Medienwelten

15. Dezember 2014

Die Smartphone Generation

Filed under: Uncategorized — heinzmoser @ 17:06

Bei Jugendlichen zeichnet sich eine heimliche Medienrevolution ab: Nicht mehr Fernseher und PC sind die Leitmedien der Jugendlichen, sondern das Smartphone. Dies ist auch das Thema meines aktuellen Seminars an der Pädagogischen Hochschule Zürich. Ein erstes Fazit findet sich im folgenden Beitrag auf Infosperber, einer schweizerischen Online-Zeitung:

http://www.infosperber.ch/Artikel/Home/Die-Smartphone-Generation-ist-da.

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17. Oktober 2014

Medien, Demokratie und Terrorismus

Filed under: Uncategorized — heinzmoser @ 17:05

Das „freie“ Internet hat sich desavouiert. Der arabische Frühling ist gescheitert und genauso souverän wie die demokratischen Bewegungen wird das Netz von den Terroristen des Islamischen Staates (IS) eingesetzt. Dazu habe ich folgenden Artikel auf inforsperber.ch publiziert.

http://www.infosperber.ch/Artikel/Home/Medien-zwischen-Terrorismus-und-Demokratie

Viel Vergnügen bei der Lektüre

26. August 2013

Tageszeitung am Ende?

Wer braucht noch eine abonnierte Tageszeitung? Pendler ziehen sich eine Gratiszeitung auf dem Weg zur Schule oder zur Arbeit. Und immer häufiger lässt man sich die wichtigsten News übers Handy oder ein Tablet anzeigen. Dort kann man sich auch die neuste Wetterprognose auf einem Video ansehen, eine Bildstrecke antippen etc. Schon setzen Medienunternehmen auf die Zukunft der digitalen Medien und sehen die traditionelle Zeitung als Auslaufmodell. Erst kürzlich hat der Axel Springer Verlag in Deutschland den Ausverkauf seiner Regionalzeitungen und vielen weiteren Print-Titeln in die Wege geleitet. Die Debatten, welche dies ausgelöst hat, zeigt mein Artikel im Journal 21.

25. Mai 2012

Media Literacy trifft Medienkompetenz

Die amerikanische Medienpädagogin Renee Hobbs hat kürzlich ihr Buch „Digital and Media Literacy. Connecting Culture und Classroom“ veröffentlicht.

Digital and Media Literacy: Connecting Culture and Classroom (Pa... Cover Art

Dieses Buch sollte auch im deutschsprachigen Raum schon deshalb gelesen werden, da es einige Vorurteile gegen die Medienpädagogik made in USA Lügen straft:

– Seit den Büchern von Neil Postman in den 80erJahren des  letzten Jahrhunderts betrachtete man die amerikanische Medienpädagogik als stark bewahrpädagogisch und moralisch aufgeladen. Man erinnere sich: Die Medien enthüllen alle Geheimnisse der Erwachsenen (Sex, Drogen etc.) und setzen die Kinder diesen negativen Seiten des Gesellschaft schutzlos ein. Soll man Kinder davor zu bewahren – oder sollen sie sich eher damit aktiv auseinandersetzen. Postman hätte eher für die erste Position votiert. Hobbs geht es um die zweite.

–  Die amerikanische Medienpädagogik kam stark von den Sprachwissenschaften her und war sehr analytisch orientiert. Es ging zentral darum, Medienbotschaften zu entschlüsseln. James Potter sieht zum Beispiel folgende Fähigkeiten im Zentrum medienpädagogischen Handelns:

– Analysis, indem eine Botschaft in ihre bedeutungsvollen Elemente aufgespalten wird;
– Evaluation, indem die Elemente bewertet werden;
– Gruppieren – indem bestimmt wird, welche Elemente zusammenpassen;
– Induktion – indem man auf ein Muster über kleines Set von Elementen schliesst:
– Deduktion, indem man allgemeine Prinzipien nur Erklärung herausarbeitet;
– Synthesis, in welcher man die Elemente in einer neuen Struktur fasst;
– Abstrahieren, indem man die Essenz der Botschaft in einer klaren und knappen Beschreibung formuliert“ (Potter 2011, 15)

Auch bei Hobbs spürt man den analytischen Blick in ihrem Buch noch -manchmal fast etwas zu stark. Dennoch geht es hier viel stärker auch um Gestalten und soziales Handeln, in welchen das Reflektieren über die Medien eingebunden ist. Film und Fernsehen werden zudem durch viele Unterrichtsbeispiele aus dem  Umgang mit digitalen Medien ergänzt. In einem Beispiel heisst es dazu:

„Wähle einen Freund/Freundin, ein Familienmitglied oder eine andere erwachsene Person aus, um sie über ihre Erfahrungen mit Online Beziehungen zu befragen. Schreib  die wichtigsten Ideen und Details auf; mach dann eine kurze  Zusammenfassung der Schlüsselideen“ (S. 140).

