Medienwelten

6. Februar 2014

Persönliches auf dem Internet preisgeben?

Geben Jugendliche im Internet zu viel Persönliches auf dem Internet preis? Zu dieser Meinung muss man kommen, wenn man auf der Homepage von „SWITCH“ den Kommentar zum „SWITCH Junior Web Barometer 2013“ liest, bei dem 510 Schülerinnen und Schülern eingehend zu ihrem Internetverhalten befragt wurden. Schon fast vorwurfsvoll heisst es dazu: „Privatsphäre im Internet war gestern. Zumindest, wenn man die Jugend von heute fragt“. Und es wird dann wörtlich ausgeführt:

„Ungeachtet der aktuellen Diskussionen um Daten- und Identitätsschutz im Internet geben Kinder und Jugendliche bereitwillig persönliche Daten über sich preis: Gut 80 Prozent der 13- bis 20-Jährigen und immer mehr Sechs- bis Zwölfjährige sind mit ihrem richtigem Namen oder einem Foto für jeden im Internet auffindbar. Auch das Geburtsdatum, liebste Hobbies oder der aktuelle Beziehungsstatus werden offen mit der Netzgemeinde geteilt.“

Doch solche Aussagen sind zwiespältig. Gehen sie doch davon aus, dass Jugendliche an Besten gar nichts Persönliches auf dem Netz posten, weil sie sich damit vielfältigen Gefahren aussetzen. So heisst es zur SWITCH-Umfrage in einem Beitrag von 20 Minuten:  „Im vergangenen Jahr waren 80 Prozent der Befragten ab 13 Jahren im Netz mit ihrem richtigen Namen und einem Selbstporträt zu finden – frei zugänglich für jeden.“

Doch ein völlig anonymer Umgang mit „Social Media“ ist gar nicht denkbar. Wer zum Beispiel auf Facebook jede persönliche Information unterlässt oder im Profil sogar falsche Informationen streut, um nicht erkannt zu werden, hat die Spielregeln sozialer Netzwerke nicht begriffen. Sie dienen dem sozialen Austausch, und man ist hier in der Regel mit Menschen verbunden ist, die  einen auch aus dem realen Leben kennen. Auch wer sich dabei im Profil zu stark schönt, sich unter falschem Namen präsentiert, oder sich mit Eigenschaften versieht, die im realen Leben nicht zutreffen, handelt sich deshalb schnell Glaubwürdigkeitsprobleme ein.

Wenn man in jeder persönlichen Information bereits Gefahren wittert, dann bezieht man sich letztlich auf die Netzdiskussionen der späten Neunzigerjahre – als Chatrooms noch anonym waren und man sich darin mit einem Nickname bewegte. In diesen virtuellen Welten konnte man sich am Besten schützen, wenn man möglichst wenig – auch beim Flirten – von sich preisgab. Die neuen sozialen Medien wie Facebook verknüpfen dagegen die virtuellen Räume des Internets und den realen Alltag viel enger. Aus diesem Grund ist es wenig hilfreich, Jugendlichen zu raten, möglichst nichts Persönliches auf dem Internet zu veröffentlichen. Ein „asozialer“ Gebrauch der sozialen Medien hilft nicht weiter.

Das muss allerdings nicht heissen, dass die Empfehlung nicht mehr gilt, vorsichtig mit persönlichen Informationen umzugehen und nicht gleich Adressen, Telefonnummern und privateste Bilder dort allen zugänglich zu machen. Gerade wenn es klar ist, dass ein Profil auf einem sozialen Medium persönliche Informationen verlangt, dann wird zum Problem, welche Informationen man auswählt – und welche man unter keinen Umständen veröffentlichen will.

Manchmal erhält man aber auch den Eindruck, dass das Fordern nach Privatsphäre auf dem Netz und bei Facebook & Co. müssig ist. Wie man seit der NSA-Affäre weiss, landen unsere Daten ohnehin bei den Geheimdiensten. Sogar Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat die Spionage durch den amerikanischen Geheimdienst heftig kritisiert – weil damit auch das Vertrauen in sein eigenes Unternehmen gelitten hat.

Das soll nicht daran hindern, vorsichtig mit den eigenen Daten umzugehen. Ganz sicher kann aber nur sein, wer sich ganz aus dem Internet ausklinkt – indem man sich zum Beispiel statt dem neusten iphone das Steinhandy von www.i-stone.ch zulegt. Doch wer will das wirklich?

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