazu in der Presse mit Häme kommentiert?

Doch das ist nicht der eigentliche Skandal. Vielmehr ist ja Guttenberg als einer der Mächtigen durch das Internet demontiert worden. Die Website „GuttenPlag“ hatte seine Dissertation akribisch nach Stellen abgesucht, die den Plagiatsverdacht erhärtetet. Der Freiherr hat sich dabei immer in einer Opferrolle gesehen.  An der Pressekonferenz zur Ernennung in sein neues Amt soll er jedoch nach dem Hamburger Abendblatt gesagt haben: „Ich bin der Macht des Internets persönlich ausgesetzt gewesen, erst in diesem Jahr. Und ich erkenne und wertschätze dessen Fähigkeit, jene an der Macht zur Verantwortung zu ziehen.“ Da müsste er also jene wertschätzen, die ihn aus seinem Ministeramt katapultiert haben. Doch ganz ohne Rabulistik kann man es auch ganz einfach auf den Punkt bringen: Hier wird der Bock zum Gärtner gemacht.

http://www.abendblatt.de/politik/ausland/article2124776/Guttenberg-Der-neue-Internetexperte-der-EU.html

1. Dezember 2011

Guttenberg – Das Comeback des Freiherrn

Filed under: Medien,Medienwissenschaft,Politik — heinzmoser @ 14:49

Wie sagte doch Marshall McLuhan: Das Medium ist die Botschaft. Daran habe ich mich erinnert, als Anne Wills Talkshow am 30.11.2011  im ARD zu später Stunde den Fall des Freiherrn  Karl-Theodor zu Guttenberg aufnahm. Der Titel lautete: „Guttenbergs Comeback –vorerst gescheitert?“ Und das Personal: Es diskutierten ein Politiker der CSU mit Verständnis für Guttenberg, eine Medienwissenschaftler mit wissenschaftlicher Skepsis, kritische Journalisten und die eine Bäckerfrau, die zwei Häuser weg von Guttenberg wohnt und von ihm als Ehrenmann total überzeugt ist. Anlass war das neue Buch des ehemaligen Ministers und sein Interview mit dem Chefredakteur der ZEIT, Giovanni de Lorenzo. Kein Zweifel, schon die prominente Besetzung der Runde belegt, dass da ein Comeback im Gang ist. Da spielte es keine Rolle, dass das Gespräch zäh lief, viel Bekanntes nochmals referiert wurde – und wenig über Spekulationen und Klatsch hinausging. Dass das Medium hier viel mehr als die Inhalte die eigentliche Botschaft verkörpert, zeigt auch die Quote, von welcher www.quotenmeter.de zu berichten weiss:

Nach den «Tagesthemen» diskutierte man am Mittwochabend bei «Anne Will» über das Comeback von Karl-Theodor zu Guttenberg, was offensichtlich den Nerv des Publiums traf. Insgesamt 1,77 Millionen Zuschauer bedeuteten 11,2 Prozent und somit eine klare Verbesserung gegenüber den Vorwochen, in denen die Talkshow drei Mal hintereinander 9,4 Prozent einfuhr.

Comeback also allenthalben: Nicht weniger für die Sendung Anne Wills wie für den tief gefallenen Freiherrn.

10. November 2011

Cyper-Mobbing und Cyber-Grooming im Brennpunkt

Filed under: Mediengewalt,Medienpädagogik,Politik,Uncategorized — heinzmoser @ 17:58

ENISA, die europäische Agentur für Netz- und Informationssicherheit , veröffentlichte anfangs November einen Bericht zu Cyber-Mobbing und Online-Grooming (sexuelle Belästigung im Netz). Die Zahl der Jugendlichen, die mit solchen Erfahrungen konfrontiert werden, ist angestiegen – und ENISA vermutet, dass mit der zunehmenden Anzahl von Smartphones, die immer mehr auch für Jugendliche erschwinglich werden, die Risiken noch ansteigen werden.