Auch Renee Hobbs entwickelt ein Schema der wichtigsten Fähigkeiten, welche im Unterricht zu fördern sind.  Doch sie bezeichnet diese als „fünf kommunikative Kompetenzen“  und nähert sich schon im Sprachgebrauch dem Kompetenzbegriff an, wie er im deutschsprachigen Raum  üblich ist. Sie unterscheidet zwischen:

– Zugang finden, nämlich das Finden und Austauschen von geeigneten und relevanten Informationen, bzw. die Nutzung von Medientexten und technologischen Werkzeugen.
– Analysieren: Die Nutzung des kritischen Denkens , um Botschaften und empfangendes Publikum in die Analyse einzubeziehen.
– Gestalten: Inhalte entwickeln und gestalten, um Kreativität und Vertrauen im Selbstausdruck zu finden.
– Reflektieren: Die Auswirkungen der medialen Botschaften und der technischen Werkzeuge auf unser Denken und Handeln im Alltag beziehen.
– Handeln: Individuell und gemeinsam arbeiten, um Wissen auszutauschen und Probleme in der Familie, am Arbeitsplatz und in der Community zu lösen (S.12).

Vergleicht man diese Fassung der „Media Literacy“ mit den Medienkompetenzen, wie sie Dieter Baacke entwickelt hat, so sind die Unterschiede nicht mehr sehr gross. Mediengestaltung, Reflektieren und Handeln findet man explizit in diesem Konzept wieder. Und die Analyse könnte man mit dem Gedanken einer Medienkunde verbinden, wie sie Baacke vorschlug. Es scheint also, dass sich die Überlegungen zur Media Literacy im angloamerikanischen Raum und jene zur Förderung von Medienkompetenz in unseren Breitengraden stark annähern. Das lässt darauf hoffen, dass sich der internationale Diskurs über Medien in den nächsten Jahren vertiefen lässt und nicht mehr isoliert nebeneinander her läuft.

22. Mai 2012

Schnelltest für Facebook-Sucht – eine absurde Idee

Filed under: Digital Life,Internet,Social Media,Uncategorized — heinzmoser @ 11:56
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Die Spatzen pfeifen es von den Dächern. An der Universität Bergen wurde ein Schnelltest zur Diagnose von Facebooksucht entwickelt. Es mehren sich dazu die Berichte in der Presse und im Internet: So berichtete der PsychologieNachrichten-Blog am 9.5. 2012 über das norwegisches Forscherteam um Cecilie Schou Andreassen von der Universität Bergen, das einen einen Leitfaden, den „Bergen Facebook Addiction Scale“ (BFAS) entwickelte. Etwas deftiger macht das Schweizer Boulevardblatt Blick – ebenfalls am 9. Mai – in Alarmismus: „Facebook-Sucht! Wer ist gefährdet“. Gemeint sind damit nicht die Börsen-Junkies, die seit Wochen hinter den Aktien von Facebook hinterher gierten. Nein, es sind nach dem Bericht die jungen Menschen: „ Die tendenziell jungen User benutzen es so selbstverständlich wie Handy oder Fernsehen. Für manche wird die Nutzung der sozialen Plattform aber zu einer regelrechten Sucht.“

Und worum geht es nun bei dieser Schnelldiagnose? Gestellt werden fünf Fragen:

  • Du brauchst eine Menge Zeit, in welcher du an Facebook denkst oder Aktivitäten auf Facebook planst.
  • Du spürst einen Drang, Facebook immer häufiger zu nutzen.
  • Du benutzst Facebook, um von deinen persönlichen Problemen abzulenken.
  • Du hast ohne Erfolg versucht, deinen Facebook-Gebrauch einzuschränken.
  • Du wirst ruhelos und unruhig, wenn man dir verbietet, auf Facebook zu gehen.
  • Du bist so häufig auf Facebook, dass dies negative Auswirkungen auf deinen Beruf oder dein Studium hat.

