Medienwelten

2. September 2013

Lehrplan 21 und Informatik

Um den Lehrplan 21 hat sich eine Diskussion um die Informatik entspannt. Als neuster Vorschlag soll in der Sekundarstufe I der Aspekt „Information“ in den Bereich der technischen Fächer integriert werden. Der Kompromiss hat einiges für sich, enthält allerdings auch Stolpersteine. Dazu mein Artikel im Journal 21

7. Juni 2013

Medienbildung und Informatik in der Schule

Filed under: Medienbildung,Medienpädagogik — heinzmoser @ 21:34
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Noch in den Neunzigerjahren ging es darum, ICT im Unterricht unter dem Stichwort der Medienkompetenz zu verankern. Doch in der Zwischenzeit hat sich dieses Verhältnis getrübt. Aus der gemeinsamen Stossrichtung ist Konkurrenz erwachen. Dies ist die Thematik meines kürzlichen Artikels im Journal 21:

Informatik

4. Juli 2012

Informatikausbildung: ETH Professoren auf dem Holzweg

Gemäss der letzten Ausgabe der NZZ-Sonntagszeitung vom 1. Juli 2012 befürchten ETH-Professoren, dass die Schweiz den Anschluss an die Informatik verliert. Die Forderung deshalb: Informatik-Unterricht gehöre ab der ersten Klasse zum Unterricht der Volksschulen. Denn Programmieren sei genau so wichtig wie Lesen, Schreiben und Rechnen.

Das erinnert an eine ganz andere Kompetenz, die fast alle Schweizer heute erwerben: das Autofahren. Auch hier muss nicht jeder Fahrzeuglenker seinen eigenen Wagen bauen, warten und reparieren können. Den Ölstand messen, Radwechseln oder eine Batterie überbrücken, das geht gerade noch.

Wer aber mit dem Auto vor allem fahren („navigieren“) will, benötigt andere Kompetenzen: Er/sie muss die Verkehrsregeln kennen, bei einem Unfall erste Hilfe leisten können, die Bedienung des Fahrzeugs, bis hin zum richtigen Einparken, beherrschen…

Ganz ähnlich ist es bei den alltäglichen Kompetenzen im Umgang mit Computern und digitalen Medien: Ich muss die Maschine nicht selbst bauen und programmieren. Dagegen lerne ich, mit Programmen wie Word umzugehen; ich kann bei sozialen Diensten mit Privatheitseinstellungen umgehen, weiss wie ich ein Video erstelle und schneide, eine Präsentation für den Beamer gestalte etc. Man hat das seit den späten 80er Jahren als „Alltagsinformatik“ bezeichnet – als man merkte, dass die Mehrzahl der Nutzer/innen von digitalen Techniken ihre Computer nicht selbst programmierten sondern mit vorgegebenen Programmen arbeiten.

Aus dieser Perspektive versuchen die ETH-Professoren olle Kamellen aus dem Anfang der digitalen Entwicklung wiederzubeleben. Denn damals glaubte man noch, dass jeder Computernutzer sein Maschine in Zukunft selbst programmieren müsse – in Basic, Logo, Pascal  oder einer anderen Computersprache. Computersprachen galten als äquivalent zu anderen Sprachensystemen, die Menschen in der Alphabetisierung zu lernen haben: zur Muttersprache, aber auch zu Symbolsystemen wie der Sprache der Mathematik

Doch von dieser überzogener Bedeutung von Computersprachen als weiteren genuinen Kommunikations- und Ausdrucksformen der Menschen ist der Diskurs über ICT und Schule längst wieder abgekommen. In diesem Sinne kann man heute im Ernst auch  nicht mehr behaupten, dass „zwingend das grundlegende Wissen über die Programmierung“ ab der ersten Klasse der Volksschule vermittelt werden müsse.

Das heisst allerdings nicht, dass Programmieren in einer kindgerechten Form nicht auch in einem überfachlichen  Ansatz – etwa angelehnt an Mathematik oder naturwissenschaftliche Fächer seinen Platz haben kann. Denn damit können Kinder und Jugendliche einen Blick hinter die Oberfläche computerisierter Maschinen werfen – etwa wenn sie mit einer Programmierumgebung wie Scratch konstruktiv und kreativ arbeiten.

Solche Unterrichtsprojekte entsprechen jedoch nicht dem geforderten systematischen Aufbau von Informatik-Kompetenzen ab dem ersten Schuljahr. Vielmehr sind sie Teil eines Ansatzes, der zentrale Medienthemen unter dem Anspruch allgemeiner Bildung an die Volksschule herantragen will: Zur Medienbildung gehört in diesem Sinn, dass man in der Schule Einblicke in die Funktionslogiken von digitalen Medien erhält.

Das Anliegen der Informatikprofessoren betrifft dagegen ein propädeutisches Anliegen für die Vermittlung beruflicher Qualifikationen im Informatikbereich. Dass hier verstärkte Schwerpunkte in der Ausbildung der Gymnasien notwendig sind, ist für diese Stufe nachzuvollziehen. Und auch auf der Sekundarstufe (13.-15.) Altersjahr kann man sich überlegen, ob einige zentrale Inhalte des ICT-Bereichs in den Ansatz einer digitalen Medienbildung einbezogen werden könnte, um Möglichkeiten und Relevanz der Informatik für die heutige Gesellschaft im Unterricht aufzuzeigen. Dies könnte aber durchaus im Rahmen des traditionellen Fächerkanons geschehen.

Generell braucht die Volksschule keine Aufwertung einer scheinbar unterbewerteten Informatik, sondern vermehrte Anstrengungen in der Medienbildung. In den Schulen sollte die Arbeit mit Medien generell so selbstverständlich sein wie in anderen Bereich der Arbeitswelt. Darin müssten Schülerinnen und Schüler unterstützt werden – und auch auf Risiken und Gefahren hingewiesen werden, die mit den digitalen Medien verbunden sind. Wenn Kinder in  der Volksschule für das Arbeiten mit Medien motiviert werden und für ihre alltäglichen Arbeiten in der Schule (Referate, Schreiben von Texten, Präsentationen etc.) immer selbstverständlicher auf neue Medien zurückgreifen, dann wächst auch das Interesse an der Informatik und der Wunsch mehr über diesen Bereich und das dahinterstehende Wissen zu erfahren – ja vielleicht auch, bei der eigenen Berufswahl die Informatik als eine der spannendsten Arbeitsgebiete in der heutigen Gesellschaft einzubeziehen.

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