Die europäische Agentur formuliert in ihrem Bericht eine ganze Reihe von Empfehlungen, wobei vor allem auch die Strafverfolgungsbehörden der Mitgliedsländer gestärkt werden solle. Zudem benötigen zivilgesellschaftliche und soziale Partner Informationsquellen über den Umgang mit dem Internet und Online-Dienstleistungsangeboten. Und es sollten in sozialen Netzwerken Online-Kampagnen zur Vermeidung von Grooming/Cyber-Mobbing geschaltet werden.

Eine weitere Palette von Massnahmen zielt auf Eltern und Jugendliche ab: So bedürfen bedürfen Eltern und Erziehende bessere technologischer Fähigkeiten, um die Wissenslücke zwischen Erwachsenen und Teenagern zu überbrücken. Und für die Jugendlichen selbst werden gemäss der Pressemitteilung von ENISA folgende vorbeugende Massnahmen gefordert:

– Der Einsatz von maßgeschneiderten Sicherheitseinstellungen für Teenager und die Anpassung von bereits existierenden Einstellungen an die Bedürfnisse von Teenagern;
– Datenschutz-Folgenabschätzung für Anwendungen, die Daten von Teenagern verarbeiten;
– Die Entwicklung von Mechanismen, die eine Deaktivierung sämtlicher aktiver (online) Komponenten erlauben;
– Altersgemäße Zugangskontrollmechanismen.

Insgesamt betont der Bericht eher die bürokratischen Massnahmen von Seiten des Staates. So richtig dies auf der einen Seite ist, geraten die Jugendlichen damit in eine Opferrolle: Sie müssen primär vor Gefahren geschützt werden. Jugendliche sind aber auch aktive Mediennutzer, die viele Kompetenzen haben und „eigentlich“ auch wüssten, was zu tun ist. Deshalb ist vor allem darauf hin zu arbeiten, dass sie diese Risiken selbst abzuschätzen lernen und dann auch selbständig die notwendigen Konsequenzen ziehen. Denn allein mit Gesetzen ist dem rasanten technischen Wandel des Internetzeitalters kaum beizukommen:  Wenn die einen Gesetzeslücken gestopft sind, tun sich meist bereits wieder neue  Fallstricke auf.

Und wenn – nicht nur in diesem Bericht – von den Eltern eine aktivere Kontrolle des Medienverhaltens verlangt wird, so trifft dies vor allem für kleinere Kinder zu. Im Jugendalter kommt ein kontrollierendes Verhalten schnell an seine Grenzen. Denn aus der Perspektive der Persönlichkeitsrechte  ist es kaum opportun, dass Eltern die Handys und Computer ihrer Heranwachsenden minutiös überwachen und dem Mailverkehr ihrer Kids hinterher schnüffeln.

Das heisst nicht, dass Nichtstun die beste Lösung ist. In vielen Gesprächen mit Lehrerinnen und Lehrern aber auch mit Studierenden zeigt sich, dass die Besorgnis gerechtfertigt ist. Fast jede Lehrperson, weiss über einzelne Fälle von Belästigung oder sogar Mobbing zu berichten.

Beim Mobbing ist mir dabei eines aufgefallen. Vor den Zeiten des Internets haben Eltern oft versucht, solche Fälle nicht öffentlich zu machen – um damit die Kinder nicht zusätzlich zu belasten. Wenn man ein Kind stillschweigend aus der Klasse nahm und neu einschulte, dann konnte man Distanz und Ruhe schaffen. Heute aber ist Mobbing – z.B. auf  Facebook –  bereits zum vorneherein öffentlich, da es im Netz geschieht. Der Übergriff selbst ist darauf angelegt, jemanden öffentlich an den Pranger zu stellen. Es ist deshalb notwendig, dass auch in die Aufarbeitung solcher Fälle diese Öffentlichkeit bewusst einbezogen wird – etwa indem ein solcher Fall in einer Schulklasse oder in der Familie offen thematisiert und diskutiert wird. Die Betroffenen lernen so, dass sie nicht allein stehen und von Anderen Unterstützung erhalten. Sich nicht zu verstecken, sondern offensiv vorzugehen, das ist wohl die bessere Devise.

http://www.enisa.europa.eu/media/press-releases/eu-agentur-enisa-veroffentlicht-bericht-uber-cyber-mobbing-und-online-grooming-18-sicherheitsempfehlungen-gegen-schlusselrisiken

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