Dazu gibt es eine Skala von folgenden Antwortmöglichkeiten: sehr selten/ selten( manchmal/ oft/ sehr oft.

Nun ist der Test sicher nach den Regeln der Kunst entwickelt worden, wie der wissenschaftliche Bericht deutlich macht. Problematisch ist dabei aber die Tatsache, dass er allein mit Studierenden entwickelt wurde – mit der Behauptung, die Resultate auf die gesamte Bevölkerung übertragen zu können. Dazu kommt, dass es von Anfang an klar war, dass Facebook zu den Suchtphänomenen gehört. Denn man entnahm die Testitems anderen Tests zur Suchtdiagnose.

Sauer stösst mir dagegen auf, dass die Fragestellungen der Items eine normative Sicht auf Facebook beinhalten: Der Drang auf Facebook zu gehen, die Zeit, die man auf Facebook verbraucht, werden letztlich negativ konnotiert. Je mehr man das Medium nutzt, desto näher rückt die Suchtfalle. Dahinter steckt eine psychologische Perspektive, indem man den einzelnen und seinen Medienkonsum als abhängigkeitsbedingt  im Blickfeld hat.

Man könnte aber auch argumentieren, dass Facebook ein Teil des digitalen Lebensstils ist, der sich heute entwickelt. Wer in einer solchen Lebenswelt partizipieren will, der wird auch an sozialen Netzwerken wie Facebook teilnehmen. Möglicherweise ist man dann auch fast rund um die Uhr Online (auf dem Handy, auf dem Computer etc.). Und auch die Kommunikationspartner erwarten, wenn sie Meldungen auf Facebook posten, dass man schnell reagiert. Auch wenn man wegen der eigenen Probleme stark mit Facebook beschäftigt, muss dies nicht in Elend führen; es könnte auch der erste Schritt zur Überwindung der Krise sein.

Wer jedoch gemäss der Testautorin  an einem solchen Netzwerk aktiv partizipiert, der braucht eine „Menge Zeit“ und hat auch einen „Drang“, sich mit Facebook häufig zu beschäftigen. Doch kann man dies umstandslos unter „Sucht“ abbuchen? Der Testautorin jedenfalls erhofft sich vom Facebook-Test: “The authors suggest that the BFAS can be used in epidemiological as well as clinical settings.“

Damit verbunden ist eine Medizinalisierung  eines sozialen Phänomens (epidemological bzw. clinical setting). Natürlich können faszinierende soziale Kommunikationsmedien dazu führen, dass einzelne in Abhängigkeit gelangen. Doch heisst das gleich, für alle, die Facebook in ihrem Alltag einen wichtigen Platz einräumen, gleich mit dem Schnelltest zu reagieren?

10. November 2011

Cyper-Mobbing und Cyber-Grooming im Brennpunkt

Filed under: Mediengewalt,Medienpädagogik,Politik,Uncategorized — heinzmoser @ 17:58

ENISA, die europäische Agentur für Netz- und Informationssicherheit , veröffentlichte anfangs November einen Bericht zu Cyber-Mobbing und Online-Grooming (sexuelle Belästigung im Netz). Die Zahl der Jugendlichen, die mit solchen Erfahrungen konfrontiert werden, ist angestiegen – und ENISA vermutet, dass mit der zunehmenden Anzahl von Smartphones, die immer mehr auch für Jugendliche erschwinglich werden, die Risiken noch ansteigen werden.

Die europäische Agentur formuliert in ihrem Bericht eine ganze Reihe von Empfehlungen, wobei vor allem auch die Strafverfolgungsbehörden der Mitgliedsländer gestärkt werden solle. Zudem benötigen zivilgesellschaftliche und soziale Partner Informationsquellen über den Umgang mit dem Internet und Online-Dienstleistungsangeboten. Und es sollten in sozialen Netzwerken Online-Kampagnen zur Vermeidung von Grooming/Cyber-Mobbing geschaltet werden.

Eine weitere Palette von Massnahmen zielt auf Eltern und Jugendliche ab: So bedürfen bedürfen Eltern und Erziehende bessere technologischer Fähigkeiten, um die Wissenslücke zwischen Erwachsenen und Teenagern zu überbrücken. Und für die Jugendlichen selbst werden gemäss der Pressemitteilung von ENISA folgende vorbeugende Massnahmen gefordert:

– Der Einsatz von maßgeschneiderten Sicherheitseinstellungen für Teenager und die Anpassung von bereits existierenden Einstellungen an die Bedürfnisse von Teenagern;
– Datenschutz-Folgenabschätzung für Anwendungen, die Daten von Teenagern verarbeiten;
– Die Entwicklung von Mechanismen, die eine Deaktivierung sämtlicher aktiver (online) Komponenten erlauben;
– Altersgemäße Zugangskontrollmechanismen.

Insgesamt betont der Bericht eher die bürokratischen Massnahmen von Seiten des Staates. So richtig dies auf der einen Seite ist, geraten die Jugendlichen damit in eine Opferrolle: Sie müssen primär vor Gefahren geschützt werden. Jugendliche sind aber auch aktive Mediennutzer, die viele Kompetenzen haben und „eigentlich“ auch wüssten, was zu tun ist. Deshalb ist vor allem darauf hin zu arbeiten, dass sie diese Risiken selbst abzuschätzen lernen und dann auch selbständig die notwendigen Konsequenzen ziehen. Denn allein mit Gesetzen ist dem rasanten technischen Wandel des Internetzeitalters kaum beizukommen:  Wenn die einen Gesetzeslücken gestopft sind, tun sich meist bereits wieder neue  Fallstricke auf.

Und wenn – nicht nur in diesem Bericht – von den Eltern eine aktivere Kontrolle des Medienverhaltens verlangt wird, so trifft dies vor allem für kleinere Kinder zu. Im Jugendalter kommt ein kontrollierendes Verhalten schnell an seine Grenzen. Denn aus der Perspektive der Persönlichkeitsrechte  ist es kaum opportun, dass Eltern die Handys und Computer ihrer Heranwachsenden minutiös überwachen und dem Mailverkehr ihrer Kids hinterher schnüffeln.

Das heisst nicht, dass Nichtstun die beste Lösung ist. In vielen Gesprächen mit Lehrerinnen und Lehrern aber auch mit Studierenden zeigt sich, dass die Besorgnis gerechtfertigt ist. Fast jede Lehrperson, weiss über einzelne Fälle von Belästigung oder sogar Mobbing zu berichten.

Beim Mobbing ist mir dabei eines aufgefallen. Vor den Zeiten des Internets haben Eltern oft versucht, solche Fälle nicht öffentlich zu machen – um damit die Kinder nicht zusätzlich zu belasten. Wenn man ein Kind stillschweigend aus der Klasse nahm und neu einschulte, dann konnte man Distanz und Ruhe schaffen. Heute aber ist Mobbing – z.B. auf  Facebook –  bereits zum vorneherein öffentlich, da es im Netz geschieht. Der Übergriff selbst ist darauf angelegt, jemanden öffentlich an den Pranger zu stellen. Es ist deshalb notwendig, dass auch in die Aufarbeitung solcher Fälle diese Öffentlichkeit bewusst einbezogen wird – etwa indem ein solcher Fall in einer Schulklasse oder in der Familie offen thematisiert und diskutiert wird. Die Betroffenen lernen so, dass sie nicht allein stehen und von Anderen Unterstützung erhalten. Sich nicht zu verstecken, sondern offensiv vorzugehen, das ist wohl die bessere Devise.

http://www.enisa.europa.eu/media/press-releases/eu-agentur-enisa-veroffentlicht-bericht-uber-cyber-mobbing-und-online-grooming-18-sicherheitsempfehlungen-gegen-schlusselrisiken

5. September 2011

Die Krise des Service Public

Filed under: Uncategorized — heinzmoser @ 22:43

Ende des letzten Monats war der Verkauf von TeleZüri an die AZ Medien in den Schlagzeilen. Dabei war der Tenor weitgehend zustimmend. Die AZ Medien selbst sahen die Entscheidung als Stärkung ihrer Position im Mittelland von Zürich bis nach Bern. Auch die Mediengewerkschaften reagierten und die Mitarbeiter von TeleZüri reagierten positiv, weil so die Arbeitsplätze gesichert werden konnten. So der Produzent Benno Kälin auf persoenlich.com: „Ich finde es eine sehr gute Lösung. Peter Wanner beweist mit Tele M1 täglich, dass er professionelles Privatfernsehen machen kann.“

Doch in Wirklichkeit zeigt dieser Verkauf nur die Bankrotterklärung des öffentlich-rechtlichen Systems der Finanzierung des Service Public im Medienbereich. Geht es doch bei der öffentlichen Förderung eigentlich darum, die kleinen lokalen Sender zu unterstützen, damit sie in einer Landschaft der Pressekonzentration überleben können.  Doch ohne eine gewisse Grösse geht es nicht. So war Tamedia mit dem nicht konzessionierten TeleZüri zu wenig erfolgreich. Vielleicht funktioniert die Aargauer Lösung besser, weil bereits zwei konzessionierte Anbieter unter diesem Dach vertreten sind, die nun zusammen mit dem Zürcher Sender zusammengehen. Das Dilemma ist nur, dass kleine Lokalsender immer noch zu wenig bekommen, um zu rentieren, grössere Player aber Mühe haben, mit den Einschränkungen der zugeteilten Sendegebiete und Konzessionen genügend Masse zu entwickeln.

Mit dem Internet und der sich wandelnden Medienlandschaft scheint zudem die Zeit generell vorbei, um mit den Mitteln der Vergangenheit kulturelle Vielfalt und ein qualitativ hochstehendes Fernsehen zu sichern. Das gilt auch für das Schweizer Fernsehen, das einen Rückgang an Zuschauerzahlen in Kauf nehmen muss. Wenn Generaldirektor Roger de Weck in diesem Zusammenhang von der „Qualité populaire“ spricht, ist das ein merkwürdiges Konstrukt. Originalton von de Weck im Beobachter: „Qualité populaire bedeutet, das breite Pu­blikum mit der immer komplexer werdenden Welt vertraut zu machen. Nicht nur das Interessante zu bieten, wie es Boulevardmedien tun, sondern neben dem Interessanten das Relevante so interessant und verständlich aufzubereiten, dass es das Publikum anspricht.“ Das volkserzieherische Konzept, das breite Publikum mit einer immer komplexer werdenden Welt vertraut zu machen, ist der Mottenkiste der Zeit von Radio Beromünster entsprungen. In den 50er- und 60er Jahren gab es für das Fernsehen noch keine Konkurrenz und die Fernsehnachrichten konnten die Welt erklären. Diese Zeit scheint sich de Weck zurückzuwünschen.

Heute konkurrenziert nicht nur das Fernsehen das öffentlich-rechtliche Fernsehen, sondern der Informations-und Newsbereich verschiebt sich immer mehr aufs  Internet. Das breite Publikum der Jungen liest Zeitung auf dem Netz und schaut sich dort auch Filme und Fernsehsendungen an. You Tube wird bei ihnen zur grossen Gegenspielerin der traditionellen Fernsehunterhaltung.

Auch das Werben mit dem qualitativ hochstehend Angebots im Rahmen des Service public trifft höchstens zum Teil: Wenn die Quoten sinken, dann muss auch das öffentlich-rechtliche Fernsehen weiter billige Serien einkaufen und bei Casting- und Unterhaltungsshows mitziehen. So ist auch beim Schweizer Fernsehen die versprochene Qualité populaire oft nicht so richtig auszumachen. Wo dann aber das Schweizer Fernsehen das Internet crossmedial nutzen will, sehen wiederum die Verleger ihre Felle davonschwimmen, weil das mit öffentlichen Geldern unterstützte Fernsehen versuche, sich auch im Netz breit zu machen. Diese Plattform brauchen auch die Zeitungsverleger dringend, wenn sie im Internetzeitalter nicht untergehen wollen. Öffentlich rechtliche Konkurrenz sehen sie deshalb mit Stirnrunzeln.

Möglicherweise sind die bisherige Strategie der Finanzierung eines öffentlich-rechtlichen Medienbereichs ein Auslaufmodell. Denn ist es sinnvoll, dass der Staat einen riesigen Apparat des „Push-Mediums“ Fernsehen unterhält, während die heranwachsenden Generationen an ihm vorbei ihre Informationen aus dem Internet beziehen und im Web 2.0 die dort zugänglichen Informationsangebote  als aktive Produser nutzen? Wäre es nicht eher ein wirksamer Service public, wenn anspruchsvolle Informations- und Bildungsangebote über alle Medien hinweg finanziert werden könnten. Das könnten Datenbanken auf dem Internet, informative Internet-Portale, kulturelle Fernsehangebote, Jugendsendungen, interaktive Netzangebote etc. sein.

Jedenfalls sind im Internetzeitalter neue und kreative Ideen gesucht zur Sicherung der Qualité populaire gesucht, wenn ein wirksamer Service public aufrechterhalten werden soll. Es reicht nicht aus, wenn de Weck im Beobachter-Interview meint, dass im Grunde alles ganz einfach sei: „ Die Strategie der SRG ist einfach: Eine attraktive Programmierung lockt die Mehrzahl der Zuschauer und Hörer, die unsere Sendungen via Kanal verfolgen. Und attraktive Internetportale locken die stark wachsende Minderheit von Zuschauern und Hörern, die unsere Sendungen lieber via Internet verfolgen.“ Nur was geschieht dann, wenn die Mehrheit einer mit dem Netz aufgewachsenen Generation die Sendungen lieber via Internet verfolgt – und nur noch eine kleine Minderheit über die teuer subventionierten Kanäle?

Interview mit Roger de Weck: http://www.beobachter.ch/konsum/multimedia/artikel/18386/

20. August 2011

Monopoly im IT-Business

Filed under: Digital Life,Medien,Uncategorized — heinzmoser @ 08:42

Der PC-Weltkonzern Hewlett-Packard wird nach Pressemeldungen total umgebaut. Die Firma soll nach ihrem CEO Leo Apotheker ganz aus dem Privatgeschäft mit PC’s aussteigen.  Sie macht damit rückgängig, was 1997 mit einem milliardenteuren Kauf von Compaq begonnen wurde. Gleichzeitig steigt sie auch aus dem Tablet- und Handybereich wieder aus – wenige Monate nach dem für 1,2 Milliarden Dollar getätigten Kauf von Palm. Und gleichzeitig wird der britische Softwareproduzent Autonomy übernommen – für 10, 3 Milliarden Dollar.  Kommentar der Frankfurter Rundschau vom 20.8.2011: „Ziel des Dreifachschlages: Apotheker möchte HP zu einem komplett anderen Unternehmen machen. Es soll als IT-Dienstleister Lösungen für Unternehmen anbieten.“  Unbekannt sind im Moment die Risiken und Nebenwirkung der von Apotheker verschriebenen Medikamente zur Neustrukturierung des Konzerns.

Was jedoch an diesem Beispiel deutlich wird: Bei der Entwicklung von Softwarelösungen, Hardware-Applikationen, Betriebssystemen etc. geht es nicht einfach um das Finden der besten Lösungen für den Konsumenten. Vielmehr geht es zu wie beim Monopoly – da werden mit grossem Risiko riesige Beiträge investiert – also nochmals massig Hotels und Häuser aufs Spielfeld gesetzt und andere rasch wieder abgestossen. Und keiner weiss so richtig, was das alles bringt. Man nehme dazu noch die rüden Patentstreitigkeiten zwischen Apple und Samsung bei den Tablet –PC’s. Richtig: Die Computerwelt  hat ihre Unschuld verloren. Nicht mehr die genialen Tüfteler haben das Sagen, sondern die knallharten Manager im IT-Business.

18. August 2011

Medienwelten: der kleine modische Unterschied

Filed under: Digital Life,Medien,Uncategorized — heinzmoser @ 11:53

Heute ist ein Katalog des Heine-Versands ins Haus geflattert. Das war mir ein Anlass mal im Netz zu googeln, was denn unsere Nachbarn in Deutschland  für die modischen Kleider bezahlen. Schliesslich ist der Wechselkurs in der Schweiz im Moment ein ständiges Thema. Und die Lebensmittelkonzerne wie Migros und Coop haben das zum Anlass genommen, um die teuren Importe anzuprangern und einzelne Produkte aus den Gestellen herauszunehmen.  Aber wie steht es z.B. mit der Modebranche, haben auch da die Anbieter auf die Wechselkursschwankungen reagiert?

Das Ergebnis ist etwas ernüchternd. Offensichtlich unterscheidet sich die Medienwelt der Mode mit ihren Katalogen und Angeboten in den beiden Ländern kaum – mit einer Ausnahme, nämlich dem Preis:

Was kosten denn zum Beispiel die Folgenden abgebildeten Artikel?

Euro sFr.
Tasche 79.90 159.90
Lederjacke 129.90 249.90
Kleid 49.90 99.90

Aber auch „sportive Lässigkeit“ für den Mann kostet in der Schweiz weit mehr. Die damit beworbene Lederjacke („das Besondere entdecken“) entspricht vom Währungsunterschied bis auf den Rappen dem in der Tabelle festgehaltenen Beispiel.

Der Heine Versand ist allerdings keine Ausnahme. Das zeigt z.B. ProIdee: Das Shape-Dress zur Formung der Figur kostet Frau in Deutschland 199 Euro, in der Schweiz 289 Franken. Und für das coole seidenweiche Sakko aus Leder zahlen deutsche Männer  998 Euronen, doch uns Schweizer kostet es1449 Franken.  Und zum Schluss die Preisfrage: Wieviel kostet diese Lederjacke?

Beim Otto-Versand in Deutschland 99.99 Euro, in der Schweiz beim Jelmoli Versand 199.95 Franken…

Die Preissenkungen im Lebensmittel Bereich sind denn auch kaum mehr als ein symbolischer Akt, wenn hinter den medienwirksamen Ankündigungen nicht Schritte einer generellen Reduzierung des Preisniveaus stehen.

26. Juli 2011

Kurzrezension: Schlagzeilen, Skandale, Sensationen

Filed under: Uncategorized — heinzmoser @ 20:20

Die englische Diskussion über den Abhörskandal um die Boulevard-Zeitung  News of the World hat das Imperium des Medien Tycoons Rupert Murdoch ins Taumeln gebracht. Es wurde wieder bewusst, dass Schlagzeilen, Skandale und Sensationen zu den Essenzen boulevardisierter Medien gehören. Doch gilt das auch für den Journalismus in der Schweiz. Da kommt ein Buch von Kurt W. Zimmermann gerade richtig, das genau diesen Titel hat: „Schlagzeilen, Skandale, Sensationen. Wie Medien und Journalisten heute agieren“ (Zürich: 2011).

Doch leider enttäuscht dieses kurzatmige Buch, das vor allem aus überarbeiteten und ergänzten Medienkolumnen aus der „Weltwoche“ besteht. Eigentlich erfährt man wenig Neues; zudem wird vieles pausenlos im Buch wiederholt. Auf S. 12 wird ein dreistufiges Modell beschrieben, wie in der journalistischen Alltagsarbeit Skandale erzeugt werden:
– durch „Schrauben“, indem der Story ein bestimmter Dreh verpasst wird;
– durch „Aufpumpen“, indem diese auf eine höhere Ebene geschoben wird:;
– durch „Zuspitzen“, indem die Story auf ihr finales Potenzial ausgestestet wird.

Genau dies scheint aber auch die Methode, welche der Autor in seinem Buch auf immer neue Beispiele anwendet.  Dabei sind einzelne Beispiele sicher erhellend, da Zimmermann die Journalismus-Szene von innen kennt. So führt er nochmals ins Bewusstsein, wie die Medienkonzentration beim Verlagshaus Tamedia in den letzten Jahren funktionierte – etwa im Fall der Thurgauer Zeitung. Diese wurde übernommen, um die „langfristige Unabhängigkeit“ und die Medienvielfalt im Kanton Thurgau zu sichern. Schon fünf Jahre später kam es zum Verkauf an die NZZ Gruppe und dann zur Einstellung der Zeitung… (S. 63).  Viele zu viele andere Beiträge enden dagegen in plakativer Thesenhaftigkeit, die nach dem dreistufigen Modell funktioniert, wie es oben beschrieben wird.

Schon beinahe merkwürdig wird es, wenn Zimmermann die Zunft der Kolumnisten kritisiert, da nichts so ins Kraut schiesse, wie diese. Wenn er dabei die „masernartige Kolumnitis“ kritisiert, so gehört ja die Entstehungsgeschichte seines Buches ebenfalls in dieses Kapitel. Und es gilt, was er für die Kolumne als Definition beschreibt: Sie sei kurz und stehe als Fachbegriff aus der Typographie für eine Spalte. Doch das ist es gerade, was sein eigenes Buch so schwierig macht: Eine Unmenge von einzelnen hintereinandergelegten Spalten. Das führt indessen dazu, dass der analytische Blick zu kurz kommt. So ist daran zu zweifeln, ob dadurch jeder Leser, wie der Klappentext verspricht, durch die Lektüre dieses Buches zum Medienprofi wird.

Kurt W. Zimmermann, Schlagzeilen, Skandale Sensationen. Wie Medien und Journalisten heute agieren, Zürich 2011 (Orell Füssli)